Artikel teilen! Diskussionsbeitrag auf einem Treffen deutscher Kommunisten: Am 9. Juni fand in Berlin ein Treffen von Kommunisten verschiedener Organisationszuge ...
Am 9. Juni fand in Berlin ein Treffen von Kommunisten verschiedener Organisationszugehörigkeit und parteilosen statt. Federführend war dabei die aus der SED hervorgegangene KPD. Die grössten organisierten kommunistischen Zusammenhänge - DKP, Kommunistische Plattform in der Linkspartei und der RotFuchs-Zusammenhang - beteiligten sich nicht. Hier ein Diskussionsbeirag von Dieter Hillebrenner auf diesem Treffen, der sich mit der Lage der Kommunisten in Deutschland beschäftigt:
Dieter Hillebrenner
Welcher Kommunist bekennt sich nicht voller Überzeugung zum Schlusssatz im Manifest der kommunistischen Partei: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Aber im Geburtsland von Marx und Engels sind die organisierten und nichtorganisierte Kommunisten nach der bisher schwersten Niederlage in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung nicht in der Lage, sich selbst zu vereinigen. Eine Mehrheit von Kommunisten will eine marxistisch-leninistische Partei in Deutschland mit Masseneinfluss. Denn nur sie kann Kristallisationskern revolutionärer Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung sein. Aber noch können sich die Kommunisten aus verschiedenen Gründen, darunter allerlei Vorbedingungen, nicht darüber verständigen. Es mangelt bereits an Dialogbereitschaft. Manche Kommunisten sprechen nicht einmal miteinander.
Angesichts dieses Sachverhaltes betrachte ich die Einladung der KPD zum heutigen Treffen als eine wertvolle Initiative. Einige Reaktionen darauf sind für mich eine herbe Enttäuschung.
In Vorbereitung auf unsere Beratung hörte und las ich Vorbehalte. Einige Beispiele:
Ich erfuhr z.B. wer etwas für eine starke kommunistische Partei tun will, der solle Mitglied der DKP werden. Denn sie sei die einzige kommunistische Partei in Deutschland.
In einem offenen Brief war zu lesen, die Initiative der KPD sei gut. Doch die Absender können daran nicht teilnehmen, weil die und die dort vertreten sein werden. Und mit denen wollen sie nichts zu tun haben.
Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, die Initiative der KPD sei nicht schlecht. Wir würden schon daran teilnehmen. Aber weil die und die nicht teilnehmenkönnen wir auch nicht. Denn unsere Teilnahme käme einem Affront denen gegenüber gleich.
In einer mir gesandten E-Mail stand, die Initiative der KPD käme zu früh. Die Zeit sei noch nicht reif.
Letztlich verhehle ich auch nicht mein Unverständnis für die Aussagen im Leitartikel der Rotfuchs-Ausgabe Nr. 5/2012. Denn die hier und heute Versammelten leben eben nicht in Wolkenkuckucksheimen .
Im Gegenteil. Wahrscheinlich fragen sie sich wie ich mich auch: Wie lange wollen wir noch warten, bevor wir uns wenigstens zum Meinungsaustausch über unsere kommunistische Verantwortung durchringen und zum gemeinsamen Handeln bereit finden ?
Brauchen wir erst wieder die Erfahrungen der Generationen unserer Eltern und Großeltern mit Faschismus und Krieg , um uns in Konzentrationslagern und Zuchthäusern die Hand zu reichen ?
Vor dem Hintergrund der tiefen, nahezu tödlichen Krise in der sich die deutsche kommunistische Bewegung und eigener Erfahrungen in der politischen Arbeit drängen sich mir immer wieder die Fragen auf:
-Haben wir das ganze Ausmaß unserer Niederlage eigentlich schon begriffen ?
- Wie müssen wir mit unserer Niederlage umgehen ?
Zu beiden Fragen thesenhaft verknappt jetzt meine Überlegungen.
Aus der Geschichte wissen wir, dass Niederlagen – ob politische oder militärische – immer von Erscheinungen der Demoralisierung bei den Unterlegenen begleitet sind.
Das trifft auch für die Kommunisten in der Gegenwart zu. Die Demoralisierung äußert sich in vielfältigen Formen.
Auch zwei Jahrzehnte nach der verheerenden Niederlage des realen Sozialismus in Europa ist die deutsche kommunistische Bewegung so zerrissen wie noch nie in ihrer Geschichte. Unter Kommunisten herrschen politische, theoretische und organisatorische Irritationen und Zweifel. Das revolutionäre Selbstvertrauen vieler Kommunisten ist erschüttert. Zweifel in die wissenschaftliche Weltanschauung haben sich verbreitet. Skepsis hat auch das Parteiverständnis der Kommunisten erfasst.
Gegenwärtig haben weder die DKP in den alten Bundesländern noch die KPD im Anschlussgebiet in der Arbeiterklasse nennenswerten Einfluss. Tausende Kommunisten entziehen sich einer erneuten Organisierung in einer kommunistischen Partei.
Die Situation in der deutschen kommunistischen Bewegung weist gegenüber der Lage der Kommunisten in anderen Ländern eine gravierende Spezifik auf: Die Lage der deutschen kommunistischen Bewegung ist einzigartig in der Welt. Diese Tatsache haben wir nach meiner Auffassung bisher unzureichend beachtet.
Vierzig Jahre gab es zwei deutsche Staaten. Wir hatten eine nationale Frage, die es in anderen Länder so nicht gab und gibt. Deutsche Kommunisten kämpften gegen den gemeinsamen Feind. Doch die „erlebbare Wirklichkeit" (H.H.Holz). dieses Kampfes unterschied sich für die Kommunisten in Ost und West gewaltig. Sie kämpften in zwei Staaten mit diametral entgegengesetzten, staatlich fundierten Gesellschaftsordnungen. DDR und BRD waren in den mächtigsten Militärbündnissen integriert und wirkten an der für die Frage Krieg oder Frieden sensibelsten Stelle in der Welt. Die Staatsgrenze zwischen beiden deutschen Staaten war eine Trennlinie zweier Gesellschaftssysteme. Sie war und blieb nationalgeschichtlich ebenso auch eine Nahtstelle. Heute verläuft durch Deutschland–nach dem sozialökonomischen Kahlschlag im Osten-eine „soziale Demarkationslinie" (W.Seppmann).
Die SED war machtausübende Partei, die eine sozialistische Gesellschaft an dieser Staatsgrenze gestaltete und verteidigte. Die KPD, ab 1968 die DKP führte den Klassenkampf auf einer qualitativ anderen Stufe und unter anderen Bedingungen. Vergessen wir nicht die damit verbundenen unterschiedlichen Bedingungen bei der Bewältigung der ohnehin komplizierten Dialektik von Nationalem und Internationalem. Die Kommunisten in der BRD agierten im Spannungsfeld zwischen kritischer Verarbeitung und Verteidigung dessen,was in den sozialistischen Staaten, insbesondere der DDR vor sich ging.
Die DDR wird zu recht als bisher größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung gewürdigt.
Ich wiederhole, der deutschen Arbeiterbewegung, nicht nur der Arbeiterbewegung der DDR. Aber die DDR gibt es nicht mehr. Es gelang der deutschen Arbeiterklasse eben nicht, die DDR in das Grundbuch der Geschichte der Arbeiterbewegung einzutragen. Mehr noch. Im Unterschied zu den anderen Staaten des realen Sozialismus in Europa, ist die DDR weltweit der einzige Staat der Neuzeit, der nicht nur seine sozialistische Identität verlor, sondern auch noch seine Staatlichkeit einbüßte. Es gibt keine Geheimnisse mehr über die DDR. Im Unterschied zu allen anderen Staaten sind selbst die Akten ehemals höchster Geheimhaltungsstufe in den Bundesarchiven zugänglich.
Erleben wir alle nicht ein neues, besonders tragisches Beispiel der „deutschen Misere", über die zu ihrer Zeit Marx, Engels und Mehring schrieben ?
Alexander Abusch veröffentlichte dazu 1946 eine ausführliche Abhandlung unter dem Titel „Irrweg einer Nation". Eine hochaktuelle Schrift.
Mit dem Untergang der DDR ging auch die SED unter.
Mit dem Sonderparteitag mutierte die Rest-SED zu einer reformistischen Partei. Gysi wollte im Vorfeld des „Vereinigungsprozesses" mit der BRD die DKP ausschalten. An eine Vereinigung beider Parteien dachte er nicht. Offiziell wurde der DKP der Status einer kommunistischen Plattform der PDS angeboten. Dazu sollte sich jedoch die DKP auflösen und ihre Mitglieder einzeln in die PDS eintreten. Wenn ich richtig informiert bin, konnte mit nur einer Stimme Mehrheit, die auf dem DKP-Parteitag im März 1990 von den „Erneuerern" um Wolfgang Gehrcke betriebene Auflösung verhindert werden. Mit Gehrcke haben etwa 10.000 Mitglieder die DKP verlassen, von denen die meisten jedoch nicht in der PDS ankamen ( G.Feldbauer).
Wie bekannt ist, behauptete sich die DKP trotz eines gewaltigen Aderlasses in der BRD alt. Aber ihre Hoffnungen auf einen mächtigen Zustrom ehemaliger SED-Mitglieder erfüllten sich nicht.
Andererseits wurde mit der Neugründung der KPD die Ehre der Kommunisten der DDR gerettet. Dieser objektive Sachverhalt ist heute augenfällig, auch wenn er noch nicht allgemeiner Erkenntnistand ist.
Diese und weitere Entwicklungen haben im Bewusstsein der Kommunisten in Ost und West, im Selbstverständnis ihrer kommunistischen Identität, tiefe Spuren hinterlassen. Die Identität weist in Ost und West Unterschiede auf, die sich heute- salopp gesagt - als Verständigungsschwierigkeiten darstellen und in Abhängigkeit von der jeweiligen Problematik auch zuspitzen können.
Ebenso müssen wir in Rechnung stellen, dass auch insgesamt die Interessen der West- und Ostdeutschen durchaus nicht identisch sind. Das „sozialpolitische Gedächtnis" (A.Klönne) der Arbeiterklasse in Ost und West weist große Unterschiede aus.
„Die Lebenswelt der Ostdeutschen wandelte sich seit 1990 in einem Umfang, wie ihn sonst nur Immigranten verarbeiten müssen" (T. Staudt). Die Mehrzahl der Ostdeutschen besitzt nunmehr Erfahrungen mit zwei Gesellschaftsordnungen. Den westdeutschen Lohnarbeitern sind die Erfahrungen „gelernter DDR-Bürger" fremd.
Kritisch-selbstkritisch muss festgestellt werden, dass heute nicht nur die Kommunistischen Parteien weit von der Arbeiterklasse entfernt sind. Auch die Kommunisten in Deutschland trennt manches.
Damit stellt sich die Frage nach dem Umgang mit unserer Niederlage.
Von Marx, Engels und Lenin wissen wir, dass sie nach Niederlagen der revolutionären Bewegung eine intensive Ursachenanalyse vornahmen, die mit enormer theoretischer Arbeit verbunden war. So war es nach der 1848er Revolution, nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 oder nach dem Zusammenbruch der II. Internationale.
Nun haben wir heute keinen Marx, Engels oder Lenin unter uns. Wir müssen uns der Mühsal in Theorie und Praxis selbst unterwerfen.
Keiner von uns kann voraus sagen, wie sich eine ins Auge gefasste einheitliche kommunistische Partei mit Masseneinfluss formieren wird, es sei denn, er spekuliert. Mit Bestimmtheit ist aber davon auszugehen, dass diese Partei – angesichts des bisher Gesagten - in einem längeren Parteibildungsprozess entstehen wird. In diesem Parteibildungsprozess werden viele Widersprüche gelöst, auch Rückschläge bewältigt werden müssen. Deshalb kann dieser Prozess auch nicht nach einer Termintabelle geführt werden.
Dieser Parteibildungsprozess hat die theoretisch begründete und praktisch bestätigte Auffassung vom Wesen einer kommunistischen Partei zu Grundlage.
Dieses Wesen besteht in der Vereinigung der Arbeiterbewegung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus. Zu den unverzichtbaren Elementen einer kommunistischen Partei gehören die revolutionäre Theorie, der Klassencharakter der Partei, die Organisationsform und das sozialistische Ziel.
Das Bekenntnis zu dieser kommunistischen Identität sollte die einzige Bedingung für das Zusammenführen von Kommunisten in unserer Zeit sein.
In diesem Parteibildungsprozess werden Kommunisten aus Ost und West zusammengeführt, die verschiedenen Generationen angehören und somit recht unterschiedliche, auch gar keine Parteierfahrung besitzen.
Dieses Zusammenführen ist mit der weiteren Analyse unserer Niederlage verbunden. Denn die nachfolgenden Generationen brauchen überzeugende Antworten auf die Fragen nach den Ursachen unserer Niederlage. Und – das sei hier lediglich angemerkt – auch unsere Überlegungen zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wir müssen sozusagen, der jungen Generation – unseren Enkeln, die es besser machen sollen – den „gedanklichen Rohstoff" (H.H.Holz) liefern, damit sie selbständig Ziele formulieren, Inhalte bestimmen und Aktionen durchführen kann.
Ich sagte, wir haben keine Klassiker unter uns. Doch wir kennen die Methode ihres Denkens. Deshalb haben wir uns zu bemühen, diese Methode uns anzueignen, wonach „der ganze Geist des Marxismus, sein ganzes System verlangt, dass jede These nur a) historisch, b) nur in Verbindung mit anderen, c) nur in Verbindung mit den konkreten Erfahrungen der Geschichte" betrachtet wird. Denn der Marxismus muss „unbedingt den auffallend schroffen Wechsel der Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens widerspiegeln". Folglich müssen „auch im Marxismus als einer lebendigen Lehre jeweils verschiedene Seiten in den Vordergrund treten". Soweit Lenin.
Resümierend sei gesagt: Wir stehen vor außergewöhnlichen Herausforderungen. Wir stehen vor allem in der Pflicht, in der Pflicht der Arbeiterklasse der BRD. Wenn wir alle diese Pflicht als nach wie vor historischen Klassenauftrag begreifen, wer sollte uns dann noch daran hindern können, ausgehend von der heutigen Beratung, die nächsten Schritte abgestimmt gemeinsam zu tun?
Quelle: http://www.triller-online.de/index2.htm
Welcher Kommunist bekennt sich nicht voller Überzeugung zum Schlusssatz im Manifest der kommunistischen Partei: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Aber im Geburtsland von Marx und Engels sind die organisierten und nichtorganisierte Kommunisten nach der bisher schwersten Niederlage in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung nicht in der Lage, sich selbst zu vereinigen. Eine Mehrheit von Kommunisten will eine marxistisch-leninistische Partei in Deutschland mit Masseneinfluss. Denn nur sie kann Kristallisationskern revolutionärer Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung sein. Aber noch können sich die Kommunisten aus verschiedenen Gründen, darunter allerlei Vorbedingungen, nicht darüber verständigen. Es mangelt bereits an Dialogbereitschaft. Manche Kommunisten sprechen nicht einmal miteinander.
Angesichts dieses Sachverhaltes betrachte ich die Einladung der KPD zum heutigen Treffen als eine wertvolle Initiative. Einige Reaktionen darauf sind für mich eine herbe Enttäuschung.
In Vorbereitung auf unsere Beratung hörte und las ich Vorbehalte. Einige Beispiele:
Ich erfuhr z.B. wer etwas für eine starke kommunistische Partei tun will, der solle Mitglied der DKP werden. Denn sie sei die einzige kommunistische Partei in Deutschland.
In einem offenen Brief war zu lesen, die Initiative der KPD sei gut. Doch die Absender können daran nicht teilnehmen, weil die und die dort vertreten sein werden. Und mit denen wollen sie nichts zu tun haben.
Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, die Initiative der KPD sei nicht schlecht. Wir würden schon daran teilnehmen. Aber weil die und die nicht teilnehmen,
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Die grössten organisierten kommunistischen Zusammenhänge - DKP, Kommunistische Plattform in der Linkspartei und der RotFuchs-Zusammenhang - beteiligten sich nicht.
Die deutsche Wikipedia, der man bei solchen Themen natürlich nicht vorbehaltlos trauen kann, schreibt über RotFuchs:
Der „RotFuchs-Förderverein e. V.“ hat sich neben der Sicherung der Herausgabe der Zeitschrift das Ziel gesetzt, Kommunisten und Sozialisten in Deutschland unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit (Mitglieder von DKP, Die Linke, Parteilose, linke Sozialdemokraten und linke Christen) zu gemeinsamen Diskussionen zusammenzuführen und marxistische Bildungsarbeit zu betreiben. Diese Bildungsarbeit geschieht in über 30 Regionalgruppen.
Es ist wirklich kaum zu glauben, daß ausgerechnet ein Verein, der sich Offenheit auf die Fahne geschrieben hat, in solcher Weise auf Abgrenzung bedacht und nicht mal zu Diskussion und Meinusaustausch bereit ist. Für die DKP gilt dasselbe. Und daß sich Kommunisten in der Linkspartei befinden, war mir schon immer ein Rätsel. Was machen die da, außer sich bis zur Unkenntlichkeit zu verrenken?
Ich habe praktisch keine persönlichen Erfahrungen mit politischen Parteien. In den 70er Jahren war ich zweimal beim UZ Pressefest in Düsseldorf, was mir sehr gut gefallen hat. Und 1979/1980 war ich ein paar Mal als Zaungast bei Gründungsveranstaltungen der Grünen, die mir (aus anderen Gründen) ebenfalls sehr gefielen. Der Enthusiasmus der Leute und die Aufbruchstimmung waren wirklich ansteckend. Ich fand allerdings schon damals, daß das Parteiprogramm in wichtigen Bereichen nicht viel zu bieten hatte. Mit dem Dazukommen der "Kaputtmacher" (Fischer, Cohn-Bendit etc.), ging die Partei dann wenig später endgültig den Bach runter ... und wurde erfolgreich.
Ich wünschte mir, daß es in den verschiedenen deutschen M-L KPs etwas von der damaligen Aufbruchstimmung, der Energie und dem Idealismus für einen vereinigten Neuanfang gäbe. Ganz besonders in Kriesenzeiten wie diesen, könnte so eine Partei sicher mit einer rasch wachsenden Mitgliederzahl aus allen Bereichen der Bevölkerung rechnen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Genossen miteinander reden anstatt sich gegenseitig ab- und auszugrenzen.
Die Hauptparole von RotFuchs war bis vor kurzem "Einigung, aber keine Vereinigung". Das haben sie verändert in "Einigung mit dem Ziel der Vereinigung".
Die Aufbruchsstimmung wünsche ich mir auch. Wenn es gelingt, etwas in Gang zu setzen, das den Leuten das Gefühl gibt "etzt kommt tatsächlich was Neues", wird es eine solche Stimmung auch geben. Aber das muss erstmal gelingen. Das wäre gut, aber man sollte das auch nicht überschätzen.
Die Menschen, von denen die Rede ist, sind die zersprengten Haufen (Häuflein) nach einem schmählich verlorenen Krieg. Davon sind wir alle mehr oder weniger gezeichnet. So mancher kommunistische Klein-Zusammenhang agiert als Offizierskorps, dessen Truppen imaginär geworden sind. Während bescheidene Arbeit in der Nachbarschaft angesagt wäre, werden Schlachtpläne entworfen, für die es die Kräfte noch gar nicht (nicht mehr) gibt.
Ob es zu kommunistischer Aktionseinheit kommt (eine politisch-organisatorische Vereinigung steht m.E. nicht unmittelbar auf der Tagesordnung), hängt hauptsächlich von den von mir erwähnten Zusammenhängnab, wenigervon der KPD, die dafür zu klein ist. Folglichmuss das innerhalb dieser Zusammenhänge druchgesetzt werden. Dann würden sich nicht hundert, sondern etliche Tausend Leute treffen, wenn zu einem bundesweiten Kommunistentreffen aufgerufen wird.
Sepp stellt uns als "einen der größten organisierten kommunistischen Zusammenhänge" in Deutschland eine Plattform vor, deren Sprecherin in ihr neuestes Buch Folgendes geschrieben hat (natürlich reißerisch von mir aus dem Zusammenhang gerissen! - Seitenzahlen in Klammern):
„Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin, die zurück will in die alte DDR. Ich habe auch deshalb zunehmend gespürt: Es wird Zeit, einen positiven Gegenentwurf zu schreiben, zumindest diesen Entwurf zu beginnen. Es wird Zeit, den typischen FDPlern, die von Ökonomie nicht mehr verstehen als die auswendig gelernten Sprüche aus ihren eigenen Wahlwerbungsprospekten, entgegenzuhalten, wie Marktwirtschaft tatsächlich funktioniert. Und es wird Zeit zu zeigen, wie man, wenn man die originären marktwirtschaftlichen Ideen zu Ende denkt, direkt in den Sozialismus gelangt, einen Sozialismus, der nicht Zentralismus, sondern Leistung und Wettbewerb hochhält.“(Vorwort)
„Statt den Unternehmenserfolg langfristig durch überlegene Produktqualität oder innovative Spitzenleistungen zu sichern, geht es um kurzfristige Rendite, von Quartal zu Quartal. Um diese auf das von den Börsenanalysten erwartete Maximum zu heben, werden leistungsfähige Unternehmen so lange durch die Kostenmangel gedreht, bis von ihnen nur noch ein ausgezehrtes, ideenloses Gebilde übrig bleibt.“(85)
„Anstelle überlegener Qualität werden Größe und Weltmacht angestrebt, statt zu investieren Unternehmensmonopoly gespielt.“ (9)
Hier lassen der Stammtisch und das neudeutsche Geseich aus Veröffentlichungen parteinaher Stiftungen gleichermaßen grüßen. Sehr innovativ.
Sarah Wagenknechts Mitgliedschaft in der Kommunistischen Plattform "ruht". Das mag zunähst eine Formalie gewesen sein. Inzwischen ist es das nicht mehr, scheint mir. Sie ist von früheren Positionen abgerückt. Ich glaube nicht, dass sie noch ausdrückt, was in der KPF gemeint wird.
Bzgl. ihrer Mitgliedschaften bin ich wahrscheinlich wirklich nicht gut informiert. Aber egal, was bei ihr ruht: Ihre Position, einen Gegensatz an sich zwischen reproduzierendem und spekulativem Kapital zu behaupten, ist die selbe wie ehedem und die selbe wie die prominenter Referenten der anderen "größten kommunistischen Organisationen" in D.
Wagenknechts Weiterentwicklung geht lediglich in die Richtung, diese Positionen könnten mittlerweile auch für besorgte Proleten und Volkswirte, die anderen Parteien als der Linken anhängen, interessanter geworden sein. Entsprechend wurden sie neu abgefüllt. Aber die ollen Betriebskampfgruppen wird Sahra wahrscheinlich immer noch gut finden.
Welche "prominenten Referenten" der DKP meinst Du denn ?
Wenn Du die Kritik an dem falsch aufgemachten Gegensatz - Kapital in Produktion/Kapital in Spekulationsbereich - teilst, brauche ich Dir die Leute ja nicht vorzustellen. Es geht auch nicht um Leute und Mitgliedschaften, sondern letztlich in Finanzkapitalismus und Krise um die Rolle des Staates - der nämlich, ganz nach den unterschiedlichen Fähigkeiten der unterschiedlichen Staaten, der große Anstifter der Märkte ist. Im Gegensatz zum meisten, was man hier so liest, wo der Blog-Betreiber ja sehr dezidiert gegen "Revisionismus" auftritt.
Meine Frage hat natürlich nicht auf Leute als solche gezielt, sondern auf vertretene Positionen,Namen also als deren Repräsentanten.
" Im Gegensatz zum meisten, was man hier so liest ...": Was denn konkret ? Wo wird hier ein "Gegensatz - Kapital in Produktion/Kapital in Spekulationsbereich - aufgemacht" ? Nach meinem Verständnis geht es bei den Beiträgen, die ich zu diesem Thema einstelle, gwöhnlich gerade um den Zusammenhang des hier und dort fungierenden Kapitals (was übrigens den "Gegensatz" (Ich spreche lieber von Widersprüchen) nicht aus-, sondern einschliesst).
Übrigens, weil sich das gerade so ergibt: Gegensatz und Widerspruch. Das ist unsere denk-methodische Differenz. Logik und Dialektik. Logik des Kapitalverhältisses oder Dialektik des Kapitalverhältnisses.
Leeres Gerede.
Dein (Euer) Zentralfehler
Ich kann nur versuchen, meinen 'Zentralfehler' einzugrenzen: Er besteht darin, dort halbe Vormittage mit der Abfassung von Argumenten zuzubringen, wo man auf gut-stalinistisch immer erst einmal nach Namen fragt.
"gut stalinistisch": so ein Quatsch !
Interessant zu wissen:
„Offiziell wurde der DKP der Status einer kommunistischen Plattform der PDS angeboten. Dazu sollte sich jedoch die DKP auflösen und ihre Mitglieder einzeln in die PDS eintreten. Wenn ich richtig informiert bin, konnte mit nur einer Stimme Mehrheit, die auf dem DKP-Parteitag im März 1990 von den „Erneuerern" um Wolfgang Gehrcke betriebene Auflösung verhindert werden. Mit Gehrcke haben etwa 10.000 Mitglieder die DKP verlassen, von denen die meisten jedoch nicht in der PDS ankamen ( G.Feldbauer).“
Ansonsten atmet der Beitrag Hillebrenners genauso viel Hilflosigkeit wie die Kommentare – was mir schon lange schlechte Träume bereitet. Weil die Situation eben dermaßen verfahren ist. Auf keinen Fall sehe ich als Lösung, dass eben genauso weiter gemacht wird: Zuerst und ausschließlich Abgrenzung, häufig motiviert mit MEL , mal mit dem Argument, mal mit einem anderen. Gibt genügend Bücher für Zitate. Hat schon mal jemand dran gedacht, nach dem gemeinsamen Ziel zu fragen?
„Resümierend sei gesagt: Wir stehen vor außergewöhnlichen Herausforderungen. Wir stehen vor allem in der Pflicht, in der Pflicht der Arbeiterklasse der BRD. Wenn wir alle diese Pflicht als nach wie vor historischen Klassenauftrag begreifen, wer sollte uns dann noch daran hindern können, ausgehend von der heutigen Beratung, die nächsten Schritte abgestimmt gemeinsam zu tun?“
Das kanns doch wohl nicht sein! Abgesehen davon, dass sich die Arbeiterklasse in den letzten Jahrzehnten im Verlaufe der wiss.-techn. Revolution wesentlich geändert hat und heute jede Menge Leute aus dem Dienstleistungsbereich, der Angestellten und selbst Hochschulkader dazu gehören [ist aber schon wieder ein eigenes langes Thema], pfeift „die Arbeiterklasse“ auf unsere Pflicht und das sicher gut gemeinte Gesummse. Tut mir leid, wenn auch irgendwo oder prinzipiell richtig, aber so etwas kann ich nicht mehr hören!
Das gemeinsame Ziel ist ein besseres Leben für alle, kein Krieg, kein Elend weltweit. Und dazu müssen wir bei uns anfangen: Nämlich nicht nur theoretisieren (die Arbeiter haben dafür ein derberes Wort), sondern den Menschen klar machen, wer die Gegner sind und wie sie es anfangen, uns zu teilen und zu beschäftigen mit jeder Menge unnützen Debatten. Und wenn das Ganze beim Dorf- oder Stadtfest läuft. Überall eben. Früher nannten wir das polit-ideologische Arbeit (und viele wussten mit dem Begriff nichts anzufangen).
Und Organisation ist eine feine Sache, wenn man den richtigen Leuten „hinterherläuft“. Richtige gibt’s überall, nur nicht immer an der Spitze.
Hallo Alexandra.
Hm ... Mal pauschal drüber: Geduld ist eine Haupttugend für Revolutionäre. Wir können die gefinkeltsten Verrenkungen machen - letzten Endes entscheidet die Arbeiterklasse selbst darüber, ob sie Veränderung will oder nicht. Da nützen auch SYRIZA-mässige Verrenkungen nichts. Wir sollten uns hüten, vor lauter Verzweiflung Wolkenkuckucksheime zu bauen (etwa "grundlegend erneuerte EU"), um "besser anzukommen".
Zur heutigenBeschaffenheit der Arbeiterklasse gibt es relativ neue Untersuchungen: Arbeitende Klasse in Deutschland - Macht und Ohnmacht der Lohnarbeiter; E. Lieberam/J. Miehe (HG), Pahl-Rugenstein; ISBN 978-3-89144-439-9 . Ausserdem empfehle ich alles, was Seppmann zu diesem Thema geschrieben hat.
"Eine Stimme Mehrheit": Geschichtlich ist das schon interessant. Inzwischen kann man auch sehen, wohin die damaligen Befürworter der Auflösung gekommen sind: so manche auf gute Posten, aber inhaltlich ... Was Feldbauer nicht erwähnt: Ausser den zehntausend, die zur PDS gegangen sind, sind mehr als zwanzigtausend nirgendwohin gegangen, sondern sind (parteimässig) gar nicht mehr organisiert.
Zur Ausdrucksweise in der Erklärung: ein gutes (oder vielmehr schlechtes) Beispiel für das verzwifelte Festhalten an einer unwiderruflich untergegangenen Phase der Geschichte. M.E. bringt das nicht vorwärts. Was ich den Genossinnen/Genossen anrechne ist, dass sie sich ihre/unsere Geschichte nicht nehmen lassen. Die brauchen wir noch. Aber von Geschichte allein kann man politisch nicht leben.
Das mit der EU war eine Ohrfeige? Seppmann hat mir nicht viel gebracht. Oder ich muss noch mal lesen. Lieberam/J. Miehe stehen auf meinem Weihnachts-Wunschzettel.
Der Rotfuchs z. B. leistet mit der Verbreitung von DDR-Wissen unersetzliche Dienste. Natürlich darf man sich seine Identität nicht nehmen lassen. Die Einschätzung ist nicht falsch. Aber ich empfinde den Umgang mit der Niederlage - hoffnungslos, auch diffus. Die vom heutigen Staat am meisten in die Enge gedrückten ehem. verantwortlichen Genossen haben Mühe, die tiefen Wunden zu verwinden. Aber es ist gefährlich, mit an sich richtigen Worten zu argumentieren, wo klare Aussagen angebracht sind. Sie wirken dann kontraproduktiv als Phrasen. Und erinnern mich immer an einige Spezimen aus DDR-Zeiten.
- Das ist nicht persönlich auf Gen. Hillebrenner gemünzt! Ich verstehe ihn schon und möchte mich für meine unwirschen Worte entschuldigen.
Ich will versuchen, demnächst einige Antworten zu geben, welche die frz. Genossen gefunden haben, die mit einigen ähnlichen Problemen kämpfen. Und fürwahr, es ist schwer. „Es ist noch zu früh,“ habe ich auch schon gehört – und akzeptiert. Das heißt nicht, gar nichts zu tun. Die antifaschistischen Aktionen z. B. sind nicht gar nichts.
EU-Ohrfeige: Nein, ich meinte nicht Dich, sondern die EL.
Seppmann: Wundert mich. Ws hast Du denn von ihm gelesen ?
Wundert dich mit Recht. Heb ich verwechselt. „Die verleugnete Klasse“ ist gut, habe es mit meinen Anmerkungen nur verkramt – und vergessen. Wahrscheinlich lese ich zu chaotisch durcheinander.