Diskussionsbeitrag auf einem Treffen deutscher Kommunisten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Am 9. Juni fand in Berlin ein Treffen von Kommunisten verschiedener Organisationszugehörigkeit und parteilosen statt. Federführend war dabei die aus der SED hervorgegangene KPD. Die grössten organisierten kommunistischen Zusammenhänge - DKP, Kommunistische Plattform in der Linkspartei und der RotFuchs-Zusammenhang - beteiligten sich nicht. Hier ein Diskussionsbeirag von Dieter Hillebrenner auf diesem Treffen, der sich mit der Lage der Kommunisten in Deutschland beschäftigt:

 

 

 

Dieter Hillebrenner

Diskussionsbeitrag auf dem Bundesweiten Treffen von Kommunisten am 09. Juni 2012 in Berlin

 

 

 

Welcher Kommunist bekennt sich nicht voller Überzeugung zum Schlusssatz im Manifest der kommunistischen Partei: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Aber im Geburtsland von Marx und Engels sind die organisierten und nichtorganisierte Kommunisten nach der bisher schwersten Niederlage in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung nicht in der Lage, sich selbst zu vereinigen. Eine Mehrheit von Kommunisten will eine marxistisch-leninistische Partei in Deutschland mit Masseneinfluss. Denn nur sie kann Kristallisationskern revolutionärer Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung sein. Aber noch können sich die Kommunisten aus verschiedenen Gründen, darunter allerlei Vorbedingungen, nicht darüber verständigen. Es mangelt bereits an Dialogbereitschaft. Manche Kommunisten sprechen nicht einmal miteinander.

 

Angesichts dieses Sachverhaltes betrachte ich die Einladung der KPD zum heutigen Treffen als eine wertvolle Initiative. Einige Reaktionen darauf sind für mich eine herbe Enttäuschung.

 

In Vorbereitung auf unsere Beratung hörte und las ich Vorbehalte. Einige Beispiele:

 

Ich erfuhr z.B. wer etwas für eine starke kommunistische Partei tun will, der solle Mitglied der DKP werden. Denn sie sei die einzige kommunistische Partei in Deutschland.

 

In einem offenen Brief war zu lesen, die Initiative der KPD sei gut. Doch die Absender können daran nicht teilnehmen, weil die und die dort vertreten sein werden. Und mit denen wollen sie nichts zu tun haben.

 

Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, die Initiative der KPD sei nicht schlecht. Wir würden schon daran teilnehmen. Aber weil die und die nicht teilnehmenkönnen wir auch nicht. Denn unsere Teilnahme käme einem Affront denen gegenüber gleich.

 

In einer mir gesandten E-Mail stand, die Initiative der KPD käme zu früh. Die Zeit sei noch nicht reif.

 

Letztlich verhehle ich auch nicht mein Unverständnis für die Aussagen im Leitartikel der Rotfuchs-Ausgabe Nr. 5/2012. Denn die hier und heute Versammelten leben eben nicht in Wolkenkuckucksheimen .

 

Im Gegenteil. Wahrscheinlich fragen sie sich wie ich mich auch: Wie lange wollen wir noch warten, bevor wir uns wenigstens zum Meinungsaustausch über unsere kommunistische Verantwortung durchringen und zum gemeinsamen Handeln bereit finden ?

 

Brauchen wir erst wieder die Erfahrungen der Generationen unserer Eltern und Großeltern mit Faschismus und Krieg , um uns in Konzentrationslagern und Zuchthäusern die Hand zu reichen ?

 

Vor dem Hintergrund der tiefen, nahezu tödlichen Krise in der sich die deutsche kommunistische Bewegung und eigener Erfahrungen in der politischen Arbeit drängen sich mir immer wieder die Fragen auf:

 

-Haben wir das ganze Ausmaß unserer Niederlage eigentlich schon begriffen ?

 

- Wie müssen wir mit unserer Niederlage umgehen ?

 

Zu beiden Fragen thesenhaft verknappt jetzt meine Überlegungen.

 

Aus der Geschichte wissen wir, dass Niederlagen – ob politische oder militärische – immer von Erscheinungen der Demoralisierung bei den Unterlegenen begleitet sind.

 

Das trifft auch für die Kommunisten in der Gegenwart zu. Die Demoralisierung äußert sich in vielfältigen Formen.

 

Auch zwei Jahrzehnte nach der verheerenden Niederlage des realen Sozialismus in Europa ist die deutsche kommunistische Bewegung so zerrissen wie noch nie in ihrer Geschichte. Unter Kommunisten herrschen politische, theoretische und organisatorische Irritationen und Zweifel. Das revolutionäre Selbstvertrauen vieler Kommunisten ist erschüttert. Zweifel in die wissenschaftliche Weltanschauung haben sich verbreitet. Skepsis hat auch das Parteiverständnis der Kommunisten erfasst.

 

Gegenwärtig haben weder die DKP in den alten Bundesländern noch die KPD im Anschlussgebiet in der Arbeiterklasse nennenswerten Einfluss. Tausende Kommunisten entziehen sich einer erneuten Organisierung in einer kommunistischen Partei.

 

Die Situation in der deutschen kommunistischen Bewegung weist gegenüber der Lage der Kommunisten in anderen Ländern eine gravierende Spezifik auf: Die Lage der deutschen kommunistischen Bewegung ist einzigartig in der Welt. Diese Tatsache haben wir nach meiner Auffassung bisher unzureichend beachtet.

 

Vierzig Jahre gab es zwei deutsche Staaten. Wir hatten eine nationale Frage, die es in anderen Länder so nicht gab und gibt. Deutsche Kommunisten kämpften gegen den gemeinsamen Feind. Doch die „erlebbare Wirklichkeit" (H.H.Holz). dieses Kampfes unterschied sich für die Kommunisten in Ost und West gewaltig. Sie kämpften in zwei Staaten mit diametral entgegengesetzten, staatlich fundierten Gesellschaftsordnungen. DDR und BRD waren in den mächtigsten Militärbündnissen integriert und wirkten an der für die Frage Krieg oder Frieden sensibelsten Stelle in der Welt. Die Staatsgrenze zwischen beiden deutschen Staaten war eine Trennlinie zweier Gesellschaftssysteme. Sie war und blieb nationalgeschichtlich ebenso auch eine Nahtstelle. Heute verläuft durch Deutschland–nach dem sozialökonomischen Kahlschlag im Osten-eine „soziale Demarkationslinie" (W.Seppmann).

 

Die SED war machtausübende Partei, die eine sozialistische Gesellschaft an dieser Staatsgrenze gestaltete und verteidigte. Die KPD, ab 1968 die DKP führte den Klassenkampf auf einer qualitativ anderen Stufe und unter anderen Bedingungen. Vergessen wir nicht die damit verbundenen unterschiedlichen Bedingungen bei der Bewältigung der ohnehin komplizierten Dialektik von Nationalem und Internationalem. Die Kommunisten in der BRD agierten im Spannungsfeld zwischen kritischer Verarbeitung und Verteidigung dessen,was in den sozialistischen Staaten, insbesondere der DDR vor sich ging.

 

Die DDR wird zu recht als bisher größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung gewürdigt.

 

Ich wiederhole, der deutschen Arbeiterbewegung, nicht nur der Arbeiterbewegung der DDR. Aber die DDR gibt es nicht mehr. Es gelang der deutschen Arbeiterklasse eben nicht, die DDR in das Grundbuch der Geschichte der Arbeiterbewegung einzutragen. Mehr noch. Im Unterschied zu den anderen Staaten des realen Sozialismus in Europa, ist die DDR weltweit der einzige Staat der Neuzeit, der nicht nur seine sozialistische Identität verlor, sondern auch noch seine Staatlichkeit einbüßte. Es gibt keine Geheimnisse mehr über die DDR. Im Unterschied zu allen anderen Staaten sind selbst die Akten ehemals höchster Geheimhaltungsstufe in den Bundesarchiven zugänglich.

 

Erleben wir alle nicht ein neues, besonders tragisches Beispiel der „deutschen Misere", über die zu ihrer Zeit Marx, Engels und Mehring schrieben ?

 

Alexander Abusch veröffentlichte dazu 1946 eine ausführliche Abhandlung unter dem Titel „Irrweg einer Nation". Eine hochaktuelle Schrift.

 

Mit dem Untergang der DDR ging auch die SED unter.

 

Mit dem Sonderparteitag mutierte die Rest-SED zu einer reformistischen Partei. Gysi wollte im Vorfeld des „Vereinigungsprozesses" mit der BRD die DKP ausschalten. An eine Vereinigung beider Parteien dachte er nicht. Offiziell wurde der DKP der Status einer kommunistischen Plattform der PDS angeboten. Dazu sollte sich jedoch die DKP auflösen und ihre Mitglieder einzeln in die PDS eintreten. Wenn ich richtig informiert bin, konnte mit nur einer Stimme Mehrheit, die auf dem DKP-Parteitag im März 1990 von den „Erneuerern" um Wolfgang Gehrcke betriebene Auflösung verhindert werden. Mit Gehrcke haben etwa 10.000 Mitglieder die DKP verlassen, von denen die meisten jedoch nicht in der PDS ankamen ( G.Feldbauer).

 

Wie bekannt ist, behauptete sich die DKP trotz eines gewaltigen Aderlasses in der BRD alt. Aber ihre Hoffnungen auf einen mächtigen Zustrom ehemaliger SED-Mitglieder erfüllten sich nicht.

 

Andererseits wurde mit der Neugründung der KPD die Ehre der Kommunisten der DDR gerettet. Dieser objektive Sachverhalt ist heute augenfällig, auch wenn er noch nicht allgemeiner Erkenntnistand ist.

 

Diese und weitere Entwicklungen haben im Bewusstsein der Kommunisten in Ost und West, im Selbstverständnis ihrer kommunistischen Identität, tiefe Spuren hinterlassen. Die Identität weist in Ost und West Unterschiede auf, die sich heute- salopp gesagt - als Verständigungsschwierigkeiten darstellen und in Abhängigkeit von der jeweiligen Problematik auch zuspitzen können.

 

Ebenso müssen wir in Rechnung stellen, dass auch insgesamt die Interessen der West- und Ostdeutschen durchaus nicht identisch sind. Das „sozialpolitische Gedächtnis" (A.Klönne) der Arbeiterklasse in Ost und West weist große Unterschiede aus.

 

„Die Lebenswelt der Ostdeutschen wandelte sich seit 1990 in einem Umfang, wie ihn sonst nur Immigranten verarbeiten müssen" (T. Staudt). Die Mehrzahl der Ostdeutschen besitzt nunmehr Erfahrungen mit zwei Gesellschaftsordnungen. Den westdeutschen Lohnarbeitern sind die Erfahrungen „gelernter DDR-Bürger" fremd.

 

Kritisch-selbstkritisch muss festgestellt werden, dass heute nicht nur die Kommunistischen Parteien weit von der Arbeiterklasse entfernt sind. Auch die Kommunisten in Deutschland trennt manches.

 

 

 

Damit stellt sich die Frage nach dem Umgang mit unserer Niederlage.

 

Von Marx, Engels und Lenin wissen wir, dass sie nach Niederlagen der revolutionären Bewegung eine intensive Ursachenanalyse vornahmen, die mit enormer theoretischer Arbeit verbunden war. So war es nach der 1848er Revolution, nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 oder nach dem Zusammenbruch der II. Internationale.

 

Nun haben wir heute keinen Marx, Engels oder Lenin unter uns. Wir müssen uns der Mühsal in Theorie und Praxis selbst unterwerfen.

 

Keiner von uns kann voraus sagen, wie sich eine ins Auge gefasste einheitliche kommunistische Partei mit Masseneinfluss formieren wird, es sei denn, er spekuliert. Mit Bestimmtheit ist aber davon auszugehen, dass diese Partei – angesichts des bisher Gesagten - in einem längeren Parteibildungsprozess entstehen wird. In diesem Parteibildungsprozess werden viele Widersprüche gelöst, auch Rückschläge bewältigt werden müssen. Deshalb kann dieser Prozess auch nicht nach einer Termintabelle geführt werden.

 

Dieser Parteibildungsprozess hat die theoretisch begründete und praktisch bestätigte Auffassung vom Wesen einer kommunistischen Partei zu Grundlage.

 

Dieses Wesen besteht in der Vereinigung der Arbeiterbewegung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus. Zu den unverzichtbaren Elementen einer kommunistischen Partei gehören die revolutionäre Theorie, der Klassencharakter der Partei, die Organisationsform und das sozialistische Ziel.

 

Das Bekenntnis zu dieser kommunistischen Identität sollte die einzige Bedingung für das Zusammenführen von Kommunisten in unserer Zeit sein.

 

In diesem Parteibildungsprozess werden Kommunisten aus Ost und West zusammengeführt, die verschiedenen Generationen angehören und somit recht unterschiedliche, auch gar keine Parteierfahrung besitzen.

 

Dieses Zusammenführen ist mit der weiteren Analyse unserer Niederlage verbunden. Denn die nachfolgenden Generationen brauchen überzeugende Antworten auf die Fragen nach den Ursachen unserer Niederlage. Und – das sei hier lediglich angemerkt – auch unsere Überlegungen zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wir müssen sozusagen, der jungen Generation – unseren Enkeln, die es besser machen sollen – den „gedanklichen Rohstoff" (H.H.Holz) liefern, damit sie selbständig Ziele formulieren, Inhalte bestimmen und Aktionen durchführen kann.

 

Ich sagte, wir haben keine Klassiker unter uns. Doch wir kennen die Methode ihres Denkens. Deshalb haben wir uns zu bemühen, diese Methode uns anzueignen, wonach „der ganze Geist des Marxismus, sein ganzes System verlangt, dass jede These nur a) historisch, b) nur in Verbindung mit anderen, c) nur in Verbindung mit den konkreten Erfahrungen der Geschichte" betrachtet wird. Denn der Marxismus muss „unbedingt den auffallend schroffen Wechsel der Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens widerspiegeln". Folglich müssen „auch im Marxismus als einer lebendigen Lehre jeweils verschiedene Seiten in den Vordergrund treten". Soweit Lenin.

 

 

 

Resümierend sei gesagt: Wir stehen vor außergewöhnlichen Herausforderungen. Wir stehen vor allem in der Pflicht, in der Pflicht der Arbeiterklasse der BRD. Wenn wir alle diese Pflicht als nach wie vor historischen Klassenauftrag begreifen, wer sollte uns dann noch daran hindern können, ausgehend von der heutigen Beratung, die nächsten Schritte abgestimmt gemeinsam zu tun?

 

Quelle: http://www.triller-online.de/index2.htm





 

 

Welcher Kommunist bekennt sich nicht voller Überzeugung zum Schlusssatz im Manifest der kommunistischen Partei: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Aber im Geburtsland von Marx und Engels sind die organisierten und nichtorganisierte Kommunisten nach der bisher schwersten Niederlage in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung nicht in der Lage, sich selbst zu vereinigen. Eine Mehrheit von Kommunisten will eine marxistisch-leninistische Partei in Deutschland mit Masseneinfluss. Denn nur sie kann Kristallisationskern revolutionärer Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung sein. Aber noch können sich die Kommunisten aus verschiedenen Gründen, darunter allerlei Vorbedingungen, nicht darüber verständigen. Es mangelt bereits an Dialogbereitschaft. Manche Kommunisten sprechen nicht einmal miteinander.

 

Angesichts dieses Sachverhaltes betrachte ich die Einladung der KPD zum heutigen Treffen als eine wertvolle Initiative. Einige Reaktionen darauf sind für mich eine herbe Enttäuschung.

 

In Vorbereitung auf unsere Beratung hörte und las ich Vorbehalte. Einige Beispiele:

 

Ich erfuhr z.B. wer etwas für eine starke kommunistische Partei tun will, der solle Mitglied der DKP werden. Denn sie sei die einzige kommunistische Partei in Deutschland.

 

In einem offenen Brief war zu lesen, die Initiative der KPD sei gut. Doch die Absender können daran nicht teilnehmen, weil die und die dort vertreten sein werden. Und mit denen wollen sie nichts zu tun haben.

 

Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, die Initiative der KPD sei nicht schlecht. Wir würden schon daran teilnehmen. Aber weil die und die nicht teilnehmen,

Veröffentlicht in Kommunisten

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Alexandra 07/12/2012 13:09


Wundert dich mit Recht. Heb ich verwechselt. „Die verleugnete Klasse“ ist gut,
habe es mit meinen Anmerkungen nur verkramt – und vergessen. Wahrscheinlich lese ich zu chaotisch durcheinander.

Alexandra 07/10/2012 18:34


Das mit der EU war eine Ohrfeige?  Seppmann hat mir nicht viel gebracht. Oder ich muss noch mal lesen. Lieberam/J. Miehe stehen auf meinem Weihnachts-Wunschzettel.


Der Rotfuchs z. B. leistet mit der Verbreitung von DDR-Wissen unersetzliche
Dienste. Natürlich darf man sich seine Identität nicht nehmen lassen.  Die Einschätzung ist nicht falsch. Aber ich empfinde den Umgang mit der
Niederlage  - hoffnungslos, auch diffus.  Die vom heutigen Staat am meisten in die Enge gedrückten ehem.
verantwortlichen Genossen  haben Mühe, die tiefen Wunden zu verwinden. Aber es ist gefährlich, mit an sich richtigen Worten zu argumentieren, wo klare
Aussagen angebracht sind. Sie wirken dann kontraproduktiv als Phrasen. Und erinnern mich immer an einige Spezimen aus DDR-Zeiten.


- Das ist nicht persönlich auf Gen. Hillebrenner gemünzt! Ich verstehe ihn schon
und möchte mich für meine unwirschen Worte entschuldigen.


Ich will versuchen, demnächst einige Antworten zu geben, welche die
frz.  Genossen gefunden haben, die mit einigen ähnlichen Problemen kämpfen. Und fürwahr, es ist schwer. „Es ist noch zu früh,“ habe ich auch schon
gehört – und akzeptiert. Das heißt nicht, gar nichts zu tun. Die antifaschistischen Aktionen z. B. sind nicht gar nichts.

Sepp Aigner 07/11/2012 02:55



EU-Ohrfeige: Nein, ich meinte nicht Dich, sondern die EL.


Seppmann: Wundert mich. Ws hast Du denn von ihm gelesen ?



Alexandra 07/04/2012 18:09


Interessant zu wissen:


„Offiziell wurde der DKP der Status
einer kommunistischen Plattform der PDS angeboten. Dazu sollte sich jedoch die DKP auflösen und ihre Mitglieder einzeln in die PDS eintreten. Wenn ich richtig informiert bin, konnte mit nur einer
Stimme Mehrheit, die auf dem DKP-Parteitag im März 1990 von den „Erneuerern" um Wolfgang Gehrcke betriebene Auflösung verhindert werden. Mit Gehrcke haben etwa 10.000 Mitglieder die DKP
verlassen, von denen die meisten jedoch nicht in der PDS ankamen ( G.Feldbauer).“


Ansonsten atmet der Beitrag Hillebrenners genauso viel Hilflosigkeit wie die
Kommentare – was mir schon lange schlechte Träume bereitet. Weil die Situation eben dermaßen verfahren ist. Auf keinen Fall sehe ich als Lösung, dass eben genauso weiter gemacht wird: Zuerst und
ausschließlich Abgrenzung, häufig motiviert mit MEL , mal mit dem Argument, mal mit einem anderen. Gibt genügend Bücher für Zitate. Hat schon mal jemand dran gedacht, nach dem gemeinsamen Ziel zu
fragen?


„Resümierend sei gesagt: Wir stehen vor
außergewöhnlichen Herausforderungen. Wir stehen vor allem in der Pflicht, in der Pflicht der Arbeiterklasse der BRD. Wenn wir alle diese Pflicht als nach wie vor historischen Klassenauftrag
begreifen, wer sollte uns dann noch daran hindern können, ausgehend von der heutigen Beratung, die nächsten Schritte abgestimmt gemeinsam zu tun?“


Das kanns doch wohl nicht sein! Abgesehen davon, dass sich die Arbeiterklasse in
den letzten Jahrzehnten im Verlaufe der wiss.-techn. Revolution  wesentlich geändert hat und heute jede Menge Leute aus dem Dienstleistungsbereich,
der Angestellten und selbst Hochschulkader dazu gehören [ist aber schon wieder ein eigenes langes Thema], pfeift „die Arbeiterklasse“ auf unsere Pflicht und das sicher gut gemeinte Gesummse. Tut
mir leid, wenn auch irgendwo oder prinzipiell richtig, aber so etwas kann ich nicht mehr hören!


Das gemeinsame Ziel ist ein besseres Leben für alle, kein Krieg, kein Elend weltweit. Und dazu müssen wir bei uns anfangen: Nämlich nicht nur theoretisieren (die Arbeiter haben dafür ein derberes
Wort), sondern den Menschen klar machen, wer die Gegner sind und wie sie es anfangen, uns zu teilen und zu beschäftigen mit jeder Menge unnützen Debatten. Und wenn das Ganze beim Dorf- oder
Stadtfest läuft. Überall eben. Früher nannten wir das polit-ideologische Arbeit (und viele wussten mit dem Begriff nichts anzufangen).


Und Organisation ist eine feine Sache, wenn man den richtigen Leuten „hinterherläuft“. Richtige gibt’s überall, nur nicht immer an der Spitze.

Sepp Aigner 07/04/2012 22:30



Hallo Alexandra.


Hm ... Mal pauschal drüber: Geduld ist eine Haupttugend für Revolutionäre. Wir können die gefinkeltsten Verrenkungen machen - letzten Endes entscheidet die Arbeiterklasse selbst darüber, ob sie
Veränderung will oder nicht. Da nützen auch SYRIZA-mässige Verrenkungen nichts. Wir sollten uns hüten, vor lauter Verzweiflung Wolkenkuckucksheime zu bauen (etwa "grundlegend erneuerte EU"),
um "besser anzukommen".


Zur heutigenBeschaffenheit der Arbeiterklasse gibt es relativ neue Untersuchungen: Arbeitende Klasse in Deutschland - Macht und Ohnmacht der Lohnarbeiter; E. Lieberam/J. Miehe (HG),
Pahl-Rugenstein; ISBN 978-3-89144-439-9 . Ausserdem empfehle ich alles, was Seppmann zu diesem Thema geschrieben hat.


"Eine Stimme Mehrheit": Geschichtlich ist das schon interessant. Inzwischen kann man auch sehen, wohin die damaligen Befürworter der Auflösung gekommen sind: so manche auf gute Posten, aber
inhaltlich ... Was Feldbauer nicht erwähnt: Ausser den zehntausend, die zur PDS gegangen sind, sind mehr als zwanzigtausend nirgendwohin gegangen, sondern sind (parteimässig) gar nicht mehr
organisiert.


Zur Ausdrucksweise in der Erklärung: ein gutes (oder vielmehr schlechtes) Beispiel für das verzwifelte Festhalten an einer unwiderruflich untergegangenen Phase der Geschichte. M.E. bringt
das nicht vorwärts. Was ich den Genossinnen/Genossen anrechne ist, dass sie sich ihre/unsere Geschichte nicht nehmen lassen. Die brauchen wir noch. Aber von Geschichte allein kann man politisch
nicht leben.



gkb.blogsport.de 06/28/2012 11:55


Ich kann nur versuchen, meinen 'Zentralfehler' einzugrenzen: Er besteht darin, dort halbe Vormittage mit der Abfassung von Argumenten zuzubringen, wo man auf gut-stalinistisch immer erst einmal
nach Namen fragt.

Sepp Aigner 06/28/2012 12:08



"gut stalinistisch": so ein Quatsch !



gkb 06/28/2012 10:29


Leeres Gerede.

Sepp Aigner 06/28/2012 11:20



Dein (Euer) Zentralfehler