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Monday, 20. august 2012 1 20 /08 /Aug. /2012 17:40

Ein Herr Alexander Gauland hat für den Tagesspiegel einen Artikel über militärische Gwalt und Krieg geschrieben, der das Erziehungsziel in schöner Offenheit benennt, das hinter der medialen Bearbeitung der Köpfe steckt. Die Deutschen sollen gesinnungsmässig wieder kriegstüchtig werden. Das Manko, das in dieser Hinsicht noch zu beklagen ist, macht Gauland grösser als es noch ist. Er diagnostiziert einen "diffusen Ganzkörperpazifismus". Diffus ist er allerdings geworden, der "Pazifismus" - der Rückhalt in der Bevölkerung für die Beschwörung, dass von Deutschland nie wieder Krieg ausgehen dürfe. Jede Menge Heuchelei vonseiten der Regierenden ist zwar schon noch nötig. Aber man ist doch schön vorangekommen in den letzten zwanzig Jahren.Die Bundeswehr hält einen Fetzen Afghanistans besetzt, kreuzt vor der afrikanischen Ostküste, ein (?) deutsches Kriegsschiff kreuzt gerade in einem Kriegsgebiet, nämlich vor der syrischen Küste - und kein Mensch regt sich auf. Köhler musste nicht gehen, wie Gauland behauptet, weil er Krieg für wirtschaftliche Interessen legitim genannt hatte, sondern weil er ein wenig vorausgeprescht war. - Noch darf man sowas nicht allzu offen sagen, noch muss die deutsche Kriegslust hinter angeblicher deutscher Friedensliebe versteckt werden, aber eben gerade noch. Hätte sich der Depp seine Bestialität für ein paar Jahre später aufgehoben, hätte er sie aussprechen können, ohne sein Amt zu verlieren.

 

Herr Gauland erzählt nebenbei auch, wozu das einige Europa gut ist. "Die Deutschen tun sich damit besonders schwer, weil sie hinter der militärischen Gewalt immer nur Wilhelm II. und Hitler sehen, während unsere Nachbarn durch Churchill und de Gaulle eine ganz andere Sicht auf diese Ereignisse haben. Es wird deshalb höchste Zeit, dass wir unsere Sichtweise auch hier ein wenig europäisieren."

 

Damit garniert er den Satz, auf den es ankommt: "... dass die Deutschen wieder eine Tatsache der Weltgeschichte akzeptieren lernen, die Bismarck in seiner ersten Regierungserklärung als preußischer Ministerpräsident 1862 in die berühmten Worte fasste: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden ... sondern durch Eisen und Blut.“

 

Das kann ein deutscher Schreiberling im Jahr 2012 wieder in ein Blatt schreiben, das unter Biedermännern als seriös gilt. Und niemand regt sich auf. Blöd wie die Lämmer trotten die "Politikverdrossenen" zwischen Arbeitsplatz und My Home is my Castle hin und her, als ginge der Rest sie nichts an. Blind wie die Lemminge folgen sie den Herrschaften auf dem Kriegskurs und merken es noch nicht einmal. Gauland will mehr. Er will, dass sie es merken. Und dass sie es gut finden. Dazu braucht es nicht mehr viel.

 

1862 war übrigens acht Jahre vor dem ersten grossen Krieg, den das Deutsche Reich vom Zaun brach. Was wird 2020 sein, wenn wir dabei bleiben, dass "der Rest" uns nichts angeht ?

 

Gaulands Gesudel steht übrigens hier: http://www.tagesspiegel.de/meinung/diffuser-pazifismus-militaerische-gewalt-ist-nicht-an-sich-schlecht/6907386-2.html .

 

 

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Kultur und Gesellschaft - Community: Kritische Massen
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