"Arabischer Frühling": Zusammenhänge, Hintergründe, Perspektive

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Eine Analyse von Werner Pirker in junge welt http://www.jungewelt.de/ :

 

Analyse. Wie es dem Imperialismus gelungen ist, den arabischen Aufstand umzudrehen

 

Von Werner Pirker

 

Einer halben Revolution, lautet eine alte marxistische Erkenntnis, folgt eine ganze Konterrevolution. Was in Tunesien so hoffnungsvoll begonnen hatte, was sich unaufhaltsam Bahn zu brechen und die imperialistische Weltordnung aus den Angeln zu heben schien, hat sich entweder erschöpft oder ist in die falschen Hände geraten. ...

 

Der ganze Text steht hier:

 

http://www.kominform.at/article.php/20120901150601451

 

 

 

 

Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

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Bandolero 09/01/2012 19:18

Meiner Meinung nach führt die Analyse von Werner Pirker in einem wesentlichen Punkt in die Irre, und zwar konkret: Der arabische Frühling wurde von den USA selbst absichtlich und mit einem Plan
gestartet. Anders ist Obamas "Presidential Study Directive 11" vom August 2010, in der er die wichtigsten US-Behörden anwies, sich in naher Zukunft auf gravierende Veränderungen in der arabischen
Welt einzustellen, nicht zu erklären. Sichtbere Tools der USA für die Umstürze waren über das Programm MEPI von den USA trainierte Umsturzaktivisten und der Einsatz von US-regierungsnahen NGOs wie
CANVAS und Freedom House als Prätext für die Umstürze in Tunesien und Ägypten. Werner Pirker scheint auch die Tatsache entgangen zu sein, dass es zwar sowohl in Tunesien und Ägypten Massenproteste
nach dem Vorbild bunter Revolutionen gab, der Umsturz selbst jedoch in beiden Ländern ein Putsch war, der von dabei eng mit den USA zusammenarbeitenden Offzieren ausgeführt wurde. Im Falle Ägypten
hatten die USA sogar einen Flugzeugträger vor der ägyptische Küste stationiert, um der "ihren" Putschisten zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Und in den Fällen Jemen, Libyen und Syrien ist es
ohnehin offensichtlich, dass die USA von Anfang an hinter den Umsturzbemühungen gesteckt haben. Werner Pirker beschäftigt sich, weil er ein falsches Bild zeichnende unvollständigen Informationen
hat, mit der Frage, ob es den USA gelingt, die spontanen Volksaufstände für ihre Interesse einzuspannen, wo bei vollständigeren Informationen die richtige Frage wäre, ob es der Bevölkerung in den
Ländern gelingt, in die von den USA und anderen imperialitischen Staaten gestarteten Umsturzprozesse in ihren Ländern derart einzugreifen, dass dabei am Ende durch eine Verringerung des
imperialistischen Einflusses für die Bevölkerung zumindest dieser Länder und damit vielleicht auch ein bisschen für die ganze Welt positive Ergebnisse herauskommen. In Ägypten hat es den Anschein,
dass das gelingen kann. Dort wird aufgrund des Umsturzes nun enger mit dem Iran zusammengearbeitet, die Einflussorganisationen der USA und der US-Lakaien (z.B das NRI und die
Konrad-Adenauer-Stiftung) wurden von der ägyptischen Justiz verfolgt und die US-geführten Militärputschisten wurden vom neuen Präsidenten Morsi vor ein paar Tagen freundlich in den Ruhestand
geschickt. Ob diese kleinen Erfolge in Ägypten wirklich nachhaltig sein werden, bleibt abzuwarten.

Sepp Aigner 09/01/2012 20:14



Pirkers Gewichtung der Eigenständigkeit von Massenbewegungen, auf die die Imperialisten hauptsächlich reagieren und auf sie einwirken, um sie zu drehen, fand ich auch mangelhaft. Das
gesellschaftliche Unruhepotential ist zweifellos da. Aber eben deswegen haben die Aufsichtsmächte nicht passiv abgewartet um dann "mit der Situatin umzugehen", sondern waren von Anfang an
Handelnde mit dem Ziel, soziale Bewegungen selbst (in die Irre) zu führen. Gern werden sie das nicht getan haben, weil solche Krisensituationen immer auch die Gefahr bergen, dass Sachen aus dem
Ruder laufen. Aber bisher läuft so ziemlich alles im Ruder.