Artikel teilen! Dank des Vaterlands: Wenn heute die deutschen Landser aus Afghanistan zurückkehren, sind viele von ihnen fürs Leben gezeichnet ...
Wenn heute die deutschen Landser aus Afghanistan zurückkehren, sind viele von ihnen fürs Leben gezeichnet. Die Bilder vom Kumpan, der in nächster Nähe von einer Bombe zerrissen wurde, von den selbst angerichteten Mordtaten im besetzten Land, gehen nicht mehr aus dem Kopf. Der Partner hat sich vielleicht mit jemand anderem eingelassen, der Krieg hat vielleicht die Familie zerstört. Landserschicksale. Öffentlich wird darüber nicht gern geredet. Wenn allzu öffentlich werden würde, was für diejenigen, die "den Kopf hinhalten", persönlich herauskommt beim "Dienst am Vaterland", würde das die Kampfmoral untergraben und die Abneigung in der Bevölkerung gegen die Kriege "out of area" würde noch grösser werden. Schwamm drüber über die ausgedienten Helden, Ruhigstellen mit psychiatrischer Betreuung, eine Rente für die Blessierten, mit viel Glück doch noch eine zivile Arbeitsstelle.
Die Geschichte wiederholt sich. Sie fängt aber erst an, sich zu wiederholen. Mein Vater, der ein Nazisoldat war, und das nicht einmal gern, hat geholfen, Frankreich zu besetzen, Jugoslawien zu unterwerfen, die unglaublichen Zerstörungen in der Sowjetunion anzurichten. Der Nachfolgestaat Hitlerdeutschlands gab ihm für die schwere Verwundung eine "Versehrtenrente", von der er nicht leben konnte. Heute stehen wieder deutsche Landser im wieder zerstörten Jugoslawien. In der Generation vor ihm verreckten die Arbeiter und Bauern, die der Kaiser in Uniformen hatte stecken lassen vor Verdun, metzelten als Schutztruppler in den deutschen Kolonien aufmüpfige "Eingeborene" nieder. Heute kreuzt die deutsche Kriegsmarine wieder vor Somalia, und man schickt sich gerade an, an Land zu gehen, "um die Piraten zu bekämpfen".
Gewöhnlicher Imperialismus. Ob Deutschland oder Frankreich, Grossbritannien oder Spanien, Japan oer USA - Kriege "gehören dazu". Die Kriege werden mit und gegen Menschen geführt. Die Menschen sind, die Täter wie die Opfer, nur Material, Kollateralschaden, "Verluste", die man erleidet und die man dem Feind beibringt. Wo gehackt wird, gibt es Späne, das ist nun einmal so. Als die ehemalige US-Aussenministerin Albright gefragt wurde, ob es denn wert gewesen sei, Hundertausende irakische Kinder ums Leben zu bringen, antwortete sie, dieser Krieg sei wert gewesen, ihn zu führen. Und sie hatte damit, vom imperialistischen Standpunkt aus, recht. Was zählen ein paar hunderttausend Kinder, wenn es um 20- oder 30 000 Milliarden Dollar geht, die unter irakischem Boden liegen. Was zählen da einige zehntausend GIs, die tot, verkrüppelt oder psychisch zerstört sind.
Wo sich die imperialistischen Armeen für eine längere Zeit festsetzen können, entstehen zwischen dem Besatzerpersonal und den Besetzten menschliche Beziehungen. Die Soldaten brauchen Bordelle, die Offiziere Dienstboten, die Spionage Spitzel, die Verwaltung Verräter, die sich in den Dienst der Okkupanten stellen.
In jedem besetzten Land entsteht eine Schicht von HiWis, die ihr persönliches Schicksal mit der Besatzung verbinden. Bei der unterdrückten Bevölkerung verhasst, von den Okkupanten benutzt und gleichzeitig verachtet, sitzen sie zwischen allen Stühlen. Wenn die Sache für die Imperialisten schiefgeht, muss Cap Anamur aufkreuzen. Dann ist die Zeit der "boat people". Wer Glück hat, von den Befreiern nicht erwischt wird, nicht auf der Flucht umkommt, von den Menschenrechtsfreunden, die als ziviler Tross der imperialistischen Armeen ihren Job machen, gerettet wird, landet, strandet vielleicht im Heimatland der Besatzer. Die Dankbarkeit der Freedom&Democracy-Missionare für die geleisteten Dienste hält sich gewöhnlich in Grenzen. Vielleicht benutzt man sie noch ein Weilchen für gefühlige Shows, in denen von Freiheit und bösen Kommunisten oder Mullahs die Rede ist. Dann beginnt der Ernst des Lebens in einem wildfremden Land. Wie die zerstörten Soldaten, die nach ihrer Heimkehr und Entlassung ins zivile Leben bloss noch peinlich und störend sind, sind auch sie die lebendige Erinnerung an eine Niederlage. An Niederlagen erinnert man sich nicht gern. Soweit es geht, vergisst man sie lieber. Schwamm drüber.
In der NZZ steht heute eine Geschichte über eine Gruppe solcher Leute "zwischen den Stühlen", die es nach dem Hinauswurf der grand nation aus Indochina nach Frankreich verschlagen hat. Man brachte sie, in den frühen 1950er Jahren, in einem Lager unter. Die letzten Lebenden leben dort noch heute:
Keine Kommentare zu diesem Artikel
|
|
|||||
|
Neueste Kommentare