Wednesday, 24. june 2009
3
24
/06
/Juni
/2009
06:50
Eine junge Frau liegt auf der Strasse. Die Kamera haelt auf ihr Gesicht: ein schreckstarres Gesicht, weit aufgerissene Augen. Eine Sekunde spaeter ist das Gesicht
blutuberstroemt. Die Frau ist in die Brust geschossen worden. Jetzt quillt das Blut aus ihrem Mund. Das Blut ueberstroemt Gesicht und Hals. Die Frau stirbt offenbar, waehrend die Kamera auf sie
haelt.
Diese Sequenz wurde vorgestern in allen spanischen TV-Sendern wieder und wieder und wieder gezeigt. Ich sehe kein deutsches Fernsehen, aber ich vermute, dass es da nicht anders gewesen ist.
Jedenfalls erklaerte FAZ.NET die Aufnahmen zum "Symbol der Demokratie-Bewegung im Iran".
Symbol der Demokratie-Bewegung im Iran ? Oder Symbol fuer die Menschenverachtung der Journaille ? Da ist ein Mensch gestorben. Sein Sterben ist gefilmt worden. Und die Aufnahmen von den letzten
Sekunden eines Menschenlebens werden verwertet im Dienst der Propaganda. Die Spekulation auf die Sensationslust und den Voyeurismus des Publikums geht vermutlich auch auf.
Gestern starben drei deutsche Soldaten bei einem Gefecht in Afghanistan. Haben Sie darueber ein Filmchen gesehen ? Vielleicht gab es keine Kamera, die gerade gefilmt hat. Aber haben Sie ein Foto
gesehen von den gefallenen Soldaten, von ihren Gesichtern im Todeskrampf ? Natuerlich nicht. Warum nicht ? Weil die Gesichter von toten deutschen Soldaten nicht so fotogen sind wie
das blutueberstroemte Gesicht einer jungen iranischen Frau ?
Die deutsche Regierung ist sehr respektvoll. Nicht einmal die Identitaet der Gefallenen wird mitgeteilt, "mit Ruecksicht auf die Angehoerigen". Selbstverstaendlich repektiert die
Journaille diese Pietaet. Hat die iranische Frau keine Angehoerigen ? Oder ist Pietaet nur gefragt, wenn es sich um deutsche Soldaten handelt ?
Die Diskretion im Fall der deutschen Soldaten ist nicht weniger propagandistisch als die herzlosen Bilder von der Frau in Teheran. Aber in diesem Fall geht es um etwas anderes. Der Krieg in
Afghanistan ist kein Krieg. Er ist eine Friedensmission. Da sind Tote, zumal eigene, peinlich. Nicht nur aeusserste Diskretion, sondern noch eins drauf: Die drei Soldaten "sind fuer den Frieden
gefallen" !
Die Bilder und die Nicht-Bilder, die sensationsgeile Respektlosigkeit in dem einen Fall und die "Diskretion" im andern haben eine gemeinsame Uebrschrift: Moralische Verkommenheit der
Jounaille.
von Sepp Aigner
-
veröffentlicht in: Iran
-
11
Neueste Kommentare