Arme Linkspartei

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Auf dem Landesparteitag der Linkspartei Mecklenburg-Vorpommerns in Stralsund, der - natürlich rein zufällig - auf den 13. August gelegt wurde, liessen die Chefs des Landesverbands Holter und Bockhahn die Delegierten Männchen machen. Ohne vorherige Absprache sollten sie sich zu einer Schweigeminute erheben, im Gedenken an die "Mauer-Opfer". Die Delegierten machten brav, was die Obergurus anordneten, mit Ausnahme dreier Aufrechter, die sitzenblieben. Aufstehen wäre schon richtig gewesen - um Holter und Bockhahn vom Podium zu jagen. Aber man stand nicht deswegen auf, sondern um sich zu unterwerfen. Ein kollektiver Kotau wäre ehrlicher gewesen: Ja, auch wir verurteilen die DDR, distanzieren uns vom eigenen Leben und dem der vorangegangenen DDR-Generation, schaut, wir sind doch koalitionsfähig und (darauf kommt es Herren wie Holter und Bockhahn noch viel mehr an) ministrabel. Für gewisse Teile der Linkspartei, die einmal angetreten ist, um die Verhältnisse in der BRD grundlegend zu ändern und zu diesem Thema auch immer noch umfangreiche Papiere verfasst, gibt es keine Schamgrenze mehr und keinen Minimal-Level an Selbstachtung und Achtung vor den historischen Leistungen der DDR.

 

Der Schande wird nachträglich noch eins draufgesetzt: Gegen Marianne Linke, eine der sitzengebliebenen Aufrechten, soll ein Parteiausschlussverfahren geführt werden, wg. parteischädigenden aufrechten Sitzenbleibens.

 

Noch Näheres zum demokratischen Sozialismus steht hier:

 

http://dierostigelaterne.wordpress.com/2011/09/25/die-linke-will-eine-linke-linken/

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Deutschland

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K
<br /> <br /> Ja Silberling, bis zum Silberrücken ist es noch ein Stück des Weges, oder?<br /> <br /> <br /> Worum geht es Dir eigentlich, um vermeidliche Netzbeschmutzung? Au, hatten die Medien ein Fresserchen, haben sich auch gleich auf den Knochen gestürzt? Aber bist Du wirklich der Meinung, dass sie<br /> keinen Knochen gefunden hätten, wenn es nicht zur Gedenkminutenverweigerung gekommen wäre? Und hätte das Wahlergebnis anders ausgesehen, wenn alle einheitlich getrauert?<br /> <br /> <br /> Nein Silberling, es geht mir nicht darum wie es wahrgenommen wird, sondern darum, dass das Ziel einer Aktion das eine ist, dass Ergebnis aber ein ganz anderes sein kann. „Die Zwecke der<br /> Handlungen sind gewollt, aber die Resultate, die wirklich aus den Handlungen folgen, sind nicht gewollt, oder soweit sie dem gewollten Zweck zunächst doch zu entsprechen scheinen, haben sie<br /> schließlich ganz andere als die gewollten Folgen. Die geschichtlichen Ereignisse erscheinen so im ganzen und großen ebenfalls als von der Zufälligkeit beherrscht. Wo aber auf der<br /> Oberfläche der Zufall sein Spiel treibt, da wird er stets durch innre verborgene Gesetze beherrscht, und es kommt nur darauf an, diese Gesetze zu entdecken.<br /> <br /> <br /> Die Menschen machen ihre Geschichte, wie diese auch immer ausfalle, indem jeder seine eignen, bewusst gewollten Zwecke verfolgt, und die Resultate dieser vielen in verschiedene Richtungen<br /> agierenden Willen und ihrer mannigfachen Einwirkung auf die Außenwelt ist eben die Geschichte. Es kommt also darauf an, was die vielen einzelnen wollen. Der Wille wird bestimmt durch Leidenschaft<br /> oder Überlegung. Aber die Hebel, die wieder die Leidenschaft oder die Überlegung unmittelbar bestimmen, sind sehr verschiedener Art.“ Schrieb Friedrich Engels einmal und ohne die Autorität bemühen zu müssen,<br /> sollte gerade der obere Teil zu denken geben. Und so genommen ist zu fragen, welchen Zweck sollte die ganze Aktion haben? Ein Knifall vor bürgerlicher Geschichtsinterpretation um zu Zeigen: wir<br /> sind angekommen im System, wählt uns, wir sind keine Gefahr! Dann kommen zwei drei „Hanseln“ daher und verweigern sich dem Ritual und die Medien haben ihr gefundenes Fressen. Aber sei getrost,<br /> die Medien wären ohnehin nicht verhungert, wenn nicht das, dann hätten sie etwas anderes gefunden! Wer aber gesellschaftliche Veränderung im Interesse einer Mehrheit der Menschen anstrebt, in<br /> welcher Form auch immer, vielleicht sogar grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen, der sollte sich davor hüten in das Geheul der Wölfe mit einzustimmen und sich bewusst sein, dass er<br /> ohnehin auf deren Speiseplan steht!<br /> <br /> <br /> Zu einem anderen Punkt, Du schreibst: „P.S. Niemand stellte die Grenze eines souveränen Staates (hier die DDR) in der Zeit des kalten Krieges in Frage.“ (Niemand? Welch Illusionismus,<br /> tagtäglich werden Grenzen in Frage gestellt, aktuelle in Libyen, aber auch anderswo wo Kriege geführt werden, wo nicht nur NATO-Truppen im Einsatz sind.) Nur um was handelt es sich, wenn auf<br /> einmal der Opfer der Mauer so undifferenziert gedacht wird? Ich hatte oben geschrieben, wieso wurde nicht den Opfern des kalten Krieges gedacht, denn das waren die „Maueropfer“ in jedem Fall! Und<br /> sicher hätte, wenn und aber, die Grenze gilt es nicht in Frage zu stellen, was mit einem solchen Gedenken im Nachhinein aber getan wird, ohne Ursachen in Betracht zu ziehen!<br /> <br /> <br /> Sicher hätte auch ab Mitte der 1970 Jahre anders damit umgegangen werden müssen, zu einen hatte sich die Situation in der BRD seit 1961 erheblich verändert und zum anderen wäre es besser gewesen<br /> den DDR Bürgern direkte Erkenntnisse nicht zu verwehren. Im Nachhinein lässt sich darüber immer trefflich Urteilen, aber selbst dabei kommt es darauf an, aus welcher Interessenlage heraus<br /> geurteilt wird. Und es hat schon seine Gründe warum die DDR so zügig aufhörte zu existieren, die meist und gern angeführten Gründe sind es hingegen nicht! Wobei Vertrauen eine entscheidende Rolle<br /> spielte!<br /> <br /> <br /> Ja sicher hätte einiges anders laufen können, aber im Nachhinein die Argumentation des ehemaligen Gegenübers zu übernehmen, ist letztlich nicht mehr als ein Sahneklecks auf einen Haufen<br /> interessengeschuldeter Geschichtsinterpretationen!    <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> @kucaf Nun gut, ich wollte eigentlich ein wenig differenzieren. Es geht dir also darum, wie es wahrgenommen wird. Ich kann die sagen, wie das wahrgenommen wurde, das Frau Linke sich nicht erhoben<br /> hat. Für die bürgerliche Presse war es ein gefundenes Fressen und sie haben es benutzt, um so kurz vor der Wahl noch einmal richtig Stimmung zu machen, gegen die Linke. Das Frau Linke sich, genau<br /> diesen Umstand, jetzt vorwerfen lassen muss, kann man ja wohl nicht der Partei anlasten. Berechtigte Kritik lässt sich intern auch anders rüber bringen! P.S. Niemand stellte die Grenze eines<br /> souveränen Staates (hier die DDR) in der Zeit des kalten Krieges in Frage. Aber hätte nicht Ende der 70ziger und Anfang der 80ziger der DDR ein vernünftiges Reisegesetz gut zu Gesicht gestanden.<br /> Gerade in den letzten 10 Jahren der ehemaligen DDR hätte sich einiges im Staate bewegen können und müssen. Und diese Kritik muss erlaubt sein. Gerade was das Zeitfenster 59-61 angeht, war der Bau<br /> der Mauer eine notwendige Konsequenz. Auch bis Ende der 70ziger jahre gehen ich da noch mit. Aber ab den Anfang der 80ziger Jahre hätte sich so einiges ändern können und MÜSSEN.<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Nun kann der Kniefall von verschiedener Seite gesehen werden, aber dass es einen Machtkampf in der Linken gibt ist nicht neu. Das in diesem Zusammenhang<br /> verlangt wird, dass eine Seite stillhalten solle, mit der Begründung keine Munition zu liefern, hingegen naiv! Letztlich ist es allgemein geschrieben auch uninteressant wie das eine oder anderer<br /> gemeint ist, interessant ist wie es wahrgenommen wird! Und das praktizierte undifferenzierte Gedenken lässt vieles zu. Immerhin war die Grenze der DDR die Grenze eines souveränen Staates in der<br /> Zeit des kalten Krieges und es ist alles andere als Normal dass es ein Recht auf Grenzverletzungen und das Abknallen von Grenzsoldaten gibt. Dabei war sich eigentlich jeder der Gefahr bewusst,<br /> welcher er sich aussetzte wenn er die Grenze verletzte. Der Tod wurde in diesem Zusammenhang billigend mit in Kauf genommen. Sicher bleibt zu fragen warum Menschen ein solches Risiko auf sich<br /> nehmen, aber genauso gut kann einem jedem gedacht werden, welcher den Freitod (umgangssprachlich Selbstmord) wählt!<br /> <br /> <br /> Ja, gedenken wir der Opfer aber der Opfer des kalten Krieges und nicht einseitig der Opfer der Mauer, mit der Intention, dass die Mauererbauer schuld<br /> seien! Ach ja, wer war den eigentlich Schuld am kalten Krieg, wer hat dieses Land wirtschaftlich und politisch geteilt? Und wie war das eigentlich mit den Krokodilstränen? Geht letzteres nicht<br /> darauf zurück, dass das Krokodil zu weinen scheint, wenn es seine Beute zerteilt und verputzt?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> Du magst das ja so sehen. Ich sehe das anders. Erhoben werden sollte sich nur, zur einer Schweigeminute für die Toten an der innerdeutschen Grenze. Es waren alle Toten gemeint, also auch die der<br /> gefallenen Grenzsoldaten. Und für das Gedenken an die Toten kann man sich schon mal erheben. Deine Kritik an Holter und Bockhahn lasse ich mal so stehen. Die beiden haben in der letzten Zeit<br /> wirklich viele Fehler gemacht. Das ein Machtkampf zwischen Marianne Linke und Helmut Holter entbrannt ist, ist schon lange bekannt. Das Marianne Linke aber so unbeholfen, selbst Munition gegen sich<br /> liefert, ist schon bezeichnend. Zu deinem Vorwurf, die Linke hat keine Selbstachtung und die Achtung vor den historischen Leistungen der DDR verloren, kann ich so nicht bestätigen. Ich war auf<br /> diesem Parteitag und es war alles andere, nur nicht so wie du das hier beschreibst. Ich hätte es sehr begrüßt, wenn die Linke in M/V wieder Regierungsverantwortung übernommen hätte, gerade wegen<br /> der desolaten Bildungspolitik eines Henry Tesch (CDU). Das sich die Partei im Vorfeld dafür zu sehr an die SPD angebiedert hat, war auch ein Thema auf diesem Parteitag. Niemand stellt in der Linken<br /> die Lebensleistung der Menschen in der ehemaligen DDR in Frage. Aber bei den Linken wollen auch viele nicht die gleichen Verhältnisse wie in der ehemaligen DDR wieder herstellen. Ja ich teile den<br /> Großteil deiner Kritik (siehe oben) aber deiner Aussage über die Linken in Mecklenburg/Vorpommern: "Ja, auch wir verurteilen die DDR, distanzieren uns vom eigenen Leben und dem der vorangegangenen<br /> DDR-Generation... " möchte ich hier doch noch einmal widersprechen.<br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> "Erhoben werden sollte sich nur, zur einer Schweigeminute für die Toten an der innerdeutschen Grenze. Es waren alle Toten gemeint, also auch die der gefallenen Grenzsoldaten" - Mag schon sein.<br /> Aber jedem Beteiligten konnte klar sein, was davon bleibt: "Die Linke hat sich zu Ehren der Maueropfer erhoben" - und kein Menschwird dabei daran denken, dass damit auch die umgekommenen Grenzer<br /> gemeint waren. Natürlich kann man zu Ehren von Toten eine Schweigeminute machen. Aber das war nicht der Sinn dieser Ehrung. Deren Sinn war, sich in die antikommunistische<br /> Verblödungskampagne anlässlich des 13. August einzureihen, im Interesse des "Ankomens". Weil es in der Linkspartei faktisch zwei Parteien gibt, musste man die, die man auch als Staffage<br /> brauchte, mit den toten Grenzsoldaten ködern. Wäre es aber wirklich darum gegangen, die Dinge zu erkären, hätte man klarstellen müssen, dass die eigentlichen Verantwortlichen für die<br /> Toten die Kalten Krieger und Roll Back-Betreiber der BRD und NATO sind. Dann hätte man sich zu Ehren der Opfer der imperialistischen Aggressionspolitik erheben können. Aber soi war es ja nicht,<br /> nicht wahr ?<br /> <br /> <br /> <br />