Deutschland

Wednesday, 25. january 2012 3 25 /01 /Jan. /2012 20:29

Ein Artikel von Heinz Stehr.

Heinz Stehr war lange Jahre Vorsitzender der DKP.

 

 

Skandale um Wulff- um was geht es?

heinz_stehr22.01.12:

 

Die Geschichte der BRD ist reich an Skandalen, Besonders wenn es um Bundespräsidenten geht. Heuss hatte nicht nur dem Ermächtigungsgesetz Hitlers als Reichtagsabgeordneter zugestimmt, er war in hohem Maße für die Spaltung Deutschlands mitverantwortlich und er wirkte als scharfer Antikommunist. Der sogenannte „Papa“ Heuss sollte auch gegen den populären Wilhelm Pieck in der DDR in Stellung gebracht werden. KZ Baumeister Heinrich Lübke, der SA Mann Karl Carstens dokumentieren Kontinuitäten vom faschistischen Deutschen Reich zur BRD.

 

Wulff ist die Regel, Bundespräsident Gustav Heinemann war die Ausnahme. Die Bundespräsidenten entsprachen den gesellschaftlichen Realitäten ihrer Zeit, in der sie das „höchste“ Amt im Staate ausübten. In Zeiten des zugespitzten Antikommunismus waren Staatsoberhäupter mit Nazibiografie gefragt. In Zeiten möglicher gesellschaftlicher Veränderungen war Gustav Heinemann nötig um den Kapitalismus zu stabilisieren.

 

Christian Wulff bot für die entscheidenden politisch bestimmenden Teile des transnationalen Finanzkapitals die besten Voraussetzungen die Macht in ihrem Sinne zu gebrauchen. Charakterliche Mängel waren mit Sicherheit kein Hinderungsgrund für diese Entscheidung. Zu diesem System gehören Korruption, Durchstecherei und Bereicherung der ohnehin schon Reichen, ohne Rücksicht auf Moral und Anstand. Dieser Anspruch auf moralische Werte wird in Sonntagsreden, zu Weihnachten und Neujahr an die Bevölkerung gerichtet.

 

Der neoliberale Kapitalismus dieser Zeit ist verantwortlich:

 

Für Kriege, mit der Gefahr des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen.

 

Für weltweite Unterdrückung und Ausbeutung des übergroßen Teils der Menschheit.

 

Für Umweltkatastrophen , Hunger und Unterentwicklung. Für die Tatsache dass täglich mehr als eine Milliarde Menschen hungern müssen und Kinder an Hunger sterben.

 

Für Rassismus und Chauvinismus.

 

Zu diesem System gehören Demokratieabbau, Korruption und Verfall jeglicher menschlicher Werte.
Wulff ist ein „würdiger“ Vertreter dieser Machtstrukturen.

 

Angesichts dieser Situation muss uns die Frage beschäftigen: was bedeuten diese gravierenden

Veränderungen in diesem Prozess des Übergangs des bisherigen Kapitalismus zu jenen Kräften die stärker auf diktatorische Formen der Machtausübung des Finanzkapitals setzen? Die tief greifenden Krisen dieser Zeit signalisieren Umbrüche im kapitalistischen Gesellschaftssystem. Regierungen, staatstragende Parteien – ja der gesamte Überbau des Staates soll entsprechend dem Interessen der entscheidenden Teile des Großkapitals verändert werden. Die Affäre Wulff signalisiert vor allem neue Gefahren für Rechtsentwicklungen. Konkret heißt dies: weiterer Demokratie – und Sozialabbau und verstärkte Repressionspolitik nach außen und innen. Politische Strukturen im Bund und in den Ländern, in Regional- und Ortsparlamenten werden vorwiegend zur Umsetzung von Sparprogrammen missbraucht.

Die größte Medienmacht dient vor allem der Propaganda für die Ziele des Kapitals. Die Bild Zeitung ist die Speerspitze ultrakonservativer reaktionärer Medienmacht, sie wird durch die Darstellung des Wulff-Skandals nicht nur ihre Auflage erhöhen, sondern auch den eigenen politischen Stellenwert erweitern. Der Umgang mit Wulff, die Profilierung als Wächter moralischer und sittlicher Werte, ist der weitere Versuch der Bildzeitung und des Springerkonzerns ihre Macht durch so genannte Leitmedien zu festigen.

 

Die Skandalisierung dieser im Kapitalismus normalen Korruption dient auch zur Ablenkung von den gravierenden politischen und ökonomischen Problemen dieser Zeit. Möglich, dass Wulff in dieser Situation als „Bauernopfer“ benötigt wird. Ein Aspekt der Kampagne um Wulff ist auch vor dem Hintergrund seiner Äußerungen zur Migration und des Islams in der BRD - Gesellschaft zu verstehen. Das war aus der Sicht rechter Kreise ein unzulässiger Tabubruch der „bestraft“ werden muss!

 

Der Wulff Skandal zeigt noch einmal nachdrücklich die Krise des parlamentarischen Systems in der aktuellen Verfasstheit und der sie tragenden Parteien. CDU/CSU, SPD, FDP, diese Parteien verlieren massenhaft Mitglieder und Wählerinnen und Wähler. An Wahlen beteiligen sich tendenziell immer weniger Menschen. Das Wahlsystem erreicht oft nur noch 50% der Bürgerinnen und Bürger. Dies ermöglicht den Reaktionären, rechten Populisten, Neonazis aller Schattierungen neue Spielräume zu nutzen.

 

Sarrazin, Gauweiler, Merz, Guttenberg und Koch – die Vertreter wichtiger Unternehmerverbände wollen eine andere Republik, eine die den neoliberalen Verhältnissen umfassend entsprechen soll. Das Grundgesetz ist trotz der bereits vielseitig vollzogenen Veränderungen ein Hindernis dabei, daher die Forderungen zur Veränderung der Verfassung.

 

Für die Forderung nach Rücktritt von Wulff Aktionen durchzuführen wäre folgenlos, nach Lage der Dinge käme dann der antikommunistische “Widerstandskämpfer“ Pastor Gauck - oder jemand ähnlichen Kalibers in dieses Amt. Rücktrittsforderung müssen verbunden werden mit Forderungen nach einem tatsächlichen Politikwechsel zu progressiver Politik.

 

Veränderungen brauchen Bewegungen, die massenwirksam sind und durchsetzungsfähig werden. Die Chance, diesen Prozess zur Stärkung progressiver Kräfte zu nutzen, ist höchstens in Ansätzen zu erkennen. Nur wenn Bezugspunkte und Hintergründe erkennbarer werden, kann es zur Profilierung linker Politik durch konkrete alternative Forderungen beitragen. Ein grundsätzliches Problem ist, dass der Linken ein massenwirksames gesellschaftspolitisches Projekt fehlt, für das man gemeinsam eintritt und kämpft. So ein Zukunftskonzept kann Bewegten und Bewegungen Orientierung geben und Kraft vermitteln.

Als Kommunistinnen und Kommunisten, die Mitglieder der DKP sind, müssen wir in dieser Situation einen wirkungsvolleren Beitrag leisten, Z.B. durch die öffentliche Darstellung unseres Programms und der Beschlüsse des 19. Parteitages (Politische Resolution und Aktionsorientiertes Forderungsprogramm) und die Initiierung von mehr Bewegung bzw. der Beteiligung daran.

 

Heinz Stehr

 

Quelle: http://www.kommunisten.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=3202:skandale-um-wulff-um-was-geht-es&catid=37:kommentare&Itemid=69

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Deutschland - Community: Kritische Massen
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Tuesday, 24. january 2012 2 24 /01 /Jan. /2012 19:50

20.000 Leiharbeiter gibt es München, sagt der DGB, vor acht Jahren waren es erst 7.500. Allein bei der Stadt sind es etwa 1.000, was zeigt, dass die öffentlichen Betriebe nicht anders handeln als die privaten. Einige Beispiele für die Konditionen für die Leiharbeiter: BMW hatte sich 2008 gegenüber der IG Metall verpflichtet, Leih-arbeitern den gleichen Grundlohn zu zahlen wie Festangestellten, nämlich mindestens 11,61 Euro pro Stunde. Das bedeutete jedoch nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit (Equal-Pay nach EU-Vorgabe), denn z. B. übertarifliche Zuschläge und die Jahresprämie gibt es für sie nicht. In der Krise wurden sie fast alle rausgeschmissen. Die neue Billiglohn-Masche heißt jedoch Werkvertrag, ein Inst-rument, um tarifliche oder betriebliche Equal-Pay-Regelungen zu unterlaufen. An Umfang übersteigen sie die Leiharbeit bereits. Im BMW-Werk Regensburg z. B. erhalten laut Mittelbayerischer Zei-tung vom 22.11.11 externe „Dienstleister" im Rahmen sogenannter Werkverträge teilweise nur den Mindestlohn der Zeitarbeitsbranche (7,79 Euro). Die Bezahlung der Angestellten der beauftragten Firma sei nicht Bestandteil des Vertrages, zitiert das Blatt eine BMW-Pressesprecherin. Im BMW-Werk Leipzig gehen die Kollegen mit Werkverträgen mit etwa 1000 Euro weniger nach Hause – die Hälfte der Belegschaft! Ein Regensburger Betriebsrat erklärt, auch

 

 

in München sei dies bereits Praxis. „Wir prüfen derzeit den Fall, der mich schockiert", sagt Horst Lischka, Chef der IG Metall in München. »Ich hätte nie gedacht, dass BMW das Grundgehalt mit Werkverträgen unterläuft (Die Zeit-online, 8.12.2011) Auch die HypoVereinsbank bezahlt nach Verdi-Angaben ihre Leiharbeiter mies. 80 Prozent aller Neueinstellungen nimmt sie über ihre Leiharbeitstochter HVB Profil zu deutlich billigeren Konditionen vor. Bundesweit hat diese nach Angaben von Verdi 500 bis 600 Mitarbeiter, die meisten davon in München. „Viele arbeiten schon viele Jahre lang in der Leiharbeitsfirma", sagt die zuständige Verdi-Sekretärin Stenzel. „Es geht da also offensichtlich nicht darum, Auftragsspitzen abzufedern, sondern damit werden Personalkosten gespart." (SZ, 17.11.2011) Um sich endlich besser wehren zu können, konnte im Frühjahr nach zähem Kampf endlich ein Betriebsrat der HVB Profil von den Beschäftigten durchgesetzte werden. Um die Kollegen einzuschüch-tern, werden nun die frisch gewählten Betriebsräte angegriffen. „Ihre Verträge werden einfach nicht verlängert", sagt Stenzel. Bisher sind vier Betriebsräte betroffen. Auch die Deutsche Telekom vermittelt ihre Leiharbeiter in der haus-eigenen Beschäftigungsgesellschaft Vivento mit bis zu 40 Prozent Lohnabschlag.

l

rem

 

aus Auf Draht http://www.dkp-muenchen.de/attachments/076_AD_2012-01-24ansicht.pdf 

Auf Draht wird von der DKP und der Gruppe KAZ gemeinsam herausgegeben.

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Deutschland - Community: Kritische Massen
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Tuesday, 24. january 2012 2 24 /01 /Jan. /2012 19:28

Ein Eintrag von kranichos in seinem Blog http://opablog.net/ :

 

10 Gedanken zum Aufruf gegen die Kriegsvorbereitung und für die Solidarität mit den bedrohten Völkern

  1. Der pazifistische und nicht besonders radikale Antikriegsaufruf wurde im Laufe von drei Wochen von rund 2.500 Leuten unterschrieben. Gemessen an der recht großen Gefahr ist das ein Nichts. Natürlich gibt es viel mehr konsequente Kriegsgegner in Deutschland als diese 2.500. Laß es 10.000 sein oder 25.000. Als gesellschaftliches Gewicht im Verhältnis zu 80 Millionen Einwohnern wären auch solche Zahlen ein Nichts.
  2. Viele ernsthafte Kriegsgegner haben ihre Gründe gehabt, sich in dieser Form nicht zu erklären. Eine andere, ihnen gemäßere, wirksamere Form der Erklärung haben sie nicht gefunden. Sie gelten in der hier anzustellenden Rechnung Null. Vielleicht wird gesagt: „Die Aufrufe kommen und gehen…“ Ich gebe dagegen zu bedenken: „Die verwirrenden Momente, die die Grundfragen verwischen, die „brandheißen Informationen“ („Gaddafi bombardiert sein Volk.“), die mir die Entscheidung erschweren oder unmöglich machen – auch sie kommen und gehen. Sie „kommen“, also beherrschen die Agenda im Zeitpunkt, da die Parteinahme notwendig ist. Sie „gehen“, d.h. werden relativiert oder widerlegt, wenn die Würfel längst gefallen sind. Kriegsgegner sollten wissen, daß Kriegspropaganda so funktioniert. (Wer hierfür ein aktuelles Beispiel braucht, scrolle ein Posting nach oben.)
  3. Es finden Kriege statt, weitere werden vorbereitet. Wir wissen nicht, ob sich die Welt auf eine große Kriegskatastrophe zubewegt. Möglich ist es. Unvermeidlich gehen die Gedanken zurück zu den Jahren 1914 und 1939. Die Wachheit, Stärke, Organisiertheit der Friedenkräfte in den Zentren der kriegstreibenden Mächte ist heute gering, nicht anders als zu diesen Zeitpunkten, den Vorabenden der bis dahin größten Menschheitskatastrophen.
  4. Die traditionellen Massenorganisationen „des Volkes“, der arbeitenden Menschen („der Arbeiterklasse“) sind heute, wie 1914, wie 1933 nicht in der Lage, die drohende Gefahr wirklich zu erkennen und massiv/effektiv dagegen zu mobilisieren. Im Gegenteil, sie haben ihre Bereitschaft bewiesen (SPD und Grüne) oder (durch Zweideutigkeit) in Aussicht gestellt (Linke), sogenannte notwendige Kriege mitzutragen.
  5. Es fällt mir schwer zu begreifen, daß auch die Linke, deren Führung und deren Kernmitgliederbestand jahrzehntelang eine marxistisch-leninistische Bildung/Sozialisation erlebt hat, offensichtlich nicht bereit ist, sich zu einer bedeutenden Antikriegskraft in der realen Politik zu erheben.
  6. Der deutsche Imperialismus verfolgt seit seiner Geburtsstunde eine weitgesteckte Strategie. Heute hat er gelernt, neben der „Brechstange“ auch ungewöhnlich differenzierte, ja subtile Instrumente einzusetzen. Damit ist er umso erfolgreicher, als seine „linken“ Gegner Antikapitalismus allenfalls rhetorisch betreiben und auf Antiimperialismus völlig verzichten.
  7. Die Kriegskräfte sind, wie meist, für alle Eventualitäten gewappnet. Ich möchte besonders darauf hinweisen, daß auch die menschenfeindlichsten, verbrecherischsten Exzesse des Krieges bereits in „Friedenszeiten“ antizipiert und geübt werden, so daß die „Zivilgesellschaft“ es „lernt“, sie hinzunehmen. In diesem Sinne hatten die Greuel des 1. Weltkriegs ihre Probe in den Verbrechen gegen die Hereros. Die monströsen Greuel der Faschisten wurden lange vor dem 2. Weltkrieg eingeübt. Unsere heutige „Zivilgesellschaft“ hat, was in Kunduz und danach geschah, als Standard akzeptiert.
  8. Der Aufruf, dessen reale Friedensmacht ich als „Nichts“ bezeichnet habe, hat trotzdem enormes Aufsehen erregt. Seine Bedeutung liegt einerseits darin, die Hermetik der Gesellschaft gestört zu haben. Er verheißt: Die radikal Anderen sind nicht ausgemerzt und können nicht ausgemerzt werden. Doch mit ihm wurde andererseits auch von der Gegenseite offensiv umgegangen. Er wurde benutzt, um den Druck zur weiteren Neutralisierung, Lähmung, Teilung der Partei Die Linke zu erhöhen.
  9. Die radikal-humanistischen Kräfte in diesem Land sind wieder einmal in einer desaströsen Lage. Das zu begreifen, könnte der erste kleine Schreit sein, um aus ihr heraus zu kommen. Das Begreifen kann auch unterbleiben. Das ist in Deutschland im 20. Jahrhundert zweimal geschehen. Danach beherrschte der Krieg das Leben.
  10. Als die Friedenskräfte vor dem 2. Weltkrieg versagten, hat die Kriegsmacht der Angegriffenen unter vielen Millionen Opfern den faschistischen deutschen Aggressor vernichtet. Wenn heute wieder die Friedenskräfte versagen, steht wieder die Kriegsmacht der Angegriffenen gegen die Aggressoren. Es ist nicht sicher, ob die Menschheit und die Erde einen solchen Krieg aushält.
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Monday, 23. january 2012 1 23 /01 /Jan. /2012 17:37

Rudolf Stummberger spricht unter diesem Titel ein Thema an, das die Hilflosigkeit und Bewegungslosigkeit des grössten Teils der Arbeierklasse in Deutschland gegenüber den Krisenfolgen und -befürchtungen zum Teil erklärt.

 

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36187/1.html

 

Die beobachtete Tendenz ist eine normale Erscheinung in Krisenzeiten. Wenn die Nachfrage nach Arbeitskraft sinkt, verschärft sich objektiv die Konkurrenz der Arbeitskraftanbieter untereinander. - Wenn du den Job nicht kriegst, krieg ich ihn vielleicht. Wenn dein Betrieb geschlossen wird, bleibt vielleicht meiner erhalten.

 

So "logisch" das ist, so schädlich ist es für alle. Es handelt sich um eine Konkurrenz, die alle Lohnabhängigen nach unten zieht. Deshalb gibt es, ebenso objektiv, auch eine gegenläufige Logik: Wenn wir alle zusammenstehen, können wir das Blatt wenden. Aber diese Logik entwickelt sich nicht spontan, sondern erfordert einige politische Kenntnisse.

 

An diesem Punkt beginnt das Erfordernis des politischen Zusammenschlusses derer, die kapiert haben, dass die "Wendung des Blatts" notwendig und möglich ist; - des Zusammenschlusses zum Zweck, diese Notwendigkeit und die dafür erforderlichen Kenntnisse an die Masse derer zu vermitteln, die sich noch in der Abwärtsspirale bewegen und keinen Asuweg sehen. Stichwort: kommunistische Partei.

 

(Dank an http://nemetico.twoday.net/ für den Hinweis)

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Monday, 23. january 2012 1 23 /01 /Jan. /2012 16:27

Hundsmiserable "Arbeitsplätze" hat Schlecker 30 000 Menschen geboten. Damit hat der Clan ein geschätztes Vermögen von 2 Milliarden zusammengerafft. Jetzt legt man eine Pleite hin. Die Schleckers werden schon genügend beiseite getan haben, um nicht darben zu müssen. Mindestens ein Teil der Beschäftigten wird nach schlechter Arbeit nun gar keine mehr haben. - Das ist die "Chancengleichheit", die in den Sonntagsreden so oft die beschworen wird, in der Realität.

 

Schlecker-Insolvenz - 30.000 Arbeitsplätze sind gefährdet

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22.01.2012:

 

 Am Freitagabend ging die Pleite-Meldung durch die Tagesschau: Die Drogeriekette Schlecker will für die insgesamt rund 7200 Filialen Insolvenz anmelden. 30.000 Arbeitsplätze sind gefährdet. Schlecker ist der Inbegriff für Ausbeutung und prekäre Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel. Schlecker machte viele Fehler. Das Image des Unternehmens war ramponiert: Alle Kunden wussten: “Billig” geht hier auf Knochen der beschäftigten Frauen. Erst 1996 wurden Betriebsräte zugelassen. 1998 gab es Bewährungsstrafen für Anton und Christa Schlecker. Grund: Verstoß gegen den Manteltarifvertrag. Zwei Millionen D-Mark mussten für gemeinnützige Zwecke gezahlt werden.

 

Schlecker ist ein Musterbeispiel für die Unfähigkeit und das Versagen des Kapitalismus: Auf Teufel komm raus immer mehr Profit. Und das zum Schaden der Beschäftigten. Selbst die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrem Kommentar vom 21.01.12: „Es hat hier ein tatkräftiges Gründerpaar den Profit absolut und einseitig über die Moral gestellt.“ 2009 versuchte Schlecker weit reichende Änderungen in ihrem Filialsystem durchzusetzen. Schlecker schloss kleinere Filialen und gründete in unmittelbarer Nähe so genannte XL-Filialen. Die betroffenen Verkäuferinnen wurden kurzerhand auf die Straße gesetzt, oder es wurden ihnen neue Arbeitsverträge mit noch weniger Geld und zu noch schlechteren Bedingungen angeboten.

 

Als bekannt wurde, dass Arbeitgeber Daten über Ursachen von Krankheiten der Beschäftigten speicherten, dass sie die neuen Technologien nutzten, um zu erfahren, wo sich die Mitarbeiter aufhalten, mit wem sie reden, mit wem sie telefonieren, mit wem sie eMails austauschen, was sie denken, ob und wie sie sich gewerkschaftlich engagieren, da gehörte zu den angeschuldigten Unternehmen auch Schlecker.

 

Schlecker versuchte, sich von der Tarifbindung zu verabschieden. Schlecker forderte Verkäuferinnen gezielt dazu auf, ihr bestehendes Arbeitsverhältnis aufzugeben und Arbeitsverträge mit der Zeitarbeitsfirma Meniar abzuschließen. Freilich unter schlechteren Bedingungen als das vorher der Fall war. Schlecker Beauftragte drohten mit Entlassung, sollten die Verkäuferinnen die neuen Verträge nicht akzeptieren.

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Der lange gewerkschaftliche Kampf gegen Schlecker war nicht erfolglos. Zuletzt musste Schlecker einen Tarifvertrag akzeptieren, der einen Mindestlohn von 9,07 Euro für ungelernte Kräfte vorsieht. 2010 versuchte Schlecker einen Strategiewechsel. Es begann eine Restrukturierung, es gab ein neues Logo und ein neues Motto: „For You. For Ort“.

Jetzt will Schlecker eine „geplante Insolvenz“ beim Amtsgericht anmelden. Das Insolvenzplanverfahren ist eine vom Gesetzgeber mit Inkrafttreten der Insolvenzordnung geschaffene Möglichkeit zur Sanierung in der Insolvenz. Dabei wird der Antrag auf Insolvenz mit einem bereits erstellten Insolvenzplan verbunden, um die geplante Sanierung und Modernisierung fortzusetzen.

 

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert vom Eigentümer Anton Schlecker volles Engagement bei der Rettung der Arbeitsplätze.

 

„Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten. Besonders in einem solchen Falle gilt: Eigentum verpflichtet“, betonte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Vorstandsmitglied für den Handel.

Nun komme es darauf an, in einem eventuell bevorstehenden Insolvenzprozess einen gangbaren Weg zu finden, um die mehr als 30.000 Arbeitsplätze bei Schlecker zu retten. „Gemeinsam mit den Betriebsräten und den Betroffenen werden wir intensiv beraten, welche konkreten Schritte kurzfristig eingeleitet werden müssen“, so Stefanie Nutzenberger, und weiter: „Die Beschäftigten haben sich auch in den vergangenen schwierigen Jahren mit voller Kraft und großem Engagement für ihr Unternehmen eingesetzt und den Laden am Laufen gehalten. Auch deshalb haben sie einen Anspruch darauf, dass sich jetzt Schlecker im Gegenzug mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzt.“(Quelle: verdi/pressemitteilungen)

 

Vom “manager magazin” wurde das Vermögen der Familie im vergangenen Jahr auf 1,95 Millarden Euro geschätzt. Noch 2010 machte Schlecker einen Umsatz von etwa 6,5 Milliarden Euro und nannte sich mit den damals 11000 Filialen Deutschlands größte Drogeriemarktkette.

 

Die Beschäftigten bei Schlecker müssen jetzt damit rechnen, dass sie keinen Lohn bekommen, sondern Insolvenz-Ausfallgeld. Begrenzt auf drei Monate. Das Geld kommt von der “Agentur für Arbeit”. Den Antrag müssen die Beschäftigten stellen. Dabei sind auch Fristen zu beachten. Die DKP-Gerresheim hat ein Flugblatt erstellt und ruft auf zur Solidarität mit den beschäftigten Kolleginnen.(Anlage)

Text: mami Fotos: nicor/mami

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