Bösewichter, Lichtgestalten und Dunkelmänner in Ägypten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Wenn ein Obama oder ein Westerwelle Demokratie anmahnt, ist genaues Hinsehen angesagt. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man sich veräppeln lässt. Wie ist das jetzt mit der Demokratie in Ägypten ? Ist die Justiz in Ägypten deren Garant - die Justiz, die jahrezehntelang Herrn Mubarak treu gedient hat ? Und ist Mursi deswegen ein Diktator, weil er sich nicht den Entscheidungen dieser Justiz unterstellt ? Wie demokratisch ist es, wenn ein "Oberster Richterrat" ein - auch nach westlicher Darstellung ziemlich frei gewähltes - Parlament für aufgelöst erklärt ?

 

Herr Mursi ist sicher keine Lichtgestalt. Aber die Herren des Obersten Richterrats sind es ebenso sicher auch nicht. Es geht um einen Machtkampf innerhalb der herrschenden Klasse. Und wenn dabei von Repräsentanten des "freien Westens" für eine Seite Partei ergriffen wird, wird das seine Gründe haben.

 

Im Hintergrund steht der "militärisch-industrielle Komplex" Ägyptens, ein Staat im Staate, der gleichzeitig via wirtschaftlicher Verflechtung und Korruption das Scharnier des imperialistischen Einflusses auf Ägypten ist. Diese Tatsache, die von den bürgerlichen Medien im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Auseinandersetzungen nicht einmal erwähnt wird, ist das eigentliche Unterpfand des Zugriffs der Imperialisten auf die inner-ägyptischen Angelegenheiten. Ein Herr Bernabei als Präsident, der als westlich-demokratische, zivilisierte Figur hätte vorgezeigt werden können, wäre das geeignete Feigenblatt vor diesem Mubarak-Ägypten ohne Mubarak gewesen.    

 

Man ist nicht zufrieden mit den Ergebnissen des "arabischen Frühlings" in Ägypten. An die Macht kommen sollten "liberale" Bourgeois, die sich ein Vorbild an der "westlichen Wertegemeinschaft" nehmen und nach der Pfeife der "Weltaufsichtsmächte" tanzen. Herr Bernabei, der sich jetzt auch zu Wort meldet und Herrn Mursi einen Diktator nennt, wäre die ideale Figur gewesen. Das Blöde war: Die Ägypter haben den Lieblingskandidaten des Westens nicht gewählt. Sie haben - was auch keine gute Idee war - Herrn Mursi gewählt. Dieser Herr scheint eher Ambitionen zu haben, nicht in allem nach der westlichen Pfeife zu tanzen, sondern ägyptische Politik zu treiben. Deswegen war er bisher verdächtig und ist jetzt zum Bösewicht geworden ( link ).

 

Das ägyptische Geschacher um die Macht leuchtet MeinParteibuch ein wenig aus - weit informativer als die gleichgeschalteten Mainstream-Medien:

 

http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/11/25/der-kleine-unterschied-2/

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