Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Kommunisten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

In Dresden existiert seit zehn Jahren das Kommunistische Aktionsbündnis, in dem Kommunisten verschiedener Organisationszugehörigkeit zusammenarbeiten. Über die Erfahrungen schrieb Wolfram Triller in der Zeitung der (aus der SED hervorgegangene) KPD Rote Fahne den folgenden Artikel (übernommen mit freundlicher Erlaubnis des Autors):

 

Wolfram Triller

Erfahrungen kommunistischer Bündnispolitik

Oktober 2012

Veröffentlich in „Die Rote Fahne" Oktober 2012

 

Vor 10 Jahren gründete sich das „Kommunistische Aktionsbündnis Dresden" (KAD). Mit ihm wurde der Versuch unternommen, jene Kräfte zusammenzuführen, die aktiv am Aufbau des Sozialismus in der DDR mitgearbeitet hatten und nicht bereit waren, ihre kommunistische Überzeugung aufzugeben.

Aber wie konnte gesellschaftlicher Widerstand gegen die rücksichtslose Zerstörung der Errungenschaften der DDR und die Durchsetzung imperialistischer Herrschaftsmethoden in Ostdeutschland geleistet werden? Manche setzten ihre Hoffnungen in eine der vielen neu entstandenen außerparlamentarischen Bewegungen, abgefangen von ATTAC, über die Montagsdemonstrationen, die Friedensbewegung bis hin zu den Antifa-Protesten. Bei der Gründung des Aktionsbündnisses musste deshalb eine prinzipielle Verständigung darüber erfolgen, worin das Ziel des Zusammenwirkens bestehen soll und wer dementsprechend Mitglied im Bündnis werden kann.

Einige Genossen hatten versucht, durch die Mitgliedschaft in einer Partei, die programmatisch den Sozialismus zum Ziel erklärten, politisch wirksam zu werden. Viele mussten aber die Erfahrung sammeln, dass durch die Niederlage des europäischen Sozialismus und den Streit über deren Ursachen in diesen Parteien eine wirksame politische Arbeit kaum möglich war. Der Streit zwischen reformistischen und sektiererische Fraktionen, persönliche Befindlichkeiten und Unklarheiten bei der Charakterisierung der wirklichen Lage und den daraus abzuleitenden Aufgaben behinderten die Sammlung der Kommunisten.

In einer kontroversen Debatte war zu entscheiden:

  • Soll an dem Anspruch festgehalten werden, auf dem Boden des Marxismus-Leninismus zu arbeiten?
  • Soll ein Bündnis für die Zusammenarbeit der Kommunisten oder eine neue einheitliche Organisation geschaffen werden?
  • Nach welchen Kriterien und Prinzipien sollen Partnerorganisationen zusammenarbeiten?

Es wurde entschieden, ein „Kommunistisches Aktionsbündnis" zu schaffen. Beide Begriffe waren für uns Programm. Mitglied des Bündnisses konnten Parteien und Organisationen werden, deren Führungskräfte sich zu marxistisch-leninistischen Positionen bekannten.

Eine entscheidende Rolle bei der Gründung des KAD spielten die Führungskräfte der Parteien und Organisationen, die sich als Partner dem KAD anschlossen. Sie sicherten, dass das KAD als ein Projekt verstanden wurde, dass durch seine „Aktionen" zusammenwächst, dabei prüft, was erfolgreich ist oder anders gemacht werden muss und wie jeder Partner sein spezifischen Erfahrungen zum Nutzen aller einbringen kann. Sich zu marxistisch-leninistischen Positionen zu „bekennen" bedeutet nicht, sie tatsächlich zu vertreten. Diese Forderung zu erheben, hätte viele Mitglieder in den Partnerorganisationen, die sich in der gesellschaftlichen Widerstand einbringen wollten, ausgegrenzt. Deshalb war die weltanschauliche Bildung von Anfang an ein Schwerpunkt der Arbeit des KAD, die von den verschieden Partnern in unterschiedlicher Weise getragen wurde. Wir betrachten die Praxis als die beste Schule für die Festigung von Klassenpositionen.

Durch diese Herangehensweise entstand jenes Vertrauensverhältnis im KAD, das es nach einer gewissen Zeit ermöglichte, die Ziele und Aufgaben des KAD in einem Flyer zu fixieren (siehe dazu unter:

www.triller-online.de/flyer_kad.htm).

Für die operative, planmäßige und kontinuierliche Arbeit bildeten wir einen Koordinierungsrat (KR), in den jede Partnerorganisation 2 Vertreter delegiert hat. Für seine Tätigkeit beschloss der KR „Organisationsgrundsätze". Sie beinhalten z.B.

  • Die Zustimmung der Partnerorganisationen zu den Zielen des KAD.
  • Die Vollständige Autonomie der Partner.
  • Die Einstimmigkeit der Beschlüsse und die Verpflichtung der Partner, ihre Organisationen für die Durchführung der Beschlüsse zu mobilisieren.

Sollte ein Partner die Ziele des KAD nicht mehr mit tragen können, ist eine Austritt oder Ausschluss mit einfacher Mehrheit möglich. Was leider schon einmal vorgekommen ist.

Der KR ist nicht nur ein organisierendes Gremium, sondern in ihm werden auch gründlich gemeinsame Einschätzungen zur aktuellen gesellschaftlichen Situation beraten, die dann in den geplanten Maßnahmen ihren Niederschlag finden.

Vor allem über dies Internetauftritte der einzelnen Partner und für das KAD als ganzes (

www.triller-online.de/kad.htm) werden die Mitglieder der Partnerorganisationen - aber auch andere Bündnispartner – über die Arbeit des KR und die geplanten Aktionen des KAD informiert (was leider auch die Arbeit des Verfassungsschutzes sehr erleichtert). Mit unseren Aktionen arbeiten wir in drei Richtungen:
  • Die Partner unterstützen sich gegenseitig bei den partnerspezifischen Vorhaben.
    Z.B. Vortragsveranstaltungen des Rotfuchs, Kranzniederlegungen am Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung / Der Ehrung der Opfer des Faschismus durch die VVN/BdA, Unterstützung von Parteiveranstaltungen.
  • Gemeinsam führen wir als KAD einzelne Aktionen durch.
    Z.B. Kundgebungen zum Weltfriedenstag, Informationsstand bei der Kundgebung des DGB am 1. Mai, Kranzniederlegung am 8. Mai am sowjetischen Ehrenmahl.
  • Gemeinsam oder arbeitteilig wirken wir in antikapitalistischen, außerparlamentarischen Bewegungen mit. Hierbei geht es uns vor allem darum deutlich zu machen, worin die gesellschaftlichen Ursachen der zu bekämpfenden Konflikte bestehen und wie sie in die Systemfrage einzuordnen sind. Mit Beginn der Montagsdemonstrationen hat sich diese Arbeit fortgesetzt über die Unterstützung von ATTAC, von Gewerkschafts- und Friedensdemonstrationen bis hin zum antifaschistischen Widerstand am 13. Februar in Dresden. Besonders aktiv haben wir uns in das bundesweite Bemühen um das Zusammengehen von Kommunisten eingebracht. Regelmäßig treffen wir uns zum Erfahrungsaustausch mit ähnlichen Bündnisgruppen aus Sachsen- Anhalt und Thüringen.

Das KAD ist die spezifische Lösung, die wir für die Stadt Dresden gefunden haben. Kooperationsfähige Personen und Organisationen sowie die lösbaren Aufgaben werden an anderen Orten andere sein. Gemeinsam aber sollten wir nach Wegen suchen, wie das Wechselverhältnis von kommunistischen Organisationen und außerparlamentarischen Bewegungen gestaltet werden kann und muss. Noch gründlicher müssen wir auch in Dresden darüber nachdenken und Wege finden, damit die Arbeiterklasse ihr revolutionäres Klassenbewusstsein zurückgewinnt.

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