Egon Krenz - Aus Anlass des 100. Geburtstags von Erich Honecker

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

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Egon Krenz - Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Erich Honecker

 
 
Egon Krenz - letzter Generalsekretär der SED
Aus Anlaß seines 100. Geburtstages überbieten sich einige Politiker und Historiker mit Negativurteilen über Erich Honecker. Das war erheblich anders zu seinen Lebzeiten, als die Bundesrepublik die DDR noch als ernsthaften Faktor der deutschen und internationalen Politik ins Kalkül zu ziehen hatte. In den siebziger und achtziger Jahren standen bundesdeutsche Politiker Schlange, um einen Besuchstermin bei Honecker zu bekommen.

Ein Foto mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden galt im bundesdeutschen Wahlkampf als Trumpfkarte. CDU, SPD und FDP wetteiferten um den besten Kontakt zu Honecker. Altbundeskanzler Schmidt sah ihn weniger als »Funktionär Moskauer Prägung. Je älter er wurde, desto deutscher wurde sein Empfinden.« Sein Amtsnachfolger Kohl nannte Honecker 1985 einen »Partner, auf den Verlaß ist.« Das war auch die Meinung von Franz-Josef Strauß. Er lobte 1987: »Die Signale aus der DDR für guten Willen, so die Reisegenehmigungen, die Amnestie für Straftäter, die Abschaffung der Todesstrafe, zu der sich nicht einmal Frankreich habe entschließen können, sind verstanden worden. Herr Honecker, Sie haben Wort gehalten.« Bundespräsident Carstens urteilte, Honecker sei nicht nur » Kommunist, sondern auch deutscher Patriot«. Wenn sich Außenminister Genscher mit Honecker beraten wollte, traf er sich seit 1985 regelmäßig mit einem persönlichen Beauftragten des Staats- und Parteichefs. Als Gerhard Schröder noch Oppositionspolitiker war, schrieb er mir über seinen DDR-Aufenthalt 1986: »Die Gespräche waren offen und informativ. Besonders war ich von Erich Honecker beeindruckt.« SPD-Vorsitzender Vogel wünschte dem DDR-Staatsoberhaupt im Frühjahr 1989 viel Kraft, damit er »im Interesse deutsch-deutscher Kontinuität noch lange in seinen Ämtern bleiben kann.« Aktuell wird spekuliert, ob 1989 »Honeckers Traum eine Konföderation zwischen beiden deutschen Staaten« gewesen sei. Mit Fakten belegt ist: Die Konföderation haben jene verhindert, denen die Westintegration der Bundesrepublik wichtiger war als Deutschlands Einheit. Honeckers Traum hingegen blieb bis zu seinem Lebensende der Sozialismus, für den er zehn Jahre in faschistischer Haft war. Keiner der wichtigsten Politiker von Regierungsparteien der alten Bundesrepublik hat wie Honecker am eigenen Leibe das verbrecherische Naziregime durchleiden müssen. Warum ist man nicht fähig, dies auch im vereinten Deutschland anzuerkennen und zu würdigen? Als Honecker 1987 die Bundesrepublik besuchte, schrieb Helmut Schmidt: »Auch wenn wir politisch nie Freunde werden können, laßt uns ihn würdig empfangen.« Von dieser Würde ist derzeit nichts zu spüren. Auch wenig von Wahrheit oder gar Anstand. Wie es bisher kein geschichtlich gerechtes Urteil über die DDR gibt, so fehlt dies auch über das Leben und das Wirken Erich Honeckers.
 
 
Egon Krenz, August 2012

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