Eine kommunistische Gedenkveranstaltung mit aktuellen Bezügen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Im Februar fand in Berlin eine wissenschaftliche Tagung, bei der es um das Werk und die Bedeutung von Prof. Hans Heinz Holz ging. Unvermeidlich ging es dabei auch um das "kommunistische Profil" von heute. Bemerkenswert war der Kreis der Veranstalter: die DKP-Bezirksorganisationen Berlin und Ruhr-Westfalen und die Redaktionen von junge welt und Rotfuchs.

 

Hier eine Zusammenfassung der Veranstaltung aus der Sicht von Dr. Robert Steigerwald, die in der zentralen DKP-Zeitung Unsere Zeit erschienen ist:

Gedenken an Hans Heinz Holz

Wissenschaftlich-politische Tagung in Berlin

 

In: unsere zeit vom 09. März 2012

 

 

 

Am 25. Februar fand in Berlin, einberufen von den DKP-Bezirksorganisationen Berlin und Ruhr Westfalen, den Redaktionen der "Jungen Welt" und des "Rotfuchs", eine wissenschaftlich-politische Tagung statt. Die war ursprünglich als Feier für den 85. Geburtstag von Hans Heinz Holz gedacht, der an diesem Tag gewesen wäre. Doch ist Hans Heinz Holz bereits am 11. 12. vergangenen Jahres nach schwerer Krankheit gestorben. So wurde die Veranstaltung eine, die postum dem Werk und der Person von Hans Heinz Holz gewidmet war, ohne deshalb in einen "Trauergottesdienst" zu entarten.

 

Anwesend waren die beiden Mitglieder des Sekretariats des Parteivorstands der DKP Wera Richter und - ohnehin als Mitveranstalter - Patrik Köbele, dazu weitere DKP-Parteivorstandsmitglieder. Unter den etwa zweihundert Besuchern und Gästen befanden sich u. a. Gretchen Binus, Hermann Klenner, Erich Hahn, Heinz Karl, Lothar Berthold und viele andere Genossinnen und Genossen insbesondere aus dem Spektrum des "Rotfuchs." Nach einleitenden, nicht nur begrüßenden, Worten des Vorsitzenden des Berliner DKP-Bezirks Rainer Perschewski und des stellvertretenden DKP-Parteivorsitzenden Patrik Köbele trug HansPeter Brenner das erste der beiden Hauptreferate vor. In sechs Punkten aufgegliedert zeigte er die Übereinstimmung von Leninismus im Wirken von Hans Heinz Holz, wandte er sich gegen Versuche, eine Art Allerweltsmarxismus als Grundlage für ein "pluralistisches" Parteikonzept zu schmieden, ging er auf die Aktivitäten von Holz bei der Erarbeitung programmatischer Grundlagen der DKP ein und verband dies, nach der Zurückweisung "linker" Angriffe auf die DKP mit Kritik an "Thesen" der alten Parteiführung, in denen er Elemente der Abkehr vom Parteiprogramm sah, auf welchem Weg aber die Partei nicht gefolgt sei.

 

Anschließend sprach Wolfram Triller vor allem zum Thema des Zusammenführens des kommunistischen Potentials. An Stelle des erkrankten Martin Balzer gab Alfred Noll einen Überblick über das publizistische Werk von Hans Heinz Holz. Nach der Mittagspause folgte dann das zweite Hauptreferat des italienischen Genossen Domenico Losurdo. Es gibt in unserem Land nicht allzu viele Gelehrte, die sich so gut auskennen in der deutschen Kultur wie er und so konnte er, aus dem Vollen schöpfend, von Hegel ausgehend, mit ideologischer Wirrnis abrechnen: Mit der Beweihräucherung bourgeoiser, rassistischer, kolonialistischer Barbarei namens der Demokratie von Tocqueville bis hin zu Habermas oder mit der Bemäntelung imperialistischer Raubkriege durch Menschenrechts-Demagogie. Es folgten Darlegungen Arnold Schölzels zum Thema Einheit und Widerspruch, sich damit den letzten (fünf) umfangreichen philosophischen Arbeiten von Hans Heinz Holz zuwendend.

 

Danach ging es in eine einstündige Diskussion, sie wurde eingeleitet durch eine beeindruckende Grußansprache eines türkischen Genossen und einen Grußbrief aus Kuba. In dieser Diskussion gab es Probleme, als von Teilnehmern der KPD (des Ostens) eine Begrüßung benutzt wurde, um in deutlicher Abgrenzung von der DKP Hans Heinz Holz vor den KPD-Karren zu spannen. Dies wurde insbesondere durch Patrik Köbele und Hans-Peter Brenner deutlich zurückgewiesen und klar festgestellt: Es werde für die DKP kein Zurück hinter das Parteiprogramm von 2006 geben, das mit großer Mehrheit von einem Parteitag angenommen worden war, und es werde auch nicht abgewichen von der grundlegenden Einschätzung des XX. Parteitags der KPdSU. Es wurde darauf hingewiesen, dass sich alle wesentlichen Punkte, mit denen die KPD versucht, die DKP zu ersetzen, exakt im Parteiprogramm der DKP befinden. Also sei zu fragen, was diese Vorgehensweise bewirken soll? Mit Einigung der Kommunisten habe das doch nichts zu tun. Schließlich sei auch die DKP, anders als die KPD (Ost), nicht erst im Ergebnis der Konterrevolution entstanden, sondern konnte und kann in ihrer Kontinuität weiterwirken. Klaus Steiniger hielt das - recht persönlich gehaltene Schlusswort. Klaus Lindner trug Lieder von Eisler, Weill und Kreisler vor. Abschließend wurde einiges an Filmmaterial zu Leben und Lehre von Hans Heinz Holz vorgeführt. Wir haben eine sehr gute, interessante Veranstaltung erlebt.

 

Robert Steigerwald





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I
<br /> Das hat schon ein Geschmäckle!<br /> <br /> <br /> http://kritische-massen.over-blog.de/article-kommunisten-und-moral-und-stalin-67302912.html<br /> <br /> <br /> Und hier die Antwort:<br /> <br /> <br /> http://dkp-owl.de/sites/default/files/Gossweiler%20Dreigestirn_0.pdf<br />
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S
<br /> <br /> Die Rotfüchse haben kürzlich ihre Haltung zur Frage der kommunistischen Einheit konkretisiert. Wenn das in die Praxis umgesetzt wird, ist das eine bedeutende Änderung. - http://kritische-massen.over-blog.de/article-kommunisten-in-deutschland-einigung-mit-dem-ziel-der-vereinigung-91078028.html .<br /> <br /> <br /> <br />
H
<br /> Lieber Sepp!<br /> <br /> <br /> Sicherlich würde sich Robert über die Berufung freuen, aber er ist kein Professor. Ich gönne ihm den Titel, jedoch sich selbst zu ernennen, das wäre nicht seine Sache. Dr. Robert Steigerwald<br /> reicht ihm.<br /> <br /> <br /> Herzlichst<br /> <br /> <br /> Herbert<br /> <br /> <br />  <br />
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S
<br /> <br /> Danke für die Korrektur. Wird genändert.<br /> <br /> <br /> <br />