Beate Landefeld: Was heisst "Transnationalisierung" ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Der Artikel von Beate Landefeld, der hier verlinkt ist, bezieht sich auf eine theoretische Auseinandersetzung in der DKP. Es geht um die Analyse, Bewertung und Schlussfolgerungen aus der Entwicklung des Kapitalismus seit etwa den 1970er Jahren. Wie diese Entwicklung einzuschätzen ist, ist für jeden, der die Zeitläufte verstehen will, wichtig. Es handelt sich nicht um ein "kommunistisches Spezialthema" oder darum, dass in einer kleinen Partei Kontroversen ausgetragen werden, sondern um das Verständnis der geschichtlichen Epoche, in der wir leben. Beate Landefeld arbeitet sich speziell an Walter Listl ab, aber worum es dabei inhaltlich geht, ist von allgemeinem Interesse. "Globalisierung", "Transnationalisierung", "Neoliberalisimus" - all die Schlagworte, mit denen die bürgerlichen Medien und "Experten" tagtäglich arbeiten: Was ist das ? - Darum geht es.

 

Im Zusammenhang der Diskussionen in der DKP geht es dabei um eine bestimmte Interpretation, nämlich die These, dass man heutzutage von einem "kollektiven Imperialismus" sprechen müsse. Mit dieser These wird behauptet, dass die Widersprüche und Konkurrenzen zwischen den imperialistischen Hauptländern - also den USA, Japan und einigen westeuropäischen Staaten mit Deutschland als stärkster Macht - zurücktreten und das imperialistische Anliegen, den Rest der Welt zu dominieren, zur gemeinsamen Hauptsache wird. In diesem Zusammenhang ist von einer Integration der "Triade" - der USA, Japans und Westeuropas (der EU) - die Rede. Die monopolistischen Kapitale seien heute in einem Mass "internationalisiert", dass man immer weniger von deutschem, USamerikanischem, japanischem usw. Kapital sprechen könne. Es wird behauptet, dass sich eine Art übernationaler Eigentums- und Machtstrukturen herausbilde, Bis vor einiger Zeit war sogar von einer Tendenz zum "imperialistischen Weltstaat" die Rede.

 

Die Brisanz dieser These im kommunistischen Diskussionszusammenhang liegt, abgesehen von der Frage, welchen Wirklichkeitsgehalt sie hat, darin, dass sie der von Lenin entwickelten Imperialismustheorie entgegensteht. Die Quintessenz der Leninschen Position ist, dass wir im höchsten und letzten Stadium der kapitalistischen Entwicklung leben, in der Epoche des Imperialismus, in der die Antriebskräfte der kapitalistischen Ordnung erlahmen, die materiell-technische Entwicklung von der kapitalistischen Eigentums- und politischen Ordnung immer schlechter beherrscht werden kann, so dass diese Ordnung zu einem Hemmnis weiterer Entwicklung wird. Insofern, meint Lennin, handelt es sich bei der imperialistischen Epoche um die Epoche des Übergangs zum Sozialismus.

 

Die These vom "kollektiven Imperialismus" stellt diese Leninsche Epochendefinition in Frage. d.h. ein Axiom, das kommunistischer Politik seit bald hundert Jahren zugrunde liegt. Nun könnte es ja sein, dass die geschichtliche Entwicklung tatsächlich anders verläuft, als Lenin sie vorausgesehen hat und daher bisherige kommunistische Grundannahmen revidiert werden müssen. Es geht ja nicht um Glauebnsbekenntnisse, sondern um die Tatsachen. Allerdings lässt ein genauerer Blick auf eben diese Tatsachen einen solchen Schluss nicht zu. Beate Landefeld weist in ihrem Artikel anhand einer speziellen Frage, nämlich dem Stand der "Internationalisierung" des Kapitals, nach, dass die Anhänger der These vom "kollektiven Imperialismus" diese Internationalisierung wirklichkeitswidrig übertreiben, weil sie die Enwicklung der Kapitalverhältnisse nicht genau genug wahrnehmen.

 

Hier der Text von Landefeld:

 

http://www.kommunisten.de/attachments/2120_T053_beate_landefeld_300810.pdf

 

  

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