Ein möglicher neuer Kriegsschauplatz im Mittleren Osten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Ein nächster Kriegsschauplatz im Mittleren Osten könnte Balutschistan (Belutschistan) werden. Das ist noch so gut wie kein öffentliches Thema. Aber es liegt in der Logik der imperialistischen Einmischungspolitik in der Region.

 

Die pakistanische Provinz Balutschisten grenzt im Westen an den Iran, im Norden an Afghanistan. Die blosse geographische Lage prädestiniert den Landstrich, der nicht sehr viel kleiner als Afghanistan ist, als potentielles Objekt fremder Interessen. Dazu kommt, dass die Balutschen in drei verschiedenen Staaten leben - Pakistan, Iran und Afghanistan. Für die Instrumentalisierung durch ausländische Mächte finden sich Ansatzpunkte in der Lage der Bevölkerung. Das heruntergekommene pakistanische Staatswesen vernachlässigt diesen Landesteil, setzt bei der Eindämmung der Unzufriedenheit auf Gewalt und Willkür und treibt damit den Clan-Führern in Balutschistan, die ihre Stellung mit Opposition gegen die staatliche Einheit Pakistans zu stärken versuchen, ihren Massenanhang zu. Die Forderungen nach Gleichberechtigung im pakistanischen Staatsverband im Rahmen einer Autonomie schlagen immer mehr um in die Forderung nach "Unabhängigkeit". Im Untergrund operierende bewaffnete Organisationen gehen mit Methoden des individuellen Terrors gegen nicht-balutschische Bürger vor. Die pakistanische Staatsmacht antwortet ihrerseits mit Terror.

 

Eine "Ethnisierung" der inneren Konflikte ist für ausländische Einmichung das naheliegende Mittel, um Chaos und Zerstörung anzurichten und eine solche Lage dann zu nutzen, um offen einzugreifen. "Material" für eine solche Taktik findet sich inder Tatsache, dass es sich bei der Hälfte der Bevölkerung nicht um Balutschen handelt, sondern um Paschtunen und andere.

 

In Balutschistan überkreuzen sich unterschiedliche ausländische Interessen.

 

Dem Iran ist an einer befriedeten Nachbarschaft gelegen. Eine Erdölleitung nach Pakistan würde die Abhängigkeit des Iran vom Öl-Weltmarkt  verringern. Unruhen und ausländische Intervention sind nicht nur eine Gefahr, weil ein vom imperialistischen Ausland beherrschtes "unabhängiges" Balutschistan eine weitere feindliche Nachbarschaft wäre, sondern weil "ethnisch"-nationalistische Verhetzung auch auf das eigene Staatsgebiet, im Osten - von Balutschen besiedelte Gegenden - übergreifen könnte. 

 

Indien, das angeblich die Unruhe in Baluschistan schürt und baschtunische Freischärler und Terrorgruppen ausbildet, könnte im Erfolgsfall den alten Rivalen Pakistan entscheidend schwächen. Die Einmischung in Balutschistan ist auch eine Gelegenheit, sich dafür zu rächen, dass Pakistan seinerseits jahrzehntelang den Seperatismus im indischen Kaschmir befördert und organisiert hat. - Fernwirkungen der britischen Grenzziehung beim Rauswurf der Kolonialmacht aus dem indischen Subkontinent, die genau darauf gerichtet war, die unabhängig gewordenen Kolonialgebiete in einander feindliche Teile aufzuspalten und die dadurch zu erwartenden Konflikte für weitere Einmischung auszunutzen. 

 

Für die USA und die westeuropäischen imperialistischen Mächte ist Balutschistan ein möglicher weiterer "Unruheherd" in der Region, der Gelegenheit zu "Befriedung" und "Nation Building" bietet. Ein abhängiges "unabhängiges" Balutschistan könnte als Einfallstor für die weitere Einmischung in Afghanistan vom Süden her dienen, selbst wenn die Besetzung Afghanistans aufegegeben werden muss. Und man stände in Balutschistan direkt an der Grenze des Iran. Im übrigen ist Balutschistan reich an Bodenschätzen, die über das Arabische Meer leicht abtransportiert werden könnten,  

 

Diese Karte veranschaulicht die Möglichkeiten: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Major_ethnic_groups_of_Pakistan_in_1980.jpg&filetimestamp=20100102153211

 

In einem Artikel in der NZZ heisst es dazu: "Im Februar dieses Jahres ist der Konflikt kurz ... ins Rampenlicht gerückt, als der amerikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher eine Resolution vor den Kongress brachte, in der Pakistan aufgerufen wurde, das Selbstbestimmungsrecht der Baluchen zu respektieren." - Das ist ein Hinweis darauf, dass es sich beim "Joker Balutschistan" nicht nur um eine theoretische Möglichkeit handelt, der gelegentlich gezeigt wird, um Pakistan unter Druck zu setzen, sondern dass es sich um eine bereits praktische Politik handelt, die bisher nur in der "Low-Intensity"-Variante betrieben wird.

 

Die NZZ hat zu Balutschistan einen längeren Artikel gebracht,aus dem das obige Zitat stammt:

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/pakistans-vergessener-krieg_1.16865100.html . Wenn sich solche Artikel häufen, wenn in den imperialistischen Medien die furchtbare Menschenrechtslage in Belutschistan Tagesthema wird, werden wir wissen: Ende der "Low-Intensity"-Phase, Beginn eines neuen "Menschenrechts"-Krieges.

 

Ob es dazu kommt, ist wahrscheinlich noch nicht ausgemacht. Pakistan zu zerstören, will gut überlegt sein. Aber wenn Balutschistan "zum Thema" wird, wird es um diese Hintergründe gehen, und die Konsumenten der Boureois-Medien täten gut daran, sich nicht schon wieder mit Menschenrechts-Sprüchen verarschen zu lassen. 

 

 

Veröffentlicht in Naher-Mittlerer Osten

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