Eine Rede auf dem 20. Parteitag der DKP

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Hans-Peter Brenner ist auf dem 20. DKP-Parteitag zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden gewählt worden. In seiner Rede vor den Delegierten sprach er über die Geschichte der Partei und das, was sie auch heute ausmacht.

 

Die DKP ein zerstrittener kleiner Rest einer einstmals grossen und einflussreichen Partei ? Ein auslaufender Posten, der mit den altgewordenen Genossinnen und Genossen untergehen wird ? Eine kommunistische Kleinorganisation unter vielen ?

 

Das befürchten die einen, und die anderen erhoffen es. - Gemach ! Die Kommunisten in Deutschland hatten im Lauf ihrer Geschichte, die mit dem Bund der Kommunisten von 1848 und Marx und Engels begann, viele Höhen und Tiefen. Die Partei hat alle Tiefen überlebt. Und heute ist nach einem quälenden Zeitraum von fast einem Vierteljahrhundert, von 1990 angerechnet. in dem die DKP stagnierte und immer noch ein wenig schwächer wurde, mit dem 20. Parteitag wahrscheinlich ein Wendepunkt erreicht. Der zeitweise dominierende Einfluss der Gruppe um Leo Mayer ist gebrochen und damit die Entwicklung zu einer x-beliebigen "linken Partei" gestoppt. Die DKP besinnt sich auf ihre Wurzeln - aber nicht in dogmatischer Nostalgie, sondern in "geistiger Frische", den heutigen Problemen des Klassenkampfs zugewandt.

 

Hier die Rede vonHans-Peter Brenner, die davon einen guten Eindruck vermittelt:

 

 

Diskussionsbeitrag 20. Parteitag der DKP

 

 

 

Liebe Genossinnen und Genossen !

 

Ich bin von Beruf Diplompsychologe und Psychotherapeut, verdi- Beauftragter des größten Berufsverbands ärztlicher und psychologischer Psychotherapeuten –bvvp, als solcher Mitglied der verdi Bundeskommission Psychotherapie, der verdi Bundeskommission Solo-Selbstständige und Mitglied der Vertreterversammlung der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz.

 

Ich werde aber weder über

-Gesundheitspolitik

-Klimapolitik

-Energiepolitik

-den Papst-Rücktritt und das von BILD geschürte Spektakel, dass „Wir nicht mehr Papst sind" sprechen.

 

Ich spreche über uns –unsere Partei, unsere Chancen und unsere Befindlichkeit.

 

Am Rande der LLL-Veranstaltung kam eine Genossin auf mich zu und fragte besorgt: „ Wird es die DKP nach dem Parteitag noch geben?"   Am nächsten Tag vor dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfeld kam ein älterer Berliner Genosse auf mich zu und sagte: „Ich habe Prostatakrebs. Ich will aber noch erleben, dass die DKP wieder eine echte KP wird."

 

Beides hat mich rat- und etwas sprachlos gemacht. Ich ärgere mich, dass ich nicht mehr als den blöden Beckenbauer-Spruch „Schaun´n wir mal." parat hatte. Ich hätte beiden sagen müssen:

 

„Warum besorgt Ihr Euch so? Die DKP war, ist und bleibt eine KP mit einem knallroten „K".

DAS wird der Parteitag klar ausdrücken.

Die DKP hat nicht nur eine ruhmreiche Historie.

Die DKP hat ein aktuelles marxistisch-leninistisches Programm.

Sie gründet sich auf und arbeitet weiter an der Theorie von Marx, Engels und Lenin. Das ist hochaktuell.

 

Ich habe hier die Titelseite des Handelsblatt vom 12.10.12 mit dem Portrait von K. Marx.

Hier, im Organ des Finanzkapitals wird er als der wichtigste klassische Theoretiker zum Verständnis der Krise des Finanzkapitalismus vorgestellt. Das wichtigste klassische ökonomische Werk sei das Marxscshe „Kapital".

 

Und hier habe ich eine ganze Seite aus der Süddeutschen Zeitung mit dem Marx-Kopf vom 21. September letzten Jahres.Dort diskutierten im Rahmen einer Serie der SZ über die „Krise des Kapitalismus" die prominenten Journalisten Franziska Augstein und der Wirtschaftsredakteur der SZ ,Nikolaus Piper, über die Bedeutung von Karl Marx. Sie bestätigt seine Aktualität nicht nur als Ökonom.Er gab ihr in Sachen Ökonomie Recht bestritt – wenig überraschend- aber seine politische Bedeutung.

 

Wenn man das sieht und die mittlerweile über 25 weiteren Beiträge zur „System"-Serie in der SZ , dann kann man doch nicht anders als zu sagen:

Der Marxismus-Leninismus ist so aktuell wie kaum in den letzten Jahren.

Wie kann man dann - wie eben Kerem Schamberger - von Marxismus-Leninismus nur noch als Ausdruck von „Schematismus und Orthodoxie" reden?

Wer das tut hat entweder keine Ahnung und hat den ML nicht wirklich studiert oder er ist ein politischer Dummkopf.

 

Der ML dogmatisch??

 

Ich habe bei HH Holz und W. Jantzen über die marxistische Persönlichkeitstheorie promoviert.Genauer über „Marxistische Persönlichkeitstheorie und die ´biopsychosoziale Einheit Mensch`. Studie zur Entwicklung des Menschenbildes in der DDR."

Dieser so angeblich dogmatische ML hat in der Akademie der Wissenschaften der DDR und an der Humboldt Universität in zwei grandiosen wissenschaftlichen Projekten zu einem enormen Schub in der marxistischen Persönlichkeitstheorie geführt.

Sie erlaubt uns mit dem biopsychosozialen Konzept – natürlich in individueller Ausprägung und Unterschiedlichkeit –zum Beispiel viel besser Krankheiten und auch psychische Störungen in ihrem biologischen, sozialen und psychischen Zusammenhang zu erklären.Die marxistisch-leninistischen Psychologie in der UdSSR und der DDR hat auch die westliche „kritische Psychologie" von Klaus Holzkamp wesentlich inspiriert.

Und ich erinnere an andere großartige wissenschaftliche Leistungen in den sozialistischen Ländern auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, der Weltraumforschung und auch der politischen Ökonomie.

 

Der ML „dogmatisch"?

 

Wer das behauptet hat keine Ahnung, wovon er redet. Und wenn Ellen Weber hier eben davon sprach, dass wir so "dogmatisch" gewesen seien von einer „Unumkehrbarkeit" des weltweiten Marsches zum Sozialismus zu reden, dann sage ich nur folgendes.

„Du hast mich damals als Hauptamtlichen des Bezirks Rheinland-Westfalen für Friedens- und Bündnispolitik angeleitet.

Hatten wir nicht Grund zum Optimismus?

Hatten wir nicht die Siege in Vietnam, die positiven Entwicklung in Angola, Mocambique, Äthiopien und den Sieg der Nelkenrevolution in Portugal sowie die grandiose Entwicklung in Kuba.

Gab es nicht realen Grund für diesen Zukunftsoptimismus?

Du kannst sagen, dass das mit einem Schuss kindlicher Naivität verbunden war.

Aber was hat das mit „Dogmatismus des ML" zu tun? Gar nichts."

 

Die DKP ist die kleine, aber revolutionäre und unverzichtbare Partei der Arbeiterklasse dieses Landes:

Sie ist eine Partei mit einer heroischen Vergangenheit und sie hat eine Zukunft.

Wir stammen ab vom Bund der Kommunisten von Karl Marx und Friedrich Engels.

Wir wurzeln in der revolutionären Sozialdemokratie von A. Bebel, W. Liebknecht, R. Luxemburg und K. Liebknecht.

Wir kommen aus der revolutionären Weimarer KPD von E. Thälmann, C. Zetkin, W. Pieck. Wir kommen aus dieser kommunistischen Partei des Widerstands mit den meisten Opfern im Kampf gegen den Hitlerfaschismus.

Wir waren politischer Teil und Begleiter der Partei der antifaschistischen Neuordnung und des sozialistischen Aufbaus im Osten Deutschlands mit W. Pieck, W. Ulbricht, E. Honecker, W. Lambertz, O. Grotewohl.

Wir waren, sind und wir werden bleiben: Partei des Kampfes gegen die Restauration des Kapitalismus und Militarismus im Westen unter Max Reimann, Jupp Schleifstein, Emil Carlebach, Peter Gingold, Herbert Mies . nach 1945.

Wir sind die Partei der Aufarbeitung der gemeinsamen Niederlage der Kommunisten östlich und westlich der Elbe in 1989/90.

Wir existieren seit 1848; wir sind nicht verschwunden in den Jahren der Verbote und Illegalität 1879-1891, 1933-1945 und 1956-1968 und auch nicht nach 1989 wie SED und SEW.

 

Wir sind da; wir haben eine Zukunft als eigenständige autonome KP.

 

Neben uns gibt es andere Linke.

Na und?

Im „Manifest" analysierten Marx und Engels die damals vorhandenen sozialistischen Kräfte: feudale Sozialisten, bürgerliche Sozialisten und demokratische Sozialisten.

F. Engels schrieb in den „Grundsätzen des Kommunismus, dem Vorläufer des „Manifest", eine lange Passage über die Unterschiede zwischen Kommunisten und „demokratischen Sozialisten".

Das ist alles absolut nicht neu.

 

Wenn 300 Mitglieder des Bundes der Kommunisten so klar und deutlich betonen konnten, was sie selbst sind und was andere Linke sind, warum sollten 10mal so viele DKP Mitglieder heute das nicht auch können?

Wir sind Kommunisten, keine linken Sozialdemokraten, keine demokratischen Sozialisten.

Wir beherrschen die Dialektik von Reform und Revolution. Wir sind keine Reformisten.

Wir reden nicht von „Transformation" des Kapitalismus.

Wir arbeiten für den „revolutionären Bruch" mit diesem System.

Wir sagen: Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen! Bruch mit der Herrschaft der Bourgeoisie!

Wir sind Partei des proletarischen Internationalismus. Wir stehen in der Traditionen der Marxschen Internationalen Arbeiterassoziation und der Leninschen und Dimitroffschen Komintern.

 

Wir brauche nicht Unterschlupf zu suchen in einer linkssozialdemokratisch beherrschten „EL".

Wir können das zwar beobachten- aber mehr auch nicht.

Wir sind Kommunisten. Wir kooperieren natürlich mit allen Linken und Fortschrittskräften. Wir schotten uns nicht ab.

 

Aber natürlich muss Vorrang haben die Wiederbelebung und Stärkung des Zusammenhangs mit den Kommunistischen Parteien und revolutionären Arbeiterparteien, die mit uns gemeinsam den ML als Grundlage haben, den wir studieren, verteidigen und weiterentwickeln müssen.

Deshalb sind wir solidarisch mit der KKE in Griechenland und der PCP in Portugal.

Wir sind die Partei der Jugend und der Frauen.

Wir sind verbunden mit dem revolutionären Jugendverband SDAJ.

 

Das sind wir. Das wollen wir. Das ist die deutsche Kommunistische Partei.

 

Vielen Dank.

 

 

Veröffentlicht in Kommunisten

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andreas 04/04/2013 19:52


Werde ich machen 

andreas 04/03/2013 19:33


Ein modernisierter Internetauftritt - das ist ein Wort!


Interessant wäre auch noch ein "integrierter" Twitter- und Youtube-Account.


Auf "multimedialen Terrain" hat die DKP meiner Meinung nach einiges aufzuholen....


Die Mayerseite fliegt aus den Lesezeichen - und https://twitter.com/DKPinfo auch.

Sepp Aigner 04/04/2013 11:04



"Auf "multimedialen Terrain" hat die DKP meiner Meinung nach einiges aufzuholen...." So ist es. Twitter und Youtube: Mail doch mal an den PV. Unser neuer Sekretär für Offentlichkeitsarbeit
ist Manne Grüss.



retmarut 04/03/2013 14:42


"Marx Reimann" - Nicht jeder Kommunist muss gleich Marx heißen, erst recht nicht mit Vornamen. ;)


Belassen wir es also beim uns allen geläufigeren Max Reimann.


 


PS: Mir unverständlich, warum Redemanuskripte vor Veröffentlichung nicht noch einmal auf Fehler korrekturgelesen werden. Das scheint in linken Kreisen leider
mittlerweile ja gängige Praxis zu sein. Oder sind das bereits Auswirkungen der Twitterisierung und Facebookisierung, also der Geringschätzung des geschriebenen Wortes?

Sepp Aigner 04/03/2013 18:27



Danke für den Hinweis, ich schau gleich nach. Ich hatte das Manuskript vor Veröffentlichung gelesen, den Tippfehler aber überlesen. Mein Fehler in dem Fall, weil die Erstveröffentlichung hier in
meinem Blog steht. 



andreas 04/03/2013 12:59


Danke! DAS wollte ich hören! 


 


Wie geht es denn mit Herrn Mayer weiter?


http://kommunisten.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3990:die-dkp-als-arbeitgeber-buergerlicher-tendenzbetrieb&catid=109:20-parteitag-2013&Itemid=272

Sepp Aigner 04/03/2013 18:25



MM-Mayer-Seite: Es scheint, sie haben die Site definitiv geklaut. Es steht wohl nicht dafür, mit den Herren jetzt eine juristische Auseinandersetzung zu führen. Der gute Aspekt daran ist,
dass das jetzt auch offiziell eine Fraktionsplattform ist. Das schafft Klarheit.


Ein modernisierter Internet-Auftritt der Partei ist in Vorbereitung.