Adieu, Kameraden ? Oder Auf Wiedersehen ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Lorenz Jäger ist ein Rechter. Jetzt hat er in der FAZ einen Artikel geschrieben, in dem er sich von der "neuen Rechten" abgrenzt, von den diversen Versuchen, eine "populistische" Partei auf den Markt zu bringen, von Broder und seiner PI, von der USamerikanischen Tea Party, von "Junge Freiheit" und Wilders. Vielleicht ist die Tatache, dass die FAZ ihm den Platz dafür einräumt, sogar noch interessanter als seine persönliche Stellungnahme - "Adieu, Kameraden ...".

 

Diejenigen in der deutschen Grossbourgeoisie und ihrem ideologieverarbeitenden Anhang, die ihr altes Parteienspektrum sprengen wollen, weil sie meinen, es sei Zeit, den entäuschten, verunsicherten, maulenden Kleinbürgermassen die braune Mohrrübe vors Maul zu halten, zumindest als "Korrektiv" des "traditionellen Konservativismus" und als Drohung, bleiben bislang in der Minderheit. Die Mehrheit setzt (noch ?) auf das Bewährte, die "Volksparteien", die "Parteien des Verfassungsbogens", den "Grundkonsens" der alten BRD; CDU/CSU für die "wertkonservativen" kleinen und mittleren Unternehmer, Bauern und die Kleinbürger in gediegenen Verhältnissen; SPD für die Arbeiteraristokratie; und die FDP ? - Nunja, der traditionell-liberale Platz ist mittlerweile zu einem Gutteil vom grünen Kleinbürgertum besetzt, und der Rest ihrer Funktion, die "neoliberale" Sperspitze des "Turbo-Kapitalismus" zu mimen, sollte man vielleicht im Moment besser zurück ins Glied treten lassen, weil das durchgehende Marktförmigmachen der Gesellschaft kein Heilsversprechen mehr ist, sondern das blaugelbe Tuch der Rücksichtslosigkeit und der "sozialen Kälte".

 

"Versuchen wir es weiter mit den alten Erfolgsrezepten" - das könnte das Signal sein, dass die gewiefte alte Tante FAZ Herrn Jäger senden lässt. Hier sein Text: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/debatte-adieu-kameraden-ich-bin-gutmensch-11481906.html .

 

Aber nichts Genaues weiss man nicht in diesen bewegten Zeiten. Wenn sich die "Exzesse der Finanzindustrie", also der gewöhnliche Krisenkapitalismus, doch nicht mehr staatlich steuern lassen ? Wenn das Abtragen der Gebirge fiktiven Kapitals doch zum Erdrutsch wird, der die "Realwirtschaft" unter sich begräbt ? Wenn die optimale Allokation der Ressourcen durch die freien Märkte des Monopolkapitals sich doch als die Optimierung des kapitalistischen Chaos erweist ?

 

- Dann muss man vielleicht doch umdenken. Geeignete Feuilletonschreiber werden sich schon finden. Sich auf die Prinzipienfestigkeit der alten Tante zu verlassen, wäre ein Fehler. Dafür ist sie zu gewieft. Und letzten Endes gibt es nur ein Prinzip, das aber völlig unideologisch und handfest ist: der Erhalt

Veröffentlicht in Gegen Rechts

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