Euro-Schnaeppchen zum Kampfpreis

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Heute liegt der Euro unter 1,22 US-Dollar. Er wird wohl weiter fallen. Was bedeutet das ?

 

In den grossen Medien und auch in der Bloggerwelt wird der sinkende Kurs des Euro fast einmuetig als Schwaeche gedeutet. Das am meisten verwendete Argument ist die drohende Zahlungsunfaehigkeit einiger EU-Staaten, die zu einer Herabstufung ihrer Kreditwuerdigkeit fuehrt und es fuer die "in Verdacht stehenden" Staaten schwierig macht, neue Anleihen aufzunehmen, mit denen sie alte, faellig werdende zurueckzahlen un sonstigem "Finanzbedarf" nachkommen koennen - hauptsaechlich der Uebernahme privater Risiken von Grossbanken und Konzernen durch den Staat.

 

Mir scheint, dass der Rueckgang des Euro-Kurses damit nicht erklaert werden kann, mindestens nicht allein damit. Denn die Finanzlage etwa Grossbritanniens, der USA und Japans ist keineswegs besser. Gestern hat der US-Dollar, nach der "Schuldenuhr", die 13-Billionen-Dollar-Marke ueberschritten (http://www.ntv.de/wirtschaft/USA-im-Schuldenstrudel-article903331.html ), nach anderen Berechnungen ist der Betrag schon weit hoeher. Die britische Verschuldung ist nicht weniger prekaer als etwa die spanische, und die japanische schlaegt alle Rekorde. - Warum werden also der Dollar, das britische Pfund und der Yen nicht schwaecher ?

 

Zu einer Erklaerung koennte dieser Gesichtspunkt beitragen: Die Finanzstrategie fuer einen Ausweg aus der Krise der USA ist der der EU (faktisch: Deutschlands) entgegengesetzt.

 

Die US-Regierung versucht, neben den immensen Kosten der staatlichen Uebernahme der Verbindlichkeiten privater Bankrotteure zusaetzlich ein staatliches "Anschieben der Konjunktur" zu finanzieren. Dies verschiebt, zu dem Teil, zu dem es gelingt, die Krise in die Zukunft, traegt aber tatsaechlich in gewissem Mass dazu bei, dass die "Realwirtschaft" nicht tiefer in die Depression stuerzt.

 

Im Gegensatz dazu besteht der deutsche wirtschaftspolitische Kurs darin, die wachsende Staatsverschuldung mit der Verarmung der Bevoelkerung zu "refinanzieren". Das hat eine die Konjunktur abwuergende Wirkung. Aber auf laengere Frist verbessert es im Erfolgsfall die finanzielle (und damit auch politische) Handlungsfaehigkeit des Staates.

 

Der sinkende Euro-Kurs wirkt in die selbe Richtung. Er verbilligt die Exporte aus dem Euro-Raum und verteuert die Importe. D. h.: Er verschlechtert die Exportmoeglichkeiten der Konkurrenz. Fuer die USA ist das bei einem Exportanteil am BIP in der Groessenordnung von 10 % "nicht so schlimm". Fuer Japan, das extrem exportabhaengig ist, und die VR China, dessen Waehrung bisher an den Dollar gebunden wird und damit dessen Afwertung "mitmacht", hat das groessere Folgen.

 

Den groessten Nutzen aus einem fallenden Euro zieht die deutsche Exportindustrie, weil es die mit Abstand groesste in den EU-Staaten ist.

 

Zu vermuten ist daher, dass ein fallender Euro durchaus willkommen ist. Er ist fuer die Exportnation Deutschland ein Mittel, die Konjunktur, die an der sinkenden Binnennachfrage infolge der fallenden Lohnquote krankt, mit einer Steigerung der Exporte zu kompensieren. Es handelt sich praktisch u den Versuch, die bestehenden Ungleichgewichte im Import/Export zum Nachteil des Rests der Welt und zum eigenen Vorteil zu verschaerfen.

 

Ein Abwertungswettlauf ist typisch fuer eine weltweite Depression, wie wir aus den 1930er Jahren wissen. Die EU bzw. Deutschland ist heute dessen Voreiter.

 

Fazit: Ein fallender Euro-Kurs liegt im Interesse der EU, hauptsaechlich Deutschlands - auf Kosten der Lohnabhaengigen in diesen Laendern und der internationalen Konkurrenz. Worauf es dabei ankommt ist, dass diese Bewegung geordnet und langsam vor sich geht. Ein chaotischer Absturz wuerde die Existenz des Euro gefaehrden. Dagegen richten sich die Interventionen der EZB und der deutschen Bundesbank.

 

Vorbehalt: Alle diese "Finanzstrategien", gleich ob USamerikanisch oder deutsch oder "irgendetwas dazwischen", sind ein Tanz auf Messers Schneide. Der Absturz ins Chaos und ein voruebergehender Zusammenbruch ist ein staendige taegliche Moeglichkeit.

 

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update 05/06/2010

 

s. dazu:

 

Geithner fordert Deutschland heraus

 

http://www.handelsblatt.com/politik/international/g20-finanzministertreffen-geithner-fordert-deutshland-heraus;2595010

 

 

Veröffentlicht in Weltwirtschaftskrise

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