1. Anmerkung unten links

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Der Staat rettet jetzt die Wirtschaft. Vor weniger als einem Jahr hiess es noch: Der Staat darf sich nicht in die Wirtschaft einmischen. Der Staat verzerrt bloss den freien Wettbewerb. Der Staat bringt bloss die freien Maerkte durcheinander.

Es sind die selben Leute, die gestern das Eine und heute das Andere sagen - Politiker von schwarz ueber gruen bis rosarot, Wirtschaftsweise und Top-Manager. - Soll man diesen Leuten noch trauen ? Kann man sie noch ernst nehmen ? Was halten Sie von einem Nachbarn, der Ihnen heute erzaehlt, er habe eine weisse Katze, obgleich er Ihnen gestern erzaehlt hat, er habe eine schwarze Katze ? Und dessen Katze, schwarz oder weiss, Sie im uebrigen nie gesehen haben ?

Die Finanzgenies und Industriekapitaene, Nobelpreistraeger und Staatschefs koennen es nicht. Sie koennen ihre freien Maerkte nicht so betreiben, dass nicht immer wieder Chaos, Unsicherheit und Not entstehen. Und sie koennen ebensowenig ihre Staatsinterventionen betreiben, ohne dass Ungerechtigkeiten, Buerokratie und Betrug herauskommen. 

Dumm und unfaehig sind sie auch. Aber das ist nicht das Hauptproblem. Jede Gesellschaftsordnung hat ihre Antriebe, Gesetzmaessigkeiten, Regelwerke. Die Leute in den Kommandostellen werden so, wie diese sie praegen. Betriebsblindheit, der taegliche Trott, der Zwang zur Anpassung um der Karriere willen, die eigene Gier machen selbst die Kluegsten zu Trotteln und dreisten Luegnern. Der kapitalistische Antrieb - im Kern: der Profit - war einer, der die wirtschaftliche Entwicklung maechtig vorangebracht hat. Die Maerkte haben alle Grenzen gesprengt und alle Nationen miteinander in Verbindung gebracht. Die Produktionstechnik ist innerhalb zweihundert Jahren weiter entwickelt worden als in der gesamten vorhergehenden Menschheitsgeschichte. Aber jeder Antrieb, jede Gesetzmaessigkeit, jedes Regelwerk erschoepft sich einmal. Die Dinge veraendern sich, und mit der Zeit passt die Form nicht mehr, die ihnen den Rahmen gibt. Wenn die Repraesentanten einer Ordnung sich als unfaehig erweisen, heute dies und morgen jenes erzaehlen, sich bis auf die Knochen blamieren und trotzdem einfach so tun, als waer weiter nichts, dann ist das ein Zeichen dafuer, dass etwas zu Ende geht.

In unserer Zeit passiert genau das mit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Technik und Wissenschaft, die Qualifikationen und der Ideenreichtum der Menschen entwachsen ihr. Sie muessen schon kuenstlich in den ueberlebten Rahmen zurueckgezwaengt werden. Das wird auf die Dauer nicht gehen. Der Rahmen wird gesprengt werden. Der Herr Professor Sinn erweist sich als Professor Unsinn, und der maechtige Kapitalismus als eine alte Schindmaehre, die den Karren nicht mehr weiterziehen kann.

Veröffentlicht in Weltwirtschaftskrise

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post