Ein Verbot, das nicht viel verbietet

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Gestern waren die Medien voll von der juengsten Massnahme der deutschen Regierung, die die wildesten Exzesse der Spekulation eindaemmen sollen - das Verbot bestimmter. Leerverkaeufe.

 

Leerverkaeufe sind Wetten auf die Kurs-/Preisentwicklung von Aktien, Versicherungspraemien, Rohstoffen etc. . Sie loesen mit relativ wenig Kapitaleinsatz unverhaeltnismaessig grosse Kurs-/Preisbewegungen aus und destabiliseren damit die Kapitalmaerkte.

 

 Die Aufregung ueber die deutschen Massnahmen reichte bis in die "hohe internationale Politik". Z. B. aeusserte die franzoesische Wirtschaftsministerin offen ihr Missfallen. Sie kritisierte den deutschen Alleingang und versicherte Frankreich werde das nicht nachahmen. Das Verbot beeinflusste gestern wohl tatsaechlich einige Kapitalmarktpreise. Der Kurs einiger Schuldenpapiere von Euro-Staaten stieg etwas an, deren CDS (Kreditausfallversicherung) sank und der Euro stieg gegenueber dem Dollar scharf an - in der Spitze um 2,5 %. ( Die Wirkung duerfte aber nicht lange anhalten.)

 

Es ist viel Aufregung um wenig. Es handelt sich nicht um ein allgemeines Verbot der das Finanzchaos verstaerkenden Leerverkaeufe, sondern um ein hoechst selektives.

 

- Untersagt sind ungedeckte Leerverkaufe von Staatsanleihen der Euro-Zone; Leerverkaeufe von CDS auf Papiere von Euro-Staaten werden eingeschraenkt. (Ungedeckte Leerverkaeufe: Dabei handeln die die Spekulanten mit Papieren, die sie gar nicht besitzen; bei gedeckten Leerverkaeufen handeln sie mit Papieren, die sie kurzfristig ausgeliehen haben.)

 

- Die "Marktmacher" sind ausgenommen. (Die grossen Banken, die Neuemissionen von staatlichen Schuldenpapieren in den Markt einfuehren.)

 

- Das Verbot gilt bei Aktien nur fuer die von Allianz, Deutscher Bank, Postbank, Muenchener Rueck, Areal Bank, Deutsche Boerse, Commerzbank, Hannover Rueck, Generali Deutschland und MLP.

 

- Das Verbot ist zeitlich befristet auf den 31. Maerz 2011 und wird zwischendurch "staendig ueberprueft", also moeglicherweise zu einem frueheren Zeitpunkt wieder aufgehoben.

 

- Die Massnahme ist ueberhaupt nicht neu. Bis Januar hatte eineinhalb Jahre lang bereits ein Verbot bestimmmter Leerverkaeufe bestanden. In den USA sind ungedeckte Leerverkaeufe bereits verboten (praktisch: eingeschraenkt; zeitliche Befristung der Kontrakttermine auf vier Tage.)

 

- Die Masse der Spekulationsgeschaefte mit Leerverkaeufen wird von Hedge-Fonds betrieben. 80 % der europaeischen Hedge-Fonds haben ihren Sitz aber nicht in Deutschland, sondern in London. Der groesste Teil dieser Geschaefte wird in London und New York abgewickelt, so dass ein deutsches Verbot fuer sie nicht gilt.

 

Die Financial Times Deutschland kommentierte gestern so:

 

"Eigentlich duerfte man das von Berlin hastig beschlossene Verbot ungedeckter Leerverkaeufe ungedeckter CDS gar nicht ernst nehmen, noch nicht einmal ignorieren. Es ist so offensichtlich das Resultat eines politischen Kuhhandels, ein Beruhigungskeks fuer die parlaementarische Galerie, dass man sich ueber Sinn und Unsinn gar nicht den Kopf zerbrechen muesste. Schliesslich wird etwas verboten, was es hierzulande ohnehin so gut wie gar nicht gibt."

 

Geht das alles die "kleinen Leute" etwas an ?

 

Nein, nichts. Das Theater mit dem Titel "Wir kriegen die Krise in den Griff" ist ein Propagandavorhang, hinter dem die wirklichen und einschneidenden Massnahmen gegen die Masse der Bevoelkerung ausbaldowert werden: Absenkung der Loehne und Altersrenten, Erhoehung der Massensteuern, Verschlechterung des Arbeitsrechts, finanzielle Austrocknung der Gemeinden (und damit deren Leistungseinschraenkung und Preiserhoehungen fuer kommunale Dienstleistungen).

 

"Wir zahlen nicht fuer euere Krise !" heisst eine Parole. Die Idee ist gut. Aber sie wird nur Wirklichkeit, wenn sie mit einem regelrechten Aufstand erzwungen wird. Wenn das nicht passiert, wird eine andere Parole realisiert werden: "Wir machen die Krise - und lassen sie euch bezahlen !"

 

 

Veröffentlicht in Weltwirtschaftskrise

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