Europäische Pleitestaaten und imperialistische Konkurrenz

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Ende letzter Woche war plötzlich von der italienischen Schuldenkrise die Rede. Gestern hat Moodys die irischen auf Ramschniveau gesetzt. In den letzten Tagen fiel, im Zusammenhang damit, der Euro von gut 1,43 USDollar auf gut 1,38.

 

Moodys ist in US-Eigentum. Beteiligt sind Goldman Sachs und Warren Buffet. Italien werde, hiess es in den Wirtschaftsteilen der bürgerlichen Presse von USamerikanischen Fonds angegriffen. In junge welt ist heute von "Attacken der globalen Finanzspekulanten" die Rede ( http://www.jungewelt.de/2011/07-13/062.php ) .

 

Vielleicht muss man das präzisieren. Die als Pleitekandidaten gehandelten Staaten, denen man den Namen PIIGs gegeben hat, ist gemeinsam, dass sie zu denjenigen westeuropäischen Staaten gehören, in denen der US-Einfluss traditionell am höchsten war. Im Zug der Finanzkrise ist mit diesen Staaten etwas Neues passiert: Sie mussten sich dem deutschen Diktat für die "Bewältigung der Schuldenkrise" unterordnen.

 

Das Spiel, in dem viele Millionen Lohnabhängiger und kleiner Selbständiger ihre Existenz verlieren und in die Armut getrieben werden, könnte so gehen:

 

USA: Wenn du, Deutschland, uns aus unseren traditionellen Dominions kickst, musst du dafür zahlen. Dann machen wir euch den Euro kaputt. Das Mittel dafür: die Pleitekandidaten in die Pleite treiben, die allfälligen "Rettungsschirme" der EU-/Euro-Staaten in Billionenhöhe treiben.

 

Die Weltwirtschaftskrise ist keine verschwörerische Inszenierung, sondern das normale periodische Chaos des Kapitalismus. Aber innerhalb dieses sozusagen urwüchsigen Prozesses agieren die verschiedenen Kräfte mit- und gegeneinander und können einen gewissen Einfluss darauf entwickeln, wie dieser Krisenprozess im Detail verläuft. Es liegt nahe, dass von US- (und britischer) Seite eines der Anliegen ist, den Euro als Konkurrenz zum Dollar-Weltgeld zu kicken oder wenigstens zu schwächen. Was im Moment vor sich geht, gehört möglicherweise in diesen Zusammenhang.

 

Politisch hat sich via Libyenkrieg eine neue Allianz gebildet: USA-Grossbritannien-Frankreich, mit Italien und Spanien im Gefolge. Deutschland hat sich in dem Fall (wieder einmal) den USA nicht untergeordnet. Auch solche Unbotmässigkeiten müssen bestraft werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Schicksal der im Libyenkrieg Verbündeten den USA egal ist. - Von den italienischen Schulden sind über 700 Milliarden in französischer Hand (in deutscher nur die gute Hälfte dieser Summe), so dass ein Zahlungsausfall die französischen Finanzkapitalisten am weitaus härtesten treffen würde. Die "Rettung" Italiens muss daher für Frankreich vordringlich sein - und treibt das Land zwangsläufig in dieser Angelegenheit wieder auf die deutsche Seite.

 

So gehen die Spielchen mit dem Schicksal der Masse der Bevölkerung, die dabei nur der erleidende Teil ist - so lange sie das nicht ändert, indem sie die Hütchenspieler zum Teufel jagt.

 

 

Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post