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Die OeTV geht mit einer Forderung von um die 6,5 % in die anstehende Tarifrunde und folgt damit der IG Metall. Zur selben Zeit verfuegt die griechische Kolonialverwaltung, die sich Regierung nennt, eine Lohnkuerzung von 22 %. Augenfaelliger koennte die unterschiedliche Lage der deutschen und der griechischen Arbeiterklasse kaum sein. - So sieht es auf den ersten Blick aus. Da bewaehrt sie sich also, die beruehmte deutsche Sozialpartnerschaft. Dahin kommt es also mit griechischem Klassenkampf.
Ein zweiter, genauerer Blick ist notwendig, wenn man ein realistisches Bild gewinnen will. Die deutschen Tarifloehne sind ein Fels, an dem die Brandung der "Standort"-Politik nagt. Jedes Jahr wird die Zahl der prekaeren Arbeitsverhaeltnisse auch in Deutschland groesser. Die Belegschaften werden gespalten in Stammbelegschaft, Leiharbeiter, Zeitarbeiter, Aufstocker, Minijobber. Gerade erfahren die Kolleginnen und Kollegen bei Nokia, dass es keine Arbeitsplatzbesitzer gibt. Nokia ist keine Ausnahme. Wo die Profitkalkulationen erfordern, dass hochqualifizierte Stammbelegschaften rasiert werden, werden sie ohne jedes sozialpartnerschaftliche Bedenken rasiert. Dann reduziert sich die Sozialpartnerschaft auf ein paar Monatsloehne Abfindung. Wer arbeitslos wird, findet sich anschliessend selber in den Billig-Segmenten der Lohnarbeit wieder. Das ist die Zukunft der Lohnarbeit nicht nur in Griechenland, sondern auch in Deutschland. Es geht um die dauerhafte Absenkung der Lohnquote. Das ist der Inhalt der Parole von der "Staerkung der Wettbewerbsfaehigkeit".
Die extremer werdende Spreizung zwischen noch auskoemmlichen Tarifloehnen und Hungerloehnen, von denen man kaum noch leben kann, ist auf nationaler Ebene der strategisch angelegte Weg in die Verarmung der Arbeiterklasse. Um nicht weniger geht es. Das ist die Zukunft, wenn es nach den Absichten der Kapitalisten und der buergerlichen Parteien und Regierungen geht. Das wiederholt sich auf internationaler Ebene. Gerade werden die Griechen auf das Niveau bulgarischer und rumaenischer Lohnarbeit gebracht. Von diesem Trend werden die noch besser gestellten Lohnarbeiterschichten im Zentrum der EU nicht verschont bleiben. Das ist keine Katastrophen-Prophetie. Das geht schon vor sich. Zwei Drittel des "deutschen Jobwunders" sind heute schon eben solche "schon fast griechischen" Drecksjobs. Und jeder solche Drecksjob unterminiert die Tarifloehne.
Uebrigens arbeiten die "faulen Griechen" - die, die noch einen "Vollarbeitsplatz" haben - drei- oder vierhundert Stunden im Jahr mehr als die "fleissigen Deutschen". Neben der Verbilligung der Arbeitsstunde gibt es noch eine zweite wichtige Ressource fuer die Erhoehung der Profite: die Verlaengerung des Arbeitstags - und die Verlaengerung der Lebens-Arbeitszeit. Gestern, Nachrichten im bayrischen Rundfunk: Die erhoehte Lebenserwartung erfordere, dass das Renteneintrittsalter jedes Jahr entsprechend angepasst werden muesse, bei 67 Jahren koenne es nicht bleiben.
In Griechenland sieht einbedeutender Teil der Arbeiterklasse, der politisch der kommunistischen Partei folgt, als einzigen moeglichen Ausweg nur noch den Sturz der Kapitalregierung, die Enteignung der grossen Kapitalisten und eine Wirtschaft, die sich nicht um die "Notwendigkeiten" der Kapitalverwertung schert, sondern auf die Befriedigung der Beduerfnisse der Bevoelkerung ausgerichtet wird. An so etwas auch nur zu denken, erscheint heute der Masse der deutschen Lohnabhaengigen noch als abwegig. Zum Denken kann man niemanden zwingen. Vernunft ist bei keinem Gericht der Welt einklagbar. Es ist aber die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhaeltnisse selbst, die mehr und mehr nahelegt, den eigenen Kopf gruendlich zu entruempeln von den angesammelten Illusionen ueber einen menschengerechten Kapitalismus, die in der Realitaet immer weniger Anknuepfungspunkte haben. Besser waere, mit dem Denken nicht zu warten, bis die deutschen Veerhaeltnisse griechisch geworden sind.
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