Chinesische Firmenübernahmen in Deutschland

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Mit dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas exportiert das Land in immer grösserem Umfang Kapital. Der Kapitalexport hat aufgehört, eine Einbahnstrasse zu sein, auf der die reichen kapitalistischen Länder sich neue Ausbeutungsmöglichkeiten in den armen Regionen suchen. Mit China erwächst ihnen jetzt eine mächtige Konkurrenz auf allen Märkten. 

 

Ein "kleines" Beispiel, gemeldet von german.china.org:

 

Chinesische XCMG übernimmt deutschen Betonpumpenhersteller Schwing

 

Nur einen Tag nachdem Sany die vollständige Übernahme von Putzmeister vollendet hatte, kündigte der chinesische Maschinenbauer XCMG am Donnerstag an, die Firma "Schwing", den zweitgrößten Betonpumpenhersteller Deutschlands, zu übernehmen.

In einer Erklärung hat Schwing bereits mitgeteilt, dass das chinesische Unternehmen XCMG die Mehrheit am deutschen Maschinenbauer erworben habe. In einer nach der friedlichen Übernahme veröffentlichten Bekanntmachung sagte der Vorstandsvorsitzende von XCMG, Wang Min: "Die ausgezeichnete Marke Schwing zählt zu den Schwerpunkten unserer strategischen Entwicklung." Darüber hinaus sagte Wang, dass die derzeitigen Manager des Unternehmens dieses auch weiterhin führen werden. Den Kaufpreis gab er jedoch nicht bekannt.

Im Jahr 2008 hatte Zoomlion, ein anderer chinesischer Maschinenbaugigant, den zweitgrößten Betonpumpenhersteller Europas, die Firma CIPA aus Italien, gekauft. Damit ist Zoomlion zum führenden Unternehmen in der chinesischen Betonmaschinenindustrie geworden. Vor zwei Monaten hatte Sany mit 324 Millionen Euro Putzmeister, den größten Betonpumpenhersteller Europas aus Deutschland, übernommen, womit Sany Zoomlion vom Siegerpodest gestoßen hatte. Falls der Kauf von Schwing reibungslos über die Bühne ginge, würden die drei größten Betonpumpenhersteller Europas alle von chinesischen Unternehmen aufgekauft werden. Dann würde in diesem Sektor eine Balance zwischen drei Mächten herrschen – drei chinesischen Mächten.

Dieser Kauf ist für XCMG von großer Bedeutung. Das chinesischen Unternehmen produziert hauptsächlich Kräne und Maschinen für Straßenbau. Der Anteil seiner Produkte hat auf beiden Märkten die 50 Prozent überschritten. Von den Umsätzen her liegt das Unternehmen schon lange auf dem ersten Platz weltweit. Bei der Herstellung von Exkavatoren und Betonpumpen liegt XCMG allerdings weit hinter Sany und Zoomlion zurück. XCMG strebt also eine Aufholjagd auf dem riesigen Markt für Betonpumpen an. Der chinesische Markt für Betonpumpen hatte im letzten Jahr ein Volumen von 105,3 Milliarden Yuan (12,7 Milliarden Euro), was etwa einem Fünftel der Gesamtumsätze in dieser Industrie entsprach – und lag damit auf dem ersten Platz in der Maschinenbauindustrie. Die Gewinnrate von über 30 Prozent liegt zudem deutlich über dem durchschnittlichen Niveau in der Branche. An dem Umsatz von über 100 Milliarden Yuan hatte XCMG dem Jahresbericht zufolge nur einen Anteil von mickrigen 1,97 Milliarden Yuan.

Seit dem vergangenen Jahr bemüht sich XCMG, mehr Marktanteile zu gewinnen. Es hat den Bau von zwei Basen für die Herstellung von Betonpumpen gestartet. Im Vergleich zu 2010 entsprach der Umsatz von 1,97 Milliarden Yuan im Jahr 2011 schon einem Wachstum von mehr als 90 Prozent. Nach der Übernahme von Schwing wird sich dieses Wachstum noch einmal dramatisch verstärken.

Wie Putzmeister und die Bauer-Group litt auch Schwing seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 unter Schwierigkeiten. Der Umsatz des Unternehmens betrug im Jahr 2008 noch rund eine Milliarde Euro, war bis 2010 aber auf 400 Millionen Euro gesunken. Im vergangen Jahr konnte Schwing zwar leichte Gewinne erzielen – die Schwierigkeiten waren damit aber noch nicht beseitigt. Im Vergleich zu XCMG, Putzmeister, Sany und Zoomlion verfügt Schwing über die umfangreichste Produktpalette. Die Fusion spielt Analysten zufolge auch für XCMG eine wichtige Rolle beim strategischen Ausbau des eigenen Angebots.

Quelle: german.china.org.cn

Veröffentlicht in China

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I
First thing to be sure of is certainly the fact that program succeeds.
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R
<br /> Weil es mich selbst interessierte, habe ich mal unter Baidu (das ist das chinesische Pendant zu Wikipedia) geschaut. Hier mal die via Babelfish ad hoc übersetzte Seite (Übersetzung vom Chinesisch<br /> ins Englische, weil die Sprachen sich auf struktureller Ebene weitaus näher stehen als z.B. das Deutsche):<br /> <br /> <br /> http://de.babelfish.yahoo.com/translate_url?doit=done&tt=url&intl=1&fr=bf-home&trurl=http%3A%2F%2Fbaike.baidu.com%2Fview%2F54775.htm&lp=zh_en&btnTrUrl=%C3%9Cbersetzen<br /> <br /> <br /> Soweit ich das deute, handelt es sich bei dem Unternehmen um eines der großen weltweiten Unternehmen im Maschinenbaubereich, gegründet 1989 in der VR China. Es scheint entweder ein direktes<br /> staatliches Unternehmen zu sein, aber zumindest sehr eng an den staatliche Stellen angelehnt zu sein.<br /> <br /> <br /> Strategisch will die Xu Gruppe weltweit den Platz 5 unter den Maschinenbauern erreichen. Der Aufkauf des deutschen Maschinenbauers Schwing scheint strategisch ein guter Zug gewesen zu sein, um<br /> dem o.g. Ziel schnell näherzukommen.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> PS: Bei Fragen rund um China lohnt es sich eigentlich fast immer, Baidu zusätzlich mit zu Rate zu ziehen. Denn Wikipedia oder auch deutsche Leitmedien führen häufig bei solchen Fragen völlig in<br /> die Irre (oder sind gnadenlos veraltet), was schlicht daran liegt, dass kaum jemand die chinesischsprachigen Primärquellen berücksichtigt und stattdessen irgendwelche Sekundärquellen auf englisch<br /> wiedergekäut werden.<br />
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S
<br /> <br /> Baidu: Dank, dass Du daraufhinweist.<br /> <br /> <br /> Du bestätigst ungefähr das, was ich ich auch im Internet gefischt habe. Vermutlich handelt es sich um eine AG mit dominanter staatlicher Beteiligung, die wiederum als Knotenpunkt ür ein ganzes<br /> Firmenimperium fungiert.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> Hm, jetzt frage ich mich ob dieses chinesische Unternehmen ein privates oder staatliches ist...<br />
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S
<br /> <br /> Das hätte ich auch gern gewusst, habe es aber nicht herausgefunden.<br /> <br /> <br /> <br />