Griechenland, Euro und die Frage "Wer - wen ?"

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Seit ein paar Tagen wird, lanciert von SPON, darüber spekuliert, dass Griechenland aus dem Euro austreten könne. Der Anlass war ein Treffen von Finanzministern in Luxemburg, zu dem der SPON-Artikel zufällig gerade rechtzeitig erschien. Es war kein französisches oder italienisches Blatt, das das Gerücht in die Welt setzte, sondern ein deutsches. Man darf davon ausgehen, dass der SPIEGEL wieder einmal einen Dienst an seinem Vaterland geleistet hat.

 

Natürlich wurde das Gerücht sofort heftig dementiert - und die "nebenbei" eingeflossene Spekulation über einen bevorstehenden Schuldenschnitt Griechenlands gleich mit. Eben ein solcher Schuldenschnitt und ein Austritt oder Hinauswurf Griechenlands aus dem Euro ist also gegenwärtig das Thema, das zur Entscheidung steht. Die Währungsspekulanten haben die Dementis denn auch nicht ernst genommen. Binnen drei Tagen fiel der Euro gegenüber dem US-Dollar um fünf Cent auf 1,4310 - Schlusskurs am Freitag.

 

Wenn Gerüchte über einen Staatsbankrott Mecklenburg-Vorpommerns die Runde machen würden, würde das den Euro keine 5 Cent kosten. Griechenland kostet schon, aber nicht Griechenlands wegen. Die Ängste der "Finanzinvestoren", die sie vom Euro ausgerechnet in den USD treiben, haben einen triftigeren Grund: Der Euro wackelt. Griechenland, Irland, Portugal, die desaströse Wirtschaftslage einiger osteuropäischer Euro-Staaten und Spaniens - ein Sack voll kleiner und grösserer Peanuts hat schon Gewicht. Es steht ausser Frage, dass die Schuldenberge der Schwächsten nie mehr getilgt werden können. Die "Sparmassnahmen" treiben z. B. Griechenland in eine scharfe Rezession, ohne dass aus der Bevölkerung herausgepresst werden könnte, was nötig wäre, um Zins und Tilgung - oder auch nur die Zinszahlung - leisten zu können. An den Schwächsten zeigt sich aber bloss zuerst, dass das gesamte "Finanzsystem" - nicht nur der Euro-Zone, sondern auch des britischen Pfunds, des US-Dollars und des Yen, zerrüttet ist - dass ein allgemeiner "Haircut" fällig ist.

 

Griechenland steht noch für etwas anderes: Die drastische und schnelle Verarmung lässt der Masse der Bevölkerung kaum noch eine andere Wahl, als sich zu erheben, wenn die Regierung versucht, sie in noch grösserem Mass für die in- und ausländischen Banken und die Kreditgarantien der EZB und des IWF bluten zu lassen. Es wackeln nicht nur die Währung und die Kreditketten, sondern die Herrschaft selbst operiert an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Eine weitere grössere Steuererhöhung, und das Land ist im Aufstand. Und das wäre kein spontaner Aufstand wie in Tunesien oder Ägypten, sondern ein Aufstand, bei dem die "politische Infrastruktur" der Arbeiterklasse, der Bauern und des städtischen Kleinbürgertums gut organisiert bereitstehen würde, um eine neue Macht zu errichten. Das Zentrum dieser in nuce existierenden Volksmacht ist die kommunistische Partei. Ähnlich ist es in Portugal. Dort werden die bevorstehenden Wahlen ein Gradmesser dafür sein, wie "griechisch" die Verhältnisse schon sind.

 

Das wissen die Herrschenden besser als die Volksmassen selbst. Wenn SPON also demnächst, vielleicht zufällig gerade am Beginn eines Treffens der europäischen Polizeiminister, wieder aus seinen ungewöhnlich gut informierten Quellen schöpft und das Gerücht streut, Griechenland und womöglich Portugal würden nicht bloss aus dem Euro austreten, sondern auch aus der Demokratie, wird das ein ernst zu nehmender weiterer Dienst am deutschen Vaterland sein, allen sicher darauf folgenden Dementis zum Trotz.

 

Die Verhältnisse treiben auf einen Punkt zu, an dem die Frage gestellt wird: Wer - wen ?

 

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update

 

Wirtschaftsentwicklung in Griechenland:

http://www.querschuesse.de/fakten-zur-griechenland-debatte/

 

 

 

 

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