Elfenbeinküste:Die "Weltgemeinschaft" hat Quattara zum Statthalter gebombt.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die französische Kolonialmacht hat sich, dekoriert von UN-Truppen, in der Elfenbeinküste vorläufig durchgesetzt. Der von "der Weltgemeinschaft" anerkannte Präsident ist an die Macht gebombt, der nicht anerkannte gefangen. Quattara sollte schon 2002 an die Macht geputscht werden. Ein Bürgerkrieg war die Folge. Jetzt ist der Coup gelungen. Falls der von den Kolonialisten teilweise zerstörte Präsidentenpalast wieder in Betrieb genommen wird, wird man auch den unterirdischen Geheimgang zur französischen Botschaft wieder freischaufeln können, den der gestürzte Gbagbo hatte zuschütten lassen. Das würde den Weg zum Befehlsempfang des "mit Mehrheit gewählten" Statthalters Quattara verkürzen und Zeit sparen.

 

Wie auch immer die Wahlen, nach deren umstrittenem Ergebnis die ungeklärten Machtverhältnisse mittels einem neuen Bürgerkrieg ausgetragen worden sind, wirklich ausgegangen sind - die ivorischen Bürger haben nicht entschieden, wer ihr Präsident ist. Das hat "die Weltgemeinschaft" entschieden, in Sonderheit in diesem Fall die Weltgemeinschaft Frankreich. "Der Verfassungsrat, das höchste Gericht des Landes, hatte am Donnerstag die Bekanntgabe von Ouattaras Sieg durch die unabhängige Wahlkommission CEI angefochten. Nach Angaben der Wahlkommission hatte sich Ouattara mit 54 Prozent der Stimmen gegen Gbagbo (46 Prozent) durchgesetzt.

 

Nach Angaben des Verfassungsrats gewann Gbagbo die Stichwahl am Sonntag mit gut 51 Prozent der Stimmen. Ouattara habe dem amtlichen Endergebnis zufolge knapp 49 Prozent erhalten, teilte Paul Yao N'Dré, der Präsident des Verfassungsgerichts, mit. N'Dré war unter Gbagbo Innenminister und ist ein hochrangiges Mitglied der Partei Gbagbos.

Der Verfassungsrat erklärte das Ergebnis der CEI für ungültig, da es nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist verkündet worden sei. Den Schwenk begründete der Rat mit angeblichem Wahlbetrug in sieben Departements im Norden des Landes, die seit einem fehlgeschlagenen Putsch 2002 unter Kontrolle der früheren Rebellenbewegung FN stehen. Die dort abgegebenen Stimmen wurden annulliert. Internationale Beobachter hatten die Wahl als im Allgemeinen frei und gerecht beschrieben.

Ouattara rief sich am Freitag auch selbst zum Wahlsieger aus." (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732815,00.html)

 

Die Machteinsetzung Quattaras mit französischen und UN-Bomben und Raketen ist eine weitere Episode der Neo-Kolonialisierung Afrikas. Sie kommt voran. Gerade ist der Sudan gespalten worden. Die Besetzung und möglicherweise Zerteilung Libyens wird gerade versucht. Die Staaten, die sich in langen und bitteren Befreiungskriegen vom kolonialen Joch Spaniens befreit hatten, sind wieder weitgehend unter der Kontrolle der "Weltgemeinschaft". In vielen ehemaligen französischen Einflussgebieten steht französisches Militär. Die USA unterhalten ein spezielles Oberkommando für Afrika, - Befehlszentrale in Stuttgart. In wechselnden Koalitionen und begleitet vom Gefeilsche untereinander, wer wo welchen Brocken kriegt, organisieren die Weltgemeinschaftsstaaten USA, Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien die Oberaufsicht über den afrikanischen Kontinent.

 

Aber es ist nicht mehr 19. Jahrhundert. Der Neokolonialismus ist ein Anachronismus. Er hat noch die Kraft, die jungen Staaten unter Kuratel zu stellen, im Fall von Unbotmässigkeit, wie im Fall Somalia, ganze Staaten zu zerreissen, Bürgerkriege anzuzetteln, in die er dann "ordnend eingreifen muss", die Menschen in noch tieferes Elend zu zwingen. Die Konsolidierung von immer mehr der jungen afrikanischen Nationalstaaten wird er damit auf Dauer nicht aufhalten können. Die Völker werden der Bestie "Weltgemeinschaft" die blutigen Tatzen abschlagen.

 

Interessante Infos zu den Machtkämpfen in und um die Elfenbeinküste stehen hier: http://redblog.twoday.net/stories/16560890/  . Die am Ende des Beitrags verlinkten german.foreign.policy-Artikel leuchten den Hintergrund aus:

das Recht des Stärkeren
Spiel mit dem Feuer
Der Militärputsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Afrika

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