Gefahr in Ungarn: Faschisten kommen voran.

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Ungarns erster Nazi-Bürgermeister


Bildmontage: HF

23.07.11 

 

von Tomasz Konicz

Ungarns Nazis konnten am vergangenen Sonntag einen weiteren Wahlsieg feiern.

Bei den Bürgermeisterwahlen in der ostungarischen Ortschaft Gyöngyöspata konnte sich der Kandidat der faschistischen Partei Jobbik (Die Rechten), Oszkár Juhász, mit rund 34 Prozent der Stimmen durchsetzen.

Die rechtskonservative stellvertretende Bürgermeisterin Marika Matalik verbuchte einen Wählerzuspruch von 26 Prozent, der vorbestrafte Führer der lokalen Nazi-Miliz Véderő (Schutzmacht), Tamas Eszes, kam auf 10,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent.

Im rund 2600 Einwohner zählenden Gyöngyöspata beherrschten im vergangenen Frühjahr militante faschistische Organisationen wie Véderő oder Szebb Jövöert (Schönere Zukunft) wochenlang das Stadtbild, als sie eine gegen die Roma-Minderheit des Ortes gerichtete Kampagne entfachten.

Unter dem Vorwand der Bekämpfung von „Zigeunerkriminalität“ patrouillierten die uniformierten Faschisten das Roma-Ghetto und führten Personenkontrollen durch; die Nazis errichteten auch Straßensperren und verwehrten den Roma den Zugang zum „ungarischen“ Teil der Ortschaft oder zum Supermarkt.

Die Nazipartei Jobbik führte in Gyöngyöspata eine Kundgebung durch, in der die erneute Aufstellung der Gendarmerie gefordert wurde, die seit dem Sieg über die ungarischen Nazi-Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg aufgrund ihrer Verstrickung in faschistische Terrorherrschaft und Holocaust verboten ist.

Begleitet von einer landesweiten Medienkampagne in der regierungsnahen rechtskonservativen Presse, die Armutskriminalität ebenfalls konsequent als „Zigeunerkriminalität“ tituliert, steigerten sich die Spannungen in Gyöngyöspata bis zu tätlichen Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Menschen teilweise schwer verletzt wurden.

Die ungarische Staatsmacht interveniert erst, nachdem die Faschisten ende April mit der Organisierung von Wehrsportübungen in direkter Nähe des Roma-Ghettos begannen und die Evakuierung von Frauen und Kindern der Roma-Minderheit aus Gyöngyöspata international für Aufsehen sorgte.

Der Wahlsieg in dieser landesweit bekannten Ortschaft hat für die Faschistische Rechte Ungarns einen hohen symbolischen Wert. Der Führer von Jobbik, Gabor Vona, versprach kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses öffentlich, dass Gyöngyöspata ein „Beispieldorf für die kommunale Führerschaft“ seiner Partei werde.

Dieser Sieg, bei dem Jobbik die erzkonservative Regierungspartei Fidesz (Ungarischer Bürgerbund) geschlagen habe, sei ein „Meilenstein“ und der Beginn eines „landesweiten Trends“. Derweil machte der rechtsextreme Bürgermeister von Gyöngyöspata kurz nach seiner Wahl klar, dass seine künftige Lokalpolitik de facto in der Legalisierung des faschistischen Milizwesens bestehen werde. Er werde „Recht und Ordnung“ in dem Dorf durch die Eineinführung von „Feldpatrouillen“ und die Aufstellung einer „bewaffneten lokalen Polizeitruppe“ durchsetzen, erklärte Juhász am vergangenen Montag.

Juhász setzt hierbei klar strategische Politikvorgaben seiner Partei um, da Ungarns Faschisten sich seit Langem durchaus erfolgreich bemühen, ihren Einfluss innerhalb des Polizeiapparates auszubauen. Die klar rechtsextreme Polizeigewerkschaft TMRSZ (Ungarische Polizeigewerkschaft Tatkraft), die ein Kooperationsabkommen mit Jobbik geschlossen hat, konnte ihre Mitgliedschaft von 5.000 Polzisten in 2009 auf gut 9.000 steigern.

Somit ist inzwischen rund ein Fünftel der ungarischen Polizeikräfte dieser faschistischen Vorfeldorganisation beigetreten. Insofern verwundert es nicht, dass Ungarns Nazibanden in Gyöngyöspata im vergangenen Frühjahr wochenlang nahezu ungestört die Roma terrorisieren konnten, bis sich die Staatsmacht aufgrund internationaler Schlagzeilen zu einem halbherzigen Eingreifen durchrang.

 

VON: TOMASZ KONICZ



Quelle: http://www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=17597&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=698d0477b0





Veröffentlicht in Gegen Rechts

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Ulrich.Ludewig 07/24/2011 22:29



Ja,


ich sehe das ja schon in meiner nächsten Umgebung, die kleinen ländlichen Fußballvereinsmitglieder  z.B. werden 2013 überwiegend die NPD wählen, hier ist dringend Aufklärungsarbeit
notwendig, insbesondere darüber, warum Deutschland immer noch keinen wirklichen Friedensvertrag hat, und von daher eine gewünschte Marionette der Siegermächte bleiben
wird.           Das erzeugt Wut und Fehlverhalten der Wähler.



Ulrich Ludewig 07/24/2011 20:23



Da stellt sich mir doch die Frage warum es soweit kommen konnte!


Vielleicht liest ja ein Ungare diesen Blog und berichtet uns?



Sepp Aigner 07/24/2011 21:07



Die Wiederbelebung faschistischer Traditionen ist ja nicht auf Ungarn beschränkt und dort auch nichts Neues. Zwiscehn Jobbik und der Partei an der Macht sind die Unterschiede eher graduell.
Ähnlich ist es zum Beispiel auch in Lettland: http://kritische-massen.over-blog.de/article-das-freie-litauen-heute-holocaust-verschwunden-hakenkreuz-kulturgut-63277440.html


Der allgemeine Hintergrund ist wohl die Verarmung von grossen Teilen der Bevölkerung in ganz Osteuropa: http://kritische-massen.over-blog.de/article-20-jahre-kapitalistische-freiheit-in-osteuropa-sind-die-illusionen-geplatzt-55131831.html .