"Das griechische Volk kann wählen, was es will – wirklich ändern kann es nichts." - Mal sehen.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

"Griechisches Exempel" ist heute ein Kommentar von Michael Martens in der FAZ überschrieben. Es geht also nicht um Griechenland allein, sondern Griechenland ist nur ein Beispiel. Wofür ? Dafür:

 

"Tatsächlich wird Griechenland auf absehbare Zeit eine eingeschränkte Demokratie sein."

 

"Schon seit Monaten können die gewählten Volksvertreter der Griechen keine eigenständigen Entscheidungen von halbwegs maßgeblicher Bedeutung mehr treffen."

 

"Finanzminister Venizelos hat den Kontrollverlust auf den Punkt gebracht, als er mit Blick auf die Wut im Lande sagte, das Athener Kabinett regiere nicht mehr, es erfülle nur noch: „Wir machen, was angeordnet wird und was man uns erlaubt“. Ein sozialistischer Abgeordneter klagte vor der Abstimmung am Mittwoch, er frage sich, was er im Parlament eigentlich noch zu tun habe, wenn ohnehin alles vom IWF, von der EU und der EZB entschieden werde."

 

" Das griechische Volk kann wählen, was es will – wirklich ändern kann es nichts."

 

Das ist nicht übertreibende kommunistische Propaganda. das ist der coole Befund eines FAZ-Mannes. Und er nennt Griechenland nicht ohne Grund ein Exempel. Anderen Völkern wird es genauso ergehen, wenn sie es sich gefallen lassen - oder es geht ihnen schon so, wie den Iren.

 

Mehrere Mitgliedsstaaten der EU sind dabei, in vom Ausland aus regierte Protektorate verwandelt zu werden, die in Fragen von nationalem Belang nicht mehr selber entscheiden können und deren Regierungen nur noch so heissen, während sie in Wirklichkeit Statthalterfunktionen für die führenden EU-Mächte, naementlich Deutschland, ausüben. Es handelt sich nicht um Brüssel und EZB. Es handelt sich um den deutschen Kurs in der Krise, der umgekehrt Brüssel und EZB zu ausführenden Organen der deutschen Regierung macht.

 

"Das griechische Volk kann wählen, was es will – wirklich ändern kann es nichts."

 

So ist es. Und das gilt nicht nur für die Bürger der sich in Protektorate verwandelnden schwächeren EU-Staaten, sondern für die Bürger des deutschen Hegemonialstaats (und seines schwächelnden französischen Konkurrenten) in gleicher Weise. Das ist der Sachzwang, der überall wirkt. Die Übersetzung von Sachzwang ist Herrschaft des Grosskapitals.

 

Eine "Kleinigkeit" vergisst der FAZ-Mann, weil sich bei einem das Volk von oben herab betrachtenden Hofschranzen wie ihm die Coolness mit der Überheblichkeit mischt, die seinen Führerfiguren wie Merkel und Ackermann eigen ist. Er vergisst den "kleinen" Vorbehalt "... so lange sich die Bürger das gefallen lassen". Gefallen lassen heisst, die Hoffnungen auf "die Parteien", "die Politik", "den Staat" richten oder, für die, die diese Hoffnung schon begraben haben, in schulterzuckender Resignation zu machen. Nicht gefallen lassen, heisst aufstehen. Aufstehen heisst, auf die Strasse. Nicht ein paar Zehntausend, nicht ein paar Hunderttausend, sondern Millionen. Aufstehen heisst zum Beispiel Generalstreik.

 

In Griechenland geht es gerade eben darum: Entweder Resignation, Hinnahme, dass die bürgerlich-demokratischen Spielchen nichts wirklich ändern - oder Durchsetzung des Volkswillens und der Volksinteressen.

 

Die deutschen Arbeiter und Angestellten, Jobber und Arbeitslosen, Praktikanten-Akademiker und kleinen Krauter, denen das Wasser bis zum Hals steht, werden es auch noch lernen, unanhängig davon, wie die Sache jetzt in Griechenland ausgeht. Die Realität ist ein unnachsichtiger Lehrmeister. "Griechisches Exempel" : Das könnte einen ganz anderen Sinn bekommen, als der FAZ-Mann meint.

Veröffentlicht in Griechenland

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G
<br /> <br /> <br /> Wer die kapitalistischen Eigentumsverhaeltnisse nicht in Frage stellt und sich dagegen nicht auflehnt, der degradiert sich so selber zum geistlosen materialistischen<br /> Kapitalisteneigentum.<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Einiges hat der Mann zwar gut beachtet, daraus aber die falschen, weil irreführenden Schlüsse gezogen! Deutschland soll soll die finstere Hegemonialmacht sein in der EU? Das Deutschland der<br /> Merkel, der Westerwelle, der Schäuble und Rösler? Ich lach' mich gleich weg! Wer formuliert denn die finstere deutsche Hegemonialstrategie? Der Schweizer Ackermann, die Österreicher Löscher oder<br /> Piech oder doch der Rheinländer Westerwelle oder der Schwarwald-Highlander Schäuble? In praktisch jedem börsennotierten "deutschen" Unternehmen steckt heute auch internationales Kapital. Die alte<br /> Deutschland AG der Nachkriegszeit, jenes kunstvoll verflochtene Konglomerat aus produzierender Industrie, Banken- und Versicherungsindustrie gibt es in ihrer Reinform schon lange nicht mehr.<br /> Statt dessen gibt es eine nicht näher definierte deutsche Staatsräson im Kopf einer Kanzlerin, die international mit Orden, Ehrendoktoren (garantiert ganz ohne Doktorarbeit!) und Auszeichnungen<br /> behängt und in Deutschland selbst immer weniger verstanden wird! Wenn Deutschland je ähnlich ferngesteuert wurde, dann wohl in den ersten Jahren der Nachkriegszeit unter Adenauer? Die ganze<br /> "Deutschland-profitiert-am-Meisten-von-der-EU-und-muss-deshalb-fleissig-Rettungspakete-zahlen"-Arie trägt doch wohl auch zu einer ständig steigenden Neuverschuldung Deutschlands bei. Da wird man<br /> mir sicher die Interessen, postuliert in einer "geheimen" deutschen Staaträson erklären können? Das ist ein Klassenproblem auf internationalem, auf globalem Niveau, mit Deutschland hat das<br /> relativ wenig zu tun und das wissen doch auch alle...<br /> <br /> <br /> Für unser TV-Publikum wird dann ähnlich wie "Dinner for one" stets der Zank zwischen der Heroine Merkel und dem Oberkellner Sarkozy zelebriert mit dem erwarteten Umfaller der Ersten!<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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