Die Grünen - die neue Partei der Besserverdienenden

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Der Grünen-Partei haftet immer noch an, "irgendwie" fortschrittlich oder gar links zu sein. Das Image rührt aus ihren Anfangszeiten, in denen viel von "Systemveränderung" die Rede war und das Wort "alternativ" noch für ein solches, wenn auch verschwommenes und nie allzu ernst genommenes Ziel stand. Heute bedeutet "alternativ" eher "Bio" (was für ein blodes Wort !)-Gemüse, Windkrafträder, gediegene Klamotten, ein Auto mit niedrigem Spritverbrauch -  anstatt dem Saurier-Kapitalismus der AKWs: GRÜNER KAPITALISMUS. Die Grünen haben sich zur Staatspartei gemausert, und das ist ganz folgerichtig. Das entspricht den Interessen des hauptberuflichen grünen Politikerpersonals - Verzeihung PolitikerInnenpersonals, man muss ja politisch korrekt grün-fortschrittlich sein - und auch denen ihrer Wählerklientel, die idealistischen gefoppten ausgenommen. Von Anfang an waren die Grünen nämlich eine Partei des nachgewachsenen Kleinbürgertums, das in seiner Sturm- und Drangzeit ein wenig mit "denen da unten" - im Sinn der Gesellschaftspyramide und im geographischen Sinn - kokketierte. Mittlerweile sind die Herrschaften in die Jahre gekommen, das Energiesparhaus ist gebaut und vielleicht sogar bezahlt, paar Scheinchen sind ökologisch angelegt, den Alternativurlaub abseits vom schnöden Massentourismus kann man sich leisten, die Kinder haben Flausen, dass man sich manchmal fragt, ob eine Ohrfeige nicht doch wirksamer ist als die Familientherapie. Man hat inzwischen entschieden was zu verlieren. Unter solchen Umständen werden Kleinbürger konservativ und die Heldentaten in den 1970er-/80er Jahren verklären sich zur abgeklärt belächelten eigenen Jugendromantik.

 

Die Grünen von heute repräsentieren schlicht den Teil des Kleinbürgertums, der eher akademisch gebildet ist und es zu etwas gebracht hat und für seine Loyalität gegenüber der Staatsmacht einen Anteil an der Pfründe einfordert - den er auch bekommt, weil die Monopolbourgeoisie ein soziales Glacis braucht.

 

Jens Berger hat bei den NachDenkSeiten treffend charakterisiert, was heutiges Grünsein ausmacht:

 

... Sozioökonomisch hat die Wählerschaft der Grünen sich um 180° gedreht. In den 80ern wurden die Grünen überdurchschnittlich häufig vom untersten Einkommensfünftel gewählt. Heute wählen die beiden obersten Einkommensfünftel überdurchschnittlich häufig die Grünen – das oberste Einkommensfünftel zählt dabei am stärksten zur neuen Stammwählerschaft. In den 80ern wählte jeder vierte wahlberechtigte Auszubildende bzw. Student die Grünen, während nur jeder zwanzigste Beamte und Selbstständige sein Kreuz bei den Grünen machte. Heute wählt jeder fünfte Beamte und Selbstständige die Grünen.

Die „linken“ Studenten der 80er sind heute ökonomisch gut situierte Angestellte, Selbstständige und Beamte und haben ganz andere Sorgen als die Probleme von damals. Ging man früher gegen den NATO-Doppelbeschluss und für eine klassenlose Gesellschaft auf die Straße, kämpft man heute für verkehrsberuhigte Zonen in gehobenen Stadtvierteln und die steuerliche Förderung von Solarzellen auf den schicken Einfamilienhäusern. Dieser Gesinnungswandel drückt sich auch in den politischen Positionen und den Themengewichtungen der Wählerschaft aus. Atomausstieg und Solarförderung liegen den Grünen-Wählern näher als Mindestlohn und Verteilungsgerechtigkeit. Grünen-Wähler sind laut SOEP bei den Themen „Umwelt“ und „Klimawandel“ überdurchschnittlich besorgt, während die Themen „Frieden“ und „Wirtschaftslage“ für sie keine große Rolle spielen. Wähler, die sich Sorgen um die „Wirtschaftslage“ machen, wählen die Grünen nur sehr selten.

Die als Rebellen Gestarteten kamen als besitzstandswahrende Bürgerliche an und stehen dabei stellvertretend für einen großen Teil ihrer Generation, die längst den Frieden mit ihrer Elterngeneration geschlossen hat. Die „neue Bürgerlichkeit“ hat die Kinder des Bürgertums mit ihren Eltern versöhnt oder wie es der verstoßene Ex-Grüne Oswald Metzger einst formulierte: „Die Grünen nähern sich habituell ihren Herkunftsfamilien an”.

Grüne Politik ist im Kern postmaterialistisch und konservativ. Wer in einer satten Gesellschaft an den Futtertrögen sitzt, entfernt sich von materiellen Forderungen wie der Verteilungsgerechtigkeit und wendet sich abstrakten Werten wie Umweltschutz oder Klimapolitik zu. Hier steht das „Bewahren“ im Mittelpunkt – der Begriff „konservativ“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „conservativus“ her, was auf Deutsch „erhaltend, bewahrend“ heißt. Der Parteienforscher Franz Walter beschrieb den Wandel der Grünen auf dem taz-Kongress 2009 folgendermaßen: “Die Grünen von 2009 sind so, wie die Grünen 1983 die CDU beschrieben haben: furchtbare Bürger, elitär, selbstgefällig.“

Folgt man den SOEP-Daten, ist der typische Grünen-Wähler weiblich, hat einen Hochschulabschluss, lebt in einer Großstadt, ist verbeamtet und macht sich mehr Sorgen über den Klimawandel als über die mangelnde Verteilungsgerechtigkeit.

 

Der ganze Text steht hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=8850

 

Berger verweist auf ein Interview mit Jutta Diethfurt, in dem der Weg der Grünen aus der Perspektive der innerparteilichen Entwicklung beleuchtet und erklärt wird, wie sich gewöhnliche Sprücheklopfer wie ein Fischer oder Cohn-Bendit zu den moralischen Monstern und Kriegshetzern auswachsen können, die sie heute sind:

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,745943,00.html

 

 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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