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Monday, 28. may 2012 1 28 /05 /Mai /2012 10:42

 

 

Die Tarifrunde bei Telecom ist gelaufen. Einmal mehr bestätigt sich, dass es für bessere Ergebnisse notwendig ist, dass sich die Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen und ihre Vertrauensleute mehr Einfluss auf die Verhandlungen erkämpfen. Maulen hilft nichts. Die Gewerkschaftsführungen und Tarifkommissionen müssen an die Kandare der Mitglieder gelegt werden. 

 

Hier eine Einschätzung der Ergebnisse in der DKP-Zeitung UZ:

 

 

Positives und Gründe zur Verärgerung
Einschätzung der Tarifrunde bei Telekom
Deutschland und den Service-GmbH

Die Tarifverhandlungen für die etwa 90 000 Beschäftigten der Telekom sind im Wesentlichen beendet. Davon, dass die "Kaufkraft der Beschäftigten deutlich gestärkt" wurde, wie von ver.di eingeschätzt wird, kann nicht die Rede sein. Für die DTAG (Konzernzentrale) und Telekom Deutschland und den Service-GmbH liegen Ergebnisse vor. Für T-Systems wird eine Einigung im Rahmen der vorliegenden Ergebnisse erwartet. Der Abschluss hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Er sieht nach drei Nullmonaten drei Erhöhungen vor: ab Mai 2,3 %, ab Januar und August 2013 jeweils je 2,1 %. Die Löhne u. a. der Callcenter-Beschäftigten in den unteren Entgeltgruppen 1 und 2 steigen zum 1. Februar 2012 um 3 % überproportional. Betroffen sind etwa 6 000 KollegInnen - vor allem Nachwuchskräfte. Für die Beschäftigten in den Technikzentren wurde zum 1. Februar 2012 eine Erhöhung um 3,6 % vereinbart, was aber mit dem Wegfall einer Bestandssicherung von 2,17 % aus der Tarifauseinandersetzung 2008 zusammenfällt.

 

Das Ziel, die variablen Entgeltbestandteile zu "entschärfen" wurde über Sicherungsregelungen erreicht. In diesem Jahr sind zwischen 88 % und 96 % (in Abhängigkeit vom variablen Anteil von 30 %-10 %) des Jahreszielentgeltes gesichert. Ab Januar 2013 beträgt die Sicherung 94 %-98 %. Nachwuchskräfte mit abgesenkten Einstiegsgehältern ("Beschäftigungsbrücke"), die nicht von der Erhöhung der Entgeltgruppen 1 und 2 profitieren, erhalten in mehreren Stufen eine Einmalzahlung von 400 Euro. Die unterschiedliche Bezahlung von kaufmännischen und technischen Auszubildenden (Entgelt-Cluster) wird schrittweise abgeschafft.

 

Die Abschaffung der Cluster, die Abfederung der "Beschäftigungsbrücke" sowie die überproportionale Anhebung der EG 1 und 2 und die Sicherung der Variablen sind positiv. Es wurden Ziele der tarifpolitischen Konferenz in Fulda 2012 teilweise erreicht. Positiv ist, dass Versuche der Kapitalseite, eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit als Kompensation ins Spiel zu bringen, abgewehrt wurden.

 

Für Verärgerung sorgte die Fachbereichsleitung als es um die Entscheidungsfindung über die Verhandlungs-/Schlichtungsergebnisse ging: Keine substanziellen Informationen aus Verhandlungs-/Sondierungsrunden. Gewerkschaftsbasis und Vertrauensleute hatten keine Möglichkeit, auf Entscheidungen der Großen Tarifkommission Einfluss zu nehmen. Das Bedürfnis der Vertrauensleute, "zu wissen, was passiert" und die Entwicklung mit zu bestimmen, wurde durch diese Art von Stellvertreterpolitik missachtet.

 

Dabei war die Tarifrunde 2012 in vielen Bereichen von hoher Konfliktbereitschaft der Beschäftigten geprägt. In Betrieben, die früher nicht in Tarifauseinandersetzungen einbezogen waren, wurde die Mobilisierungsfähigkeit gesteigert. Die Kolleginnen und Kollegen sind angesichts der unverschämten Ausschüttungen an die Eigentümer (3,4 Milliarden Euro) zunehmend bereit, für ihre Forderungen aktiv zu werden. Solidaritätsaktionen bei T-Mobile USA während des Arbeitskampfes trugen dazu bei.

Es gibt aber immer noch Bereiche, die in Sachen Arbeitskampffähigkeit und Organisationsgrad weiße Flecken sind. Die Einbeziehung der Beschäftigten in Arbeitskämpfe, das haben die Warnstreiks gezeigt, bietet hierfür gute Ansatzpunkte.

 

Neben dem Angehen weißer Flecken stehen weitere Themen auf der Tagesordnung: Eine Tarifpolitik, die ihren Schwerpunkt nicht auf Verhandlungen, Sondierungen und Schlichtung legt, sondern offensiv und konfliktbereit die Forderungen durchsetzt. Eine Verhandlungsführung, die Positionen und Verhandlungsstände transparent macht und die Vertrauensleute kontinuierlich in die Entscheidungen einbezieht. Eine Forderungsdiskussion, die sich an den Bedürfnissen der Mitglieder und den volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten aus Sicht der Lohnabhängigen orientiert.

 

Nach Abschluss der Tarifrunde haben viele ver.di-Mitglieder Frust über die materielle Höhe des Ergebnisses, aber auch über das Zustandekommen. Eine intensive Auswertung der Tarifrunde im Betrieb kann die Aktions- und Konfliktfähigkeit durch die Stärkung und Qualifizierung der Vertrauensleutearbeit erreichen. Die gibt es aber nicht zum Nulltarif, sondern durch eine bessere Einbindung der betrieblichen Ebene vor Abschluss von Tarifverträgen. Vor Ort muss verständlicher Frust in eine Diskussion nach einer stärkeren Rolle der Vertrauensleute bei Tarifverhandlungen umgewandelt werden.

 

Yvonne Schuld

 

Quelle: http://www.dkp-online.de/uz/aktuell/

 

 

von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Deutschland - Community: Kritische Massen
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