Deutsche Aussenpolitik und die Völkischen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Bei einem Besuch in Berlin hat der Aussenminister der rechtsradikalen ungarischen Regierung angekündigt, während der bevorstehenden EU-Präsidentschaft Ungarns werde Ungarn "alles tun, was Deutschland nützt". Das ist eine Einzelheit, die diesen Zusammenhang hat:

 

Formal und nach den Paragraphen des EU-Vertrags von Lissabon ist Deutschland ein Land unter den anderen EU-Mitgliedern. Aber faktisch kämpft die deutsche Aussenpolitik um die Dominanz in der EU und setzt dazu seine überlegenen Machtmittel und Finanzen ein. Man muss gewisse Rücksichten nehmen, nicht zuletzt auf Frankreich und Grossbritannien, die neuerdings einen engeren Zusammenschluss suchen, und vermeiden, dass sich Allianzen gegen die deutsche Vorherrschaft bilden. Aber man tut, was man kann. Insbesondere die Politik gegenüber den osteuropäischen Mitgliedsländer ist darauf gerichtet, diese als deutsche Vasallen herzurichten. Dreistigkeiten wie die Forderung nach Absetzung des tschechischen Präsidenten (als dieser mit der Unterschrift unter den Lissaboner Vertrag zögerte) von Seiten deutscher Aussenpolitiker aus der zweiten Reihe oder der "diskrete" Versuch, beim letzten rumänischen Regierungswechsel ein "Deutschland verbundenes" deutschstämmiges Bürgermeisterlein ins Spiel zu bringen, gehören schon dazu.

 

Die Dominanzpolitik wird auf verschiedenen Ebenen betrieben. Eine ist die "völkische" Karte. Darüber wird nicht viel geredet. Die deutschen Massenmedien sind bei diesem Thema "zurückhaltend". Man hört einmal etwas über die neueste Unverschämthiet der Sudetendeutschen Landsmannschaft oder die dreisten Pöbeleien gegenüber Polen, als ob es sich um von staatlicher Seite nicht so gern gesehene Verirrungen von rechten Randgruppen handele.

 

- Die Wahrheit ist, dass es eine verdeckte - und da und dort auch schon offene - zweite Linie der deutschen Aussenpolitik gibt, die den Plan B für das Scheitern der EU-"Integration" - der Herstellung der deutschen Vorherrschaft in Europa via EU - repräsentiert: das Zerreissen der bestehenden Staaten unter dem Berufungstitel der nationalen Selbstbestimmung und der (völkischen) Minderheitenrechte, die Destabiliserung der Staaten mittels Einflussnahme auf solche Minderheiten - oder die verdeckte Drohung damit mit dem Ziel, die kleinerén und schwächeren Staaten in der EU und darüber hinaus in Europa den deutschen Interessen gefügig zu machen.Bei der Zerstörung Jugoslawiens hat das bereits eine grosse Rolle gespielt.

 

Für diesen Plan B spielt eben diese "völkische" Karte eine wichtige Rolle. Damit wird unmittelbar an die Aussenpolitik der Weimarer Republik angeknüpft, etwa die "europäischeVolkstumspolitik" eines Stresemann, die der Hitlerschen Radikalisierung vorausging. Die hinterlistige deutsche Politik, vermittels der nationalen Interessen von Minderheiten, die nicht das geringste mit Deutschtum zu tun haben, für die Schwächung anderer Staaten zu benutzen und damit das "Deutschtum" zu befördern, findet sich von Stresemann bis Joseph Fischer in der deutschen Aussenpolitik.

 

Eines der institutionellen Instrumente ist die vom deutschen Staat gesponserte FUEV  ( http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deralistische_Union_Europ%C3%A4ischer_Volksgruppen ), die formal ein Zusammenschluss aller möglichen "Völkischen" in Europa ist, aber deutsch dominiert wird, einschliesslich "grossdeutscher" Rechtsradikaler z. B. in Österreich ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann-Niermann-Stiftung ).

 

 

 

Seit dem Wiederaufstieg Deutschlands in Gestalt der BRD gehört  die Förderung des völkische Wahns zu den aussenpolitischen Anliegen Deutschlands. Unermüdlich suchen Institutionen wie FUEV nach "nationalen" - in der olivgrünen modernisierten Version "ethnischen" - Minderheiten von der iberischen Halbinsel bis Wladiwostok. 

 

In den Zusammenhang gehört, was german foreign policy über einen unterwürfigen ungarischen Aussenminister berichtet: 

 

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57941?PHPSESSID=sfdomesesc0s2mbdnp360m5595

Veröffentlicht in Deutschland

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