Aufsätze zur Geschichte der DDR

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

In den letzten Tagen habe ich einige Aufsätze über die Geschichte der DDR gelesen, die ich aussergewöhnlich interessant finde. Sie stehen in Geschichtskorrespondenz  18. Jahrgang. Nr 3 2012. Die Autoren sind Günter Benser, Siegfried Prokop, Ekkehart Lieberam und Kurt Laser. Sie schreiben über die Entwicklung der DDR von ihren Anfängen als Sowjetisch Besetzte Zone bis zur Annexion durch die BRD. Als ehemalige "Insider" tun sie das sehr sachkundig und kritisch.

 

Beim Lesen fiel mir auf, dass ich über so manches Thema zu wenig weiss, um es eigenständig beurteilen zu können. Damit bin ich unter den Westdeutschen sicher keine Ausnahme. Mit Anderem bin ich nicht einverstanden oder sehe die Fakten aus einem anderen Blickwinkel. Aber ich empfehle die Texte allen, die sich ein genaueres Bild von der DDR, deren Problemen, Fehlern und Erfolgen machen wollen. Daraus zu lernen, wird für einen "neuen Anlauf" günstig und sogar notwendig sein.

 

Hier die Aufsätze: 

 

http://www.triller-online.de/Geschichtskorr%208_2012.pdf

 

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Herbert Münchow 08/20/2012 08:18


S. Wagenknecht hat keine intellktuelle Urheberschaft an dem Wort "Frühsozialismus". Das sieht mit Wagner und Heuer schon anders aus.


Herebrt

Sepp Aigner 08/20/2012 13:28



Stimmt, dasist ungenau. Sie hat den Ausdruck bloss popularisiert.



kranich05 08/16/2012 10:13


Ich fand die Aufsätze auch interessant. Und überhaupt bin ich für den Hinweis auf die Geschichtskorrepondenz dankbar. Kannte ich bisher nicht.


Es schreiben Historiker. Die beschreiben erst einmal was ist bzw. war. Und das ist bitter nötig als Grundlage für Verallgemeinerungen und Schlußfolgerungen und Lehren. Natürlich ist auch solche
Sicht einzelner Historiker auf die Tatsachen ein Näherungsprozeß an die Wahrheit.


Die Informationen über die 2. Parteikonferenz von 1952, also der Beschluß, zum Aufbau des Sozialismus in der DDR überzugehen, seine Grundlagen, Hintergründe und Zusammenhänge  - für mich ist
es das erste Mal, daß ich über diese Phase eine kompakte, einigermaßen stimmige Darstellung finde, die vieles Weitere (nicht zuletzt den 17. Juni) erklären hilft. 


Wir sind bei alldem immer noch weit unterhalb der Abstraktionsebene des Historischen Materialismus, auf der Fragen z. B. des Wissenschaftlichen Sozialismus, der Lehre von der Partei, von der
Historischen Mission des Proletariats, seiner Diktatur, der sozialistischen Demokratie usw. verhandelt werden. Doch wir können uns mit solchen Darstellungen und (vorsichtigen) Wertungen
historischer Ereignisse schrittweise die Qualität erarbeiten, um über die erwähnten theoretischen (oder ideologischen) Grundbausteine (ich vermeide die Bezeichnung "Glaubenssätze") ernsthaft zu
diskutieren. 


Für mich selbst sind die erwähnten Darstellungen zu 1952 glänzende (Einzel-)Beweise dafür, daß die sowjetisch-stalinschen Wesenszüge des sozialistischen Aufbaus und seiner Führung durch die
sowjetisch-stalinschen Parteien mit einer großen Wahrscheinlichkeit (wenn auch nicht mit absoluter Sicherheit) in die historische Sackgasse und Niederlage führen mußten. 

Sepp Aigner 08/16/2012 20:18



"Die sowjetisch-stalinschen Wesenszüge des sozialistischen Aufbaus": Die hatten ja ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründe. Ich zitiere Sahra Wagenknecht nicht mehr so gern, aber das
Wort vom "Frühsozialismus" fasst, glaube ich, viel von dem zusammen, was leider dann auch in der 2. Hälfte des Jahrhunderts, als es gewisse Möglichkeiten dafür gegeben hatte, nicht bewältigt
wurde, z. B. in Sachen EDV.


Ich habe Haug ausgelacht, als er mir sagte "Vergiss deine Sowjetunion". Er meinte, was dann 1990 tatsächlich geschah. Die regierenden kommunistischen Parteien waren nicht fähig, die
Herausforderungen zu bewältigen. Der SED kann man das in Sachen Mikroelektronik noch am wenigstens vorwerfen. Die folgenschwersten Fehler/Unterlassungen hat die KPdSU gemacht. Ich denke, das hat
auch mit Revisiionismus zu tun, und der wiederum mit der Anlagerung von sozialen Interessen an Partei- und Staatsfunktionen, die so geartet waren, dass sie bessere Fortschritte hemmten (Auch
da steht die SED vergeichsweise "sauber" da.)



Herbert Münchow 08/14/2012 10:58


Lieber Sepp!


Für die Debatte im Blogg wäre es sehr schön, wenn du deine Differenzen und auch die Übereinstimmungen näher bzeichnen könntest. Sonst klingt das wie Salomon.


Gruß


Herbert

Sepp Aigner 08/14/2012 12:55



Ich weiss schon. Aber dazu was Lesbares zu fomrulieren, ist ja nicht so einfach. Es geht mir aber auch weniger um meine Selbstverständigung als darum, diese Texte zu verbreiten, weil hier die
Herangehensweise beispielhaft ist, WIE man das allseits beschworene "Lehren ziehen" konstruktiv betreiben kann; ich meine, so, dass wir in Zukunft davon etwas haben.