Ein antideutscher Kommentar

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Ein Herr Alexander Gauland hat für den Tagesspiegel einen Artikel über militärische Gwalt und Krieg geschrieben, der das Erziehungsziel in schöner Offenheit benennt, das hinter der medialen Bearbeitung der Köpfe steckt. Die Deutschen sollen gesinnungsmässig wieder kriegstüchtig werden. Das Manko, das in dieser Hinsicht noch zu beklagen ist, macht Gauland grösser als es noch ist. Er diagnostiziert einen "diffusen Ganzkörperpazifismus". Diffus ist er allerdings geworden, der "Pazifismus" - der Rückhalt in der Bevölkerung für die Beschwörung, dass von Deutschland nie wieder Krieg ausgehen dürfe. Jede Menge Heuchelei vonseiten der Regierenden ist zwar schon noch nötig. Aber man ist doch schön vorangekommen in den letzten zwanzig Jahren.Die Bundeswehr hält einen Fetzen Afghanistans besetzt, kreuzt vor der afrikanischen Ostküste, ein (?) deutsches Kriegsschiff kreuzt gerade in einem Kriegsgebiet, nämlich vor der syrischen Küste - und kein Mensch regt sich auf. Köhler musste nicht gehen, wie Gauland behauptet, weil er Krieg für wirtschaftliche Interessen legitim genannt hatte, sondern weil er ein wenig vorausgeprescht war. - Noch darf man sowas nicht allzu offen sagen, noch muss die deutsche Kriegslust hinter angeblicher deutscher Friedensliebe versteckt werden, aber eben gerade noch. Hätte sich der Depp seine Bestialität für ein paar Jahre später aufgehoben, hätte er sie aussprechen können, ohne sein Amt zu verlieren.

 

Herr Gauland erzählt nebenbei auch, wozu das einige Europa gut ist. "Die Deutschen tun sich damit besonders schwer, weil sie hinter der militärischen Gewalt immer nur Wilhelm II. und Hitler sehen, während unsere Nachbarn durch Churchill und de Gaulle eine ganz andere Sicht auf diese Ereignisse haben. Es wird deshalb höchste Zeit, dass wir unsere Sichtweise auch hier ein wenig europäisieren."

 

Damit garniert er den Satz, auf den es ankommt: "... dass die Deutschen wieder eine Tatsache der Weltgeschichte akzeptieren lernen, die Bismarck in seiner ersten Regierungserklärung als preußischer Ministerpräsident 1862 in die berühmten Worte fasste: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden ... sondern durch Eisen und Blut.“

 

Das kann ein deutscher Schreiberling im Jahr 2012 wieder in ein Blatt schreiben, das unter Biedermännern als seriös gilt. Und niemand regt sich auf. Blöd wie die Lämmer trotten die "Politikverdrossenen" zwischen Arbeitsplatz und My Home is my Castle hin und her, als ginge der Rest sie nichts an. Blind wie die Lemminge folgen sie den Herrschaften auf dem Kriegskurs und merken es noch nicht einmal. Gauland will mehr. Er will, dass sie es merken. Und dass sie es gut finden. Dazu braucht es nicht mehr viel.

 

1862 war übrigens acht Jahre vor dem ersten grossen Krieg, den das Deutsche Reich vom Zaun brach. Was wird 2020 sein, wenn wir dabei bleiben, dass "der Rest" uns nichts angeht ?

 

Gaulands Gesudel steht übrigens hier: http://www.tagesspiegel.de/meinung/diffuser-pazifismus-militaerische-gewalt-ist-nicht-an-sich-schlecht/6907386-2.html .

 

 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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kucaf 08/22/2012 16:07


 


Hallo Sepp,


eine Konfrontation welche an Schärfe zunimmt, die Kriegstrommel wird kräftig gerührt, das ist nicht nur in den Meinungsmachemedien zu sehen, sondern auch im Internet, besonders in den sogenannten
sozialen Netzwerken. In diesem Zusammenhang macht es Sinn über unsere eigene Stellung zu Kriegen nachzudenken, genauso wie über Pazifismus. Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, soweit wird Clausewitz gern bemüht, allein bleibt offen was
Politik ist und durch welche Interessen sie bestimmt wird. Der Artikel ist eigentlich nicht Antideutsch, eher
Deutschnational, wobei er von der Angst lebt, wiedereinmal bei der Aufteilung der Welt zu spät zu kommen. Dabei ist es dem deutschen Kapital in den letzten Jahrzehnten gut gelungen, seine
Interessen auch ohne eigene Kriege durchzusetzen und eine führende Position in der Welt einzunehmen. Sicher werden mittels Krieg Profite maximiert, nur müssen aus diesem Grund unbedingt selbst Kriege geführt werden, wenn trotzdem an
jedem Krieg fleißig mitverdient werden kann? Die Rüstungsexporte sprechen für sich! Und so verlockend für das deutsche Kapital auch Kriege sein mögen, der Krieg bleibt die Fortsetzung der Politik
mit anderen Mitteln, zur Erreichung von Zielen. Was wenn diese Ziele auch ohne eigene Kriege erreicht werden können? 'Lasset die anderen sich verheizen, ihre Ressourcen erschöpfen, die deutsche
Industrie liefert was gebraucht wird!'


Aber auch wenn selbst in erster Linie nur Präsens gezeigt wird, das Volk muss auf Aggressionskriege im Namen von Freiheit und Demokratie eingeschworen werden, auch Stellvertreterkriege benötigen
eine gewisse Akzeptanz, um sie weiter zu befeuern! Grundsätzlich ist festzustellen, ob nun Krieg als die Fortsetzung von Politik in Anwendung gebracht wird, oder nicht, geht es in solchen
Beiträgen um die Vereinnahmung für fremdes Interessen! Gegenwärtige Kriegspropaganda ist nicht nur die Spitze des Eisberges, sondern hat für Ablenkung von einen anderen Kriegsschauplatz zu sogen, wo der Adressat der Kriegspropaganda der erklärte Feind ist!

Kiat Gorina 08/21/2012 09:10


Die derzeit immer mehr offensochtlich werden Wirtschaftskrise lässt die Falken an ihr vermeintliches Allheilmittel denken - den Krieg. Und da es in Deutschland immer noch Mnschen gibt, die von
einem Krieg nichts halten, wird jetzt die mediale Verblödungsbombe angeworfen, um auch die Deutschen für Kriege zu begeistern.


Ob das auch diesmal so einfach funktioniert, da habe ich meine Zweifel. Auch wenn die meisten Politiker immer noch denken wie einst Adenauer, der 1949 noch sagen konnte: "Der Durchschnittswähler
denkt primitiv und er urteilt auch primitiv." (Peter Köhler: Die schönsten Zitate der Politiker. Humboldt, Hannover 2005, S. 342)


Also sorgen wir gemeinsam dafür, dass dieser "Durchschnittswähler" immer seltener wird!

almabu 08/21/2012 07:15


Wenn im Prinzip seit diesen Bismarck-Zeiten die gleiche Gesellschaftsschicht das Sagen hat in Deutschland, dann braucht sich auch keiner zu wundern, wenn die immer wieder das Gleiche sagen!
Rauben, fressen verdauen und braune Scheisse absondern, eben...

Bernhard T. 08/20/2012 23:16


Vgl. auch Thomas Immanuel Steinberg, Die Bourgeoisie im Originalton: http://www.steinbergrecherche.com/deutschekrieger.htm#Bourgeoisie


 


Beim Begriff "antideutsch" aus der Überschrift ist übrigens Vorsicht
geboten. Die sogenannten "Anti"deutschen sind antimuslimische
Rassisten und Befürworter des zionistischen Terrors gegen die Palästinenser. Sie überziehen ihre Feinde nicht nur mit Antisemitismusvorwürfen, diese Verteidiger imperialistischer
Kriege greifen auch immer wieder Linke physisch an. Tatsächlich versuchen diese antikommunistischen Provokateure, linke und liberale Organisationen zu unterwandern oder zu
zerstören.  

antagonistica84 08/20/2012 18:57


Der gewöhnliche Faschismus in Deutschland verläßt die Deckung und wird


salonfähig.Pazifismus ist nur etwas für friedliebende "Spinner",Blut und Ehre hat


wieder Konjunktur-wie es nicht nur scheint.Gruß Matthias