Die junge welt retten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Vermutlich bin ich keine Ausnahme: Lange habe ich im Internet die junge welt "mitgelesen", ohne dafür zu bezahlen; immer mit einem schlechten Gewissen, weil doch klar ist, dass ein professionelles Medium zahlende Abonnenten braucht.  Aber ich war irgendwie zu träge, endlich ein Abonnement abzuschliessen. Schliesslich gab ich mir doch einen Ruck und habe ein Internet-Abo getätigt. Seitdem lese ich die junge welt - wie vorher auch - täglich, aber ohne "schlechtes Gewissen". Und an die verschlüsselten Artikel komme ich jetzt auch.

 

Ich wette, dass es solche "Trittbrettfahrer" wie mich zu Tausenden gibt. Natürlich liest man junge welt. Natürlich möchte man sie nicht missen. Natürlich ist es toll, dass es ausgrechnet in einem Land wie Deutschland eine konsequent linke Tageszeitung gibt, die sich dem Mainstream in keiner Weise beugt und nicht schon den Fuss hebt für den letzten Schritt ins "Ankommen" (Dies nebenbei bemerkt für die ND-Leserschaft). Man empfiehlt die junge welt vielleicht sogar anderen Leuten, weil man sie für eine "guten Sache" hält - und abonniert sie selber nicht. Weiss der Teufel. warum nicht. Am Geld kanns nicht liegen. Für den einen oder anderen Schnickschnack hat man es ja auch. Es ist vielleicht ein wenig wie mit vielen Demos. Man findet gut, dass sie stattfinden, dass irgendjemand sich die Mühe macht, sie zu organisieren. Aber man geht selber nicht hin. Und schüttelt dann den Kopf über geringe Telnehmerzahlen.

 

Man zahlt nicht für die junge welt. Und schüttelt dann den Kopf, wenn sie eingeht. "Ach, wir armen Linken in Deutschland, wir können halt nicht viel machen." 

 

Dochdoch. Wir haben es im Kreuz, eine linke Tageszeitung zu halten. Wenn das nicht getan wird, ist zur Abwechslung mal nicht "Deutschland" schuld und auch kein Sachzwang. Wenn die junge welt nicht gehalten wird, liegt das schlicht an der Lahmarschigkeit zu vieler Linker. Gebt Euch einen Ruck, bitte.

 

Denfolgenden Text habe ich von http://www.trueten.de/archives/8006-junge-Welt-Weiteres-Erscheinen-akut-gefaehrdet.html übernommen.

 

Das weitere Erscheinen der überregionalen Tageszeitung junge Welt ist nicht mehr gesichert. Mit einem Offenen Brief an ihre Leserinnen und Leser schildern die Mitarbeitenden der Zeitung in der Samstagausgabe der Zeitung (jW vom 6.10.12) die Lage. Danach hat sich allein in diesem Jahr bis August ein Fehlbetrag von über 100.000 Euro angesammelt. Der Verlust wäre deutlich höher, wenn die Mitarbeitenden nicht schon seit Jahren auf eine angemessene Bezahlung verzichten würden. Schwierigkeiten bereiten Verlag und Redaktion auch juristische "Angriffe von staatlichen Stellen, Einzelpersonen und politischen Organisationen", wie es in dem Schreiben heißt. Mittel für notwendige Investitionen stünden nicht mehr zur Verfügung. "Sparmaßnahmen sind nicht möglich, ohne die journalistische Qualität zu beeinträchtigen und kommen deshalb nicht in Frage", erklärte Chefredakteur Arnold Schölzel. "Die Zeitung ist nur noch zu retten, wenn ausreichend zusätzliche Abonnenten gefunden werden können. Dazu müßte allerdings in den nächsten 10 Wochen einiges bewegt werden", teilte jW-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder am Freitag in Berlin mit.

Die Tageszeitung junge Welt wurde 1947 gegründet, war Zentralorgan der FDJ (Freie Deutsche Jugend) und auflagenstärkste Tageszeitung der DDR. Nachdem die Zeitung 1995 eingestellt wurde, organisierte kurz darauf ein Teil der Redaktion die weitere Herausgabe der Zeitung, bis diese Funktion 1998 der neue Mehrheitseigentümer des Verlages, die Genossenschaft LPG junge Welt eG, übernahm. Keiner Partei oder Organisation gehörend, versteht sich die Zeitung als einzige unabhängige linke, marxistische Tageszeitung in Deutschland und wird deshalb alljährlich vom Bundesamt für Verfassungsschutz in dessen Bericht mit einer täglichen Auflage von 17.000 Exemplaren als "das bedeutendste
Printmedium" der radikalen Linken in Deutschland bezeichnet. Aufsehen erregt die Zeitung auch mit ihrer jährlich im Januar stattfindenden Interntionalen Rosa-Luxemburg-Konferenz und mit Veranstaltungen in der eigenen Ladengalerie. Im September 2012 erklärte sie der Deutsche Journalistenverband (DJV) als Sieger einer bundesweiten Erhebung zur journalistischen Sorgfalt in der Bildarbeit unter 122 regionalen und überregionalen Tageszeitungen. Ausgezeichnet für ihre Berichterstattung wurde junge Welt unter anderem von der Erich-Mühsam-Gesellschaft in Lübeck und vom Bundesverband Christlicher Demokraten gegen Atomkraft.

Siehe auch:

Abo der jungen Welt
Genossenschaftsmitglied werden

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