Artikel teilen! Fragmente: Sozialismus - Sozialismus und Staat im 20. Jahrhundert: Fragmente: Sozialismus ist eine neue Kategor ...
Fragmente: Sozialismus ist eine neue Kategorie in diesem Blog. Der Zweck ist, Ueberlegungen zur sozialistischen Gesellschaftsordnung zur Diskussion zu stellen. Es wird hauptsaechlich um die Einschaetzung der untergegangenen sozialistischen Staaten, also Osteuropas und der SU gehen.
Die Texte sind in einem gewissen Sinn "unfertig". Sie sind auch nicht "didaktisch aufbereitet". Sie setzen gewisse Kenntnisse ueber die marxistische Diskussion des Themas voraus. Ich erhoffe mir, dass die Ueberlegungen trotzdem auch fuer manchen Leser, der in dieser Diskussion nicht "drinsteckt", als "Provokation" gelesen werden, die zu eigenen Ueberlegungen anregt.
Die Beitraege in dieser Kategorie erscheinen in loser Folge. Welche das sind, moechte ich auch von den Reaktionen, also dem Interesse der Leser, abhaengig machen.
Der erste Fragment-Beitrag handelt von Staat und Sozialismus im 20. Jahrhundert:
Staat, Partei, Gesellschaft in der SU und den osteuropaeischen sozialistischen Gesellschaften
Die Verfassungen garantierten das Volkseigentum an den grossen Produktionsmitteln in der Form des staatlichen und genossenschaftlichen Eigentums. Auf dieser Grundlage definierten sie die sozialistische Demokratie als Macht der Arbeiterklasse und, unter ihrer Fuehrung, verbuendeter Klassen und Schichten - unter ihnen, und je unentwickelter die einzelnen Staaten zum Zeitpunkt der Revolution waren, mit desto groesserer Bedeutung - die Bauern. So, wie die Arbeiterklasse als die machtausuebende, bzw. in der Machtausuebung fuehrende Klasse, definiert war, war es die Kommunistische Partei als "Partei der Arbeiterklasse". Die Arbeiterklasse uebte ihre Macht mittels und in Gestalt der Partei aus. Der Staat war dafuer das Instrument. Im Rahmen seiner Institutionen und seiner Verfuegung uber die wichtigen Produtkionsmittel war er der Planer und Organisator der Wirtschaft und des gesamten gesellschaftlichen Lebens.
Es ist muessig, nachtraeglich moegliche "andere Varianten" zu diskutieren. Dass z.B. die Anarchisten stets ihre Ansichten fuer die wahrhaft reolutionaeren - und die der Kommunisten fuer reaktionaer - hielten, aber zeit ihrer Geschichte nichts zustande gebracht haben, ist kein Zufall. Die Verhaeltnisse gaben nicht her, was sie wollten. Sie gaben dagegen her, was die Kommunisten wollten. Aber die ersten sozialistischen Staaten und ihr schliessliches Scheitern ist ein geschichtliches Ergebnis, aus dem Lehren zu ziehen sind. Diese sind zwar nicht einfach auf die heutigen Verhaeltnisse uebertragbar, aber gleichzeitig enthalten die ersten Erfahrungen mit sozialistischen Gesellschaften Gemeingueltiges fuer die Uebergangsgesellschaft vom Kapitalismus zum Kommunismus.
Politische Ordnung und materielle Basis
Aufgrund des im Vergleich zu heute viel schwaecher entwickelten Kapitalismus zur Zeit der Revolutionen setzte die politische Konstituierung einer sozialistisch verfassten Gesellschaft Widersprueche zwischen politischer Verfassung und oekonomischer Basis. Die erste Entwicklungsphase war charakterisert durch die Notwendigkeiten der "nachholenden" oekonomischen Entwicklung, die die materiellen Grundlagen einer sozialistischen Wirtschaft ueberhaupt erst herstellen mussten - Industrialisierung, Verwandlung der landlosen Bauern und eines Teils des laendlichen und staedtischen Kleinbuergertums in Arbeiter, Qualifizierung der Arbeitskraft fuer den Umgang mit den neuen Industrien in technischer, verwaltender und leitender Hinsicht, Qualifizierung von Kadern aus der - in der Masse eben erst im Entstehen begriffenen - Arbeiterklasse fuer staatliche Funkionen - Bildungswesen, Gesundheitswesen, Justiz, Militaer, staatliche Verwaltungen etc. . Diese "Gruenderzeit" praegte dem Sozialismus des 20. Jahrhunderts seinen Stempel auf. Die Notwendigkeiten dieser Zeit, die unter diesen Bedingungen entstehenden Strukturen, das so entstehende "gesellschaftliche Klima", Leitbilder, Einstellungen, Moral - der gesamte kulturelle und politisch-soziale Uberbau - wirkten in grossem Umfang auch in den Jahrzehnten fort, in denen sich diese Gesellschaften schon auf eine einigermassen dem Sozialismus adaequate materielle Basis stuetzen konnten.
"Relative Eigenstaendigkeit" des Staates
In jeder Gesellschaftsordnung, die ein Staatswesen hervorbringt, ist dieses ein Apparat im Dienst der herrschenden Klasse. In eben dieser Funktion gewinnt es aber gegenueber der ganzen Gesellschaft eine gewisse Eigenstaendigkeit. Sie kann sich nicht von ihrem eigentlichen Zweck emanzipieren. Aber indem zum Beispiel der buergerliche Staat gegenueber den unterdrueckten Klassen die Unterdrueckung politisch und rechtsfoermig macht, agiert er einerseits als Mittel der herrschenden Klasse, tritt den einzelnen Bourgeois aber andererseits gegenueber, weil er nicht deren Einzelinteressen sondern ihre Interessen als Klasse vertritt. Er ist in dieser Hinsicht sozusagen das Mittel der Selbstdisziplinierung der herrschenden Klasse und macht dafuer auch deren Interessen, den Umgang untereinander und den Umgang mit den unterdrueckten Klassen zweckmaessige Vorschriften, die er im Konfliktfall mit dem Einzelinteresse auch gegen die Mitglieder der herrschenden Klasse per Recht und Gewalt durchsetzt. Die Apparate gewinnen ueber die langen Zeitraeume ihrer Existenz, auch mit der Fuelle der Aufgaben und der Fuelle moeglicher Varianten ihrer Bewaeltigung, der sich herausbildenden Traditionen, dem ideologischen Ueberbau uber den jeweiligen Institutionen - wie etwa der Auspraegung militaerischer, polizeilicher, richterlicher etc. spezieller "Tugenden" etc. ein gewisses Eigenleben, das sogar disfunktionale Seiten gegenueber dem eigentlichen Anliegen annehmen kann.
Was fuer den Sklavenhalter-, den feudalen und den buergerlichen Staat gilt, gilt in modifizierter Weise auch fuer den sozialistischen. Die Geschichte der SU und der osteuropaeischen Laender zeigt das anschaulich. Die vielfaeltigen Thesen ueber die angebliche "Entartung" speziell des sowjetischen Staates, wie sie z.B. von den Trotzkisten oder der westeuropaeisch-nordamerikanischen "Neuen Linken" vertreten werden, gehen fehl, soweit sie den sozialistischen Charakter z.B. der SU mit dem Argument negieren, die Staatsmacht habe buerokratische, dikatorische Zuege auch gegenueber der Arbeiterklasse angenommen, den Personenkult in der Zeit Stalins hervorgebracht etc. . Der Sowjetstaat gewann seine Funktionen nicht gegen, sondern wegen der sozialistischen Ordnung und trieb erst auf dieser Basis auch disfunktionale Seiten aus.
Es handelte sich allerdings nicht um fuer den Sozialismus typische, sondern im Gegenteil fuer ihn atypische, ausnahmsweise Erscheinungen. Diese Behauptung mag auf den ersten Blick als frech und haltlos erscheinen, angesichts der augenscheinlich entgegengesetzten bisherigen Erfahrung. Aber der Sozialismus des 20. Jahrhunderts war insgesamt eine "atypische" Erscheinung, weil ueberall, wo er zur Gesellschaftsordnung wurde, "logisch-historisch" nicht der Sozialismus angestanden haette, sondern kapitalistische Entwicklung. Der Sozialismus des 20. Jahrhunderts praegte seinen Charakter als versuchte "Abkuerzung" des historisch-logischen Verlaufs aus, d.h. auf der Grundlage einer Produktivkraftentwicklung, die fuer sozialistische Verhaeltnisse noch nicht reif waren, woraus sich die Aufgaben der " Schaffung der materiellen Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft" ueberhaupt erst ergab.
Mit dem Untergang der SU und der osteuropaeischen sozialistischen Gesellschaften ging ein Fruehsozialismus unter, der erste und verwegen fruehe Versuch der Ueberwindung eines Kapitalismus, der, auch nicht entfernt, "reif und ueberreif" war.
Unter diesen speziellen Bedingungen entwickelte sich das sozialistische Staatswesen. Es ersetzte die noch nicht wirklich vorhandene Mehrheit der Arbeiterklasse, handelte durchaus im Auftrag und fuer diese - unter den schon sozialistischen Verhaeltnissen allerdings rasch wachsende - Klasse. Daraus leitet sich auch das Verhaeltnis des "Staats der Arbeiterklasse" zur Arbeiterklasse ab. Die unter den gegebenen Bedingungen unabdingbare Stellvertreterfunktion des Staates vertauschte bis zu einem gewissen Grad die Subjekt- und Objekt-Seiten. Der Staat als Instrument der Macht der Arbeiterklasse verwandelte sich in einem gewissen Grad zum eigentlichen Protagonisten, die Arbeiterklasse umgekehrt in diesem Mass vom Subjekt zum Objekt. Aber der sozialistische Staat hat sich damit nicht von den Interessen der Klasse, deren Macht er verkoerperte, emanzipiert, sondern diesen gegenueber nur eine grosse "relative Eigenstaendigkeit" erhalten, in deren Rahmen er auch seine widerwaertigen Seiten austrieb.
In Hinsicht auf diese relative Eigenstaendigkeit gegenueber der gesamten Gesellschaft, einschliesslich der Klasse an der Macht, ist der sozialistische Staat des 20. Jahrhunderts ein Extrem, weil die unentwickelte oekonomische Basis die politischen Mittel des Gesellschaftslebens extrem wichtig, ja zur Frage von Sein oder Nichtsein machten.
Sepp Aigner, 2007
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Der Auffassung, daß die UdSSR oder die DDR bis zu ihrer offenen Rückkehr zum Kapitalismus sozialistisch waren, muß ich widersprechen. Zur Begründung verweise ich auf meine Rezension des Buches “Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion” (http://www.randzone-online.de/?p=6450) von Willi Dickhut, die ich 2005 geschrieben habe. Imho beweist Dickhut darin, daß 1989 nicht der Sozialismus gescheitert ist, sondern der bürokratische Kapitalismus, der sich unter dem Deckmantel des "realen Sozialismus" verbarg. Er beweist auch, daß der Kampf um eine bessere Gesellschaftsordnung nicht zu Ende ist und die Verarbeitung der historischen Erfahrungen mit dem bürokratischen Kapitalismus zu wichtigen Lehren für diesen Kampf führt.
Dass hier von Deiner Seite Widerspruch kommt, wundert mich nicht. Das ist ja, wenn ich richtig verstehe, DER Streitpunkt zwischen uns.
An den Herren mit dem Klasseninstinkt. Einmal davon abgesehen, dass ich Klassenbewusstsein vorziehe, würde mich doch interessieren, wenn in der DDR der bürokratische Kapitalismus gescheitert ist, in was für einen Kapitalismus leben wir denn heute? In diesem Zusammenhang würde es mich auch interessieren, worin der Unterschied vom Sozialismus zum Kapitalismus besteht!
Meine persönliche Erfahrung mit zwanzig Jahren deutsche Einheit ist, dass wir in der DDR zwar über Bürokratismus geredet haben, uns unter Umständen sogar über solche beschwerten, aber wenn ich gegenwärtige Verhältnisse betrachte und Erfahrungen berücksichtige, so muss ich feststellen, dass wir in der DDR doch eigentlich gar nicht wussten, was Bürokratie ist.
Hallo Sepp,
sicher eine interessante Diskussionsgrundlage und das Thema ist es nicht nur wert diskutiert zu werden, sondern es ist sogar notwendig. Anderseits kann man es sich natürlich auch einfach machen, wenn es sich nicht um Sozialismus gehandelt hat, so konnte dieser natürlich auch nicht scheitern und wir können es uns sparen entsprechende Lehren zu ziehen.
Nächtlichen Gruß
Thomas
Für die Trotzkisten war die DDR und sicher auch die SU kein sozialistischer Staat, komisch dass das Mehrprodukt für gesellschaftliche Zwecke umverteilt wurde und nicht im Schoß des Kapitalisten sein karges Dasein fristen musste. Es kann nur eine Klasse gewinnen, so nicht nur die Trotzis.
Der Sowjetstaat gewann seine Funktionen wegen der Transformation des Systems aus dem Feudalismus kommend, der die Grundlage in der siegreichen Revolution in den 20ern hatte, um einen soz. Staat aufzubauen. Wenn dieser s. Staat im gesamten Ostblock nun auch disfunktionale Seiten hatte, wie Sie hier beschreiben, diese auch noch atypisch waren, wer hätte diese Fehlfunktionen denn abschaffen können? Denn diese Fehlfunktionen waren sicher der nachholenden Entwicklung geschuldet. Aber nur? Wie will eine kom. Führung in Anbetracht der ökonomischen Verhältnisse dann eine Revision wie in Kuba vornehmen, wenn sie die Epoche nur als nachholende Entwicklung betrachtet aus der man schwer anders also historisch entscheiden kann. Oder doch? Dann muss es doch einen in der Dynamik der Produktivkraftentwicklung stattfindenden "Bruch" mit dem gestrigen Zustand geben. Denn durch die fortwährende Blockkonfrontation wäre doch der Kalte Krieg nie beendet worden und damit auch nicht die Anomalien der staatlichen Institutionen im Ostblock. Denn es sind ja nicht wenige Ressourcen in die Rüstung geflossen.
Wenn aber primär die Produktivkraftentwicklung als Grundlage für eine soz. Entwicklung gefehlt hat, dann muss man doch auch feststellen, dass das in den 70er Jahren schon ganz anders aussah. Die daraus entstandene Konstellation des Vertauschens der Objekt-Subjekt Beziehung im Soz. der DDR hätte doch von Oben oder von unten ins Lot gebracht werden können, wenn die ökonomische Basis oder Überbau vorhanden gewesen wäre. Ich bezweifele nicht, dass das in der DDR nie erreicht wurde auch wenn die Wirtschaft natürlich anfällig war, das Neurerwesen und das dadurch erzielte Mehrprodukt sicher in der Form noch nicht ausreichte. Von der extensiven Wirtschaft noch nicht zur intensiven Wirtschaft umgestellt werden konnte. Oder doch? Wann hätte die Produktivkraftentwicklung denn nun ausgereicht um der Arbeiterklasse zum Subjekt ihrer eigenen Entwicklung zu machen...?
Ich denke nicht, dass die DDR-Regierung unter Krenz jemals daran gedacht hat.
Nur ein Bürger
"Nur ein Bürger" bin ich auch.
Produktivekraftentwicklung/politisches Bewusstsein:
Offensichtlich gibt es für dieses Verhältnis kein starres Schema. Wenn nur ersteres ausschlaggebend wäre, wäre Kuba nicht erklärbar. Dort liegt die Produktivkraftentwicklung heute noch hinter der z.B. in der DDR erreichten zurück, und trotzdem ist es um das Bewusstsein der Massen alles in allem wohl um einiges besser besteltt, als das in der DDR der Fall war.
Den Hinweis auf den Stand von 1970 finde ich richtig. Ichvermute, dass bei der Suche nach den Ursachen der Degenerierung der sozialistischen Demokratie, der politischen Erstarrung und dem zunehmenden Auseinanderklaffen von Wirklichkeit und offiziellen Verlautbarungen vor allem in zwei Richtungen geschaut werden muss: Erstens schlicht subjektive Fehler, Mittelmässigkeit; zweitens - und wahrscheinlich wichtiger - eine allmähliche Verselbständigung sozialer Interessen der Führungschichten, die sich allmählich in Schmarotzer der sozialistischen Gesellschaft verwandelten , Priviliegien, ein Leben schon weitab von der Masse der Bevölkerung (Für die DDR trifft das übrigens kaum zu, denke ich.). Die Konterrevolution kam ja v.a. in der SU nicht von unten, sondern aus dem Partei- und Staatsapparat. Sie war der Akt der Befreiung vonder Heimlichtuererei und der illegalen Vorteilsnahme und zum "richtig Reibach-Machen" - zum Oligrachentum, zur Räuberbourgeoisie. Der Sozialismus ist ja nicht einfach an mangelnder Produktivkraftentwicklung gescheitert, sondern er ist politisch gescheitert, per Konterrevolution.
Aha, die Produktivkraftentwicklung ist in Kuba niedriger, aber das politische Bewusstsein ist viel höher und dem Sozialismus zugewandt. Also dadurch ist Kuba in der Lage die Tore zu öffnen um frischen Wind herein zulassen, denn auch dort sind die Organisationen, die bis hin zum Schriftstellerverband reichen, degeneriert gewesen. Genau das ist dann der Schnittpunkt der notwendigen Ideologisierung, die schon in der Schule beginnt, um dann für die höheren Aufgaben gewappnet zu sein. Aber Kuba ist eh ein Art Sonderfall, weil Kuba nur durch den Sozialismus seine Unabhängigkeit bewahren kann. Das traf zwar für die DDR auch zu, aber sie war auch Teil der geteilten deutschen Nation und da der Marxismus in der Form nicht in die Köpfe kam, war es schwierig. So konnte der Konterrevolution nichts bewusst entgegengestellt werden. Sozialismus muss in den Köpfen auch ein Bild erzeugen für das es sich lohnt zu kämpfen und zu leben.
Der Soz. in der DDR war zu sehr einer des Politbüros, zu viel von oben bestimmt, zu viel Staatsdirigismus, das kam unten einfach nicht gut an. Aber ich kann es nicht wirklich einschätzen, denn ich war nicht auf der Parteihochschule. Ich weiß nicht was die dort gelernt haben. Subjektive Fehler, Unfähigkeit der Kader, keine Erfahrung. An die Verselbständigung der Führungsschichten glaube ich nicht, ich frage mich, warum der Staat sich nicht bewegt hat. Er hat einfach seinen Geist aufgegeben, also die Frage aus welchen Gründen und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen das sich der Staat in der Krise pro Sozialismus verhält ist auch nicht geklärt. Auch dort vermute ich keine Verselbständigung oder Korruption, sondern das Bild des Sozialismus hat einfach nicht gestimmt. In einer solchen Krisensituation ist das Zentrum längst in Misskredit, denn es hat die Macht zur Gestaltung und Umgestaltung scheinbar verspielt. Man kann aber auch nicht verheimlichen, dass die DDR zwar eine Chance hatte, aber die Stimmung pro Wiedervereinigung sehr schnell ging. Ich war selbst überrascht, das ging für alle zu schnell... Und ein großer Schock war eben auch die Erstürmung der Stasi-Zentrale, jetzt wusste das Volk was Sache war. Es war schlimm, das hätte keiner für möglich gehalten, denn wir sind in Solidarität und Kollegialität erzogen worden, wir haben Kopfnoten bekommen und mussten nun sehen was andere aus diesen Werten gemacht haben. Das ist auch ein Bild und keine "kümmerlichen" Statements. Sprache ist demokratisch Geld nicht, aber wer die Sprache im Soz. verliert, der verliert den sozialen Kitt zu den Menschen.
Nur ein Bürger