Griechenland: Imperatorin Merkel besucht die neue Kolonie

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Wenn ein Freedom&Democracy-Apostel das "Schutzgebiet" Afghanistan besucht, muss er kommen wie der Dieb in der Nacht und zusehen, dass er schnell genug wieder das Weite sucht, ehe im die aufmüpfigen Eingeborenen die Kutte ansengen. Soweit ist der zivilgesellschaftliche Aufbau in Griechenland noch nicht ganz gediehen. Vom anstehenden Besuch der deutschen Kanzlerin erfuhr man immerhin vier Tage vorher. Aber den griechischen Eingeborenen kann man so wenig trauen wie den afghanischen. Der Aufwand, sie im Zaum zu halten, ist gewaltig. Über Athen ist praktisch der Ausnahmezustand verhängt - Versammlungsverbot und ein Heer von Polizisten.

 

So kommt Merkel nach Athen. Aber die Imperatorin bleibt huldvoll. Sie erwartet "sehr konstruktive und freundschaftliche Gespräche" (FAZ). Sie hat für die Schutzbefohlenen sogar ein gewisses Verständnis - "... wir wissen auch, wie das an der Seele knabbert, wenn man in einer schwierigen Situation ist." (FAZ). Ja, die Seele. An der knabbert es, wenn die leibliche Hülle nichts mehr zum Knabbern hat. Aber es hilft nichts, stellt die deutsche Kanzlerin klar: "Wir haben ja miteinander auch Vereinbarungen geschlossen, um deren Umsetzung es uns auch geht.“ Da müssen die griechischen Eingeborenen halt durch. Ihr Häuptling Samaras ist jedenfalls guten Willens. Er sieht "eine neue Ära der Zusammenarbeit mit Deutschland" kommen.

 

Da könnte er recht bekommen. Ein griechisches Bantustan als südlicher Appendix an die balkanischen Bantustans würde sich im geostrategischen Sandkasten Grossdeutschlands recht hübsch ausmachen. Mit einer kleinen Unsicherheit ist die "neue Ära" aber schon belastet. Es könnte sein, dass die Griechen ihren Häuptling zum Teufel jagen und sich nicht von deutschen Imperialisten beherrschen lassen. So sind sie halt, die Eingeborenen, in Griechenland wie Afghanistan.  

 

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update

 

Tante FAZ zum Thema: http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/adenauers-griechenlandreise-unbeschreiblicher-jubel-und-kleine-explosionen-11918310.html

 

Und die FTD: http://www.ftd.de/politik/europa/:staatsbesuch-in-griechenland-merkels-ausflug-in-die-kampfzone/70101510.html

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almabu 10/09/2012 19:43


In rund zehn Tagen sollen die Griechen heute angemahnte Reformen erfüllt haben, die sie die ganzen Jahre nicht erfüllen konnten oder wollten, sonst nix money?


Sehr merkwürdig, irgendwie wie ein Zaubertrick aus der Trickkiste von Goldman Sachs...

Aber ein kleines Almosen von 30 Millionen hat Nachtschwester Angela den Griechen mitgebracht, in bar etwa?

Sepp Aigner 10/09/2012 21:48



"in bar": Im Strumpfband wahrscheinlich