Hass auf den Imperialismus

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Das Filmchen, das zum Anlass der anti-westlichen und anti-USamerikanischen Wutausbrüche in der arabischen und islamischen Welt wurde, ist peinlich primitiv, lächerlich schlecht gemacht und dümmlich hetzerisch. Damit bringt es das kulturelle Niveau des Mainstreams im Westen aber ganz gut zum Ausdruck. Die Mischung aus eigener Dummheit und kolonialistischer Überheblichkeit gegenüber der "3. Welt" bestimmt ja jeden Tag die "Tonlage" auch der "seriösen" Massenmedien, und das bleibt bei deren Konsumenten nicht ohne Wirkung. Wer sich diesen Botschaften jeden Tag aussetzt, kann sich dieser Wirkung schwerlich entziehen.

 

Jetzt wird also in den TV-Bildern der arabisch-muslimische Mob vorgeführt. Wie kann man nur Botschaften angreifen und ausräuchern, US-Botschaftspersonal töten, die US-Flagge verbrennen und an ihrer Stelle Flaggen hochziehen, auf denen Allah gepriesen wird ?! Der Normalkonsument schüttelt den Kopf. Die Eiferer der westlichen Überheblichkeit sondern Empörung ab. Aber was solls. Das ist halt Politik. Die selben Köpfe werden auch geschüttelt, wenn die wöchentliche Drohne in Pakistan oder im Jemen wieder ein Dutzend Menschen vom Leben zum Tod befördert hat, wenn NATO-Bomber in Lybien ein paar zehntausend Menschen zu blutigen Klumpen machen, wenn vom Westen bezahlte und ausgerüstete Söldner in Syrien jeden Tag ein paar Dutzend Syrer meucheln. Das ist halt Politik: Dieser kurze Satz ist die Qintessenz des fatalistischen Zynismus der Leute, die sich dem Westen zugehörig fühlen und meinen, dabei handele es sich um den Gipfel der menschlichen Zivilisation, mit der auch der 5- oder 6-Milliarden-Rest der Menschheit beglückt werden müsse. 

 

Dabei zählen kein Völkerrecht und schon gar kein moralisches Tabu. Der Westen hockt in Afghanistan, macht aus Somalia eine Gegend barbarisierter Clans, aus Lybien eine de facto-Kolonie, zerreisst Jugoslawien oder den Sudan, fegt in Afrika oder Lateinamerika Regierungen weg, die ihm aus irgendeinem Grund nicht passen, bedroht Iran mit Krieg, zündelt und mordbrennt in allen Ecken der Welt. Das ist halt Politik.

 

Das hat seinen Preis. Der Preis muss bezahlt werden. Der Hass der Völker auf den Westen ist das Wechselgeld. Ob den Münzen Mohamed aufgeprägt ist oder Bolivar oder Mao, ob die Hassenden den Koran lesen oder das Kommunistische Manifest ist schon wichtig, nämlich für die eigene Perspektive der Hassenden, ihre Erfolgsmöglichkeiten. Aber gemeinsam ist all dem, dass der Westen der Feind ist.

 

Das ist kein eingebildeter Feind fanatisierter Botschaftsstürmer. Das ist der wirkliche Feind der Völker. Der Imperialismus ist die Geissel der Menschheit. Er ist auch die Geissel der Völker der imperialistischen Zentren selbst. Der Imperialismus muss und wird zerstört werden. Das ist die zentrale Ausgangsbedingung für Freiheit. Der Hass ist gerechtfertigt, selbst in seinen dümmlichsten Ausdrucksformen. Es ist der Imperialismus, der für Barbarei steht. Und es ist jede gegen den Imperalismus gerichtete Aktion, die für die Hoffnung auf Zivilisation steht. Der Kampf gegen den Imperialismus entstellt auch die Gesichter der Kämpfenden. Das ändert nichts daran, dass dieser Kampf gerechtfertigt und notwendig ist.

 

Obamas Antwort auf die Ermordung des US-Botschafters in Lybien ist die Entsendung von Kriegsschiffen an die lybische Küste. - die traditionelle kolonialistische Kanonenboot-Politik. Er hat den Einsatz von Drohnen angeordnet. Er schickt das FBI (!) nach Lybien. Seine Spezialeinheiten durchkämmen Lybien, die "neue Demokratie" (!) nach den Tätern. Was sonst. Das ist halt Politik. Das ist halt die Politik des Imperialismus in seiner Untergangsphase. Viel Panzer und wenig Hirn ist eine Variante der Evolution, die sich nicht bewährt hat. Die meisten Vertreter dieserGattung sind schon ausgestorben. Manche leben noch. Wie lange noch ? Ein paar Jahrzehnte ? Ein paar Jahrhunderte ?  Welche Inrigen, Cliquenkämpfe, Verschwörungen auch immer die Liquidierung des US-Statthalters in Lybien bewirkt haben mögen - seine Liquidierung selbst ist ein Symbol für die Verhasstheit des Imperialismus und seinen Niedergang. Das ist halt Politik.

 

 

Veröffentlicht in Westliche Werte Boerse

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aurorakater 09/14/2012 17:18


Es ist wohl nicht ganz so unwichtige, ob der Hass motiviert ist vom Kommunistischen Manifest oder von einem engstirnig interpretierten Koran, wie Du richtig schreibst. Nur die Formulierung, der
"Feind ist der Westen" schliesst die vom Kommunistischen Manifest geprägten Gegner des Imperialismus undifferenziert mit ein und hat damit eine für den Imperialismus erfreuliche "Doppelfunktion".
Man hat ein Feindbild mit dem man von dem eigentlichen Widerspruch Kapital und Arbeit ablenken, seine imperialistischen Raubziele verschleiern kann und man hat die Einheit der
antiimperialistischen Kräfte verhindert. Die Differenzierung zwischen engstirnigen religiösen Fanatikern und wirklichen antiimperialistischen Kräften ( sowohl unter den Arbeitern, den Studenten
und selbst der nationalen Bourgeoisie ) ist eine der kompilziertesten Frage innerhalb der antiimperialistischen Bewegund und unseres Umgangs damit. Es ist der gleiche Feind, aber es sind nicht
die gleichen Ziele ... oft sogar dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegengesetzte.


aurorakater

Sepp Aigner 09/14/2012 18:26



Schwierig, ja. Woran soll man sich halten ? Zwei Ebenen, denke ich:


In den vom Imperialismus beherrschten und in seinem Visier befindlichen Regionen wird es für die Kommunisten im Normalfall darauf ankommen, alle gegen den imperialismus gerichteten interessen zu
vereinigen, von der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauern über das städtische Kleinbürgertum bis zur nationalen Bourgeoisie (des Teils der Bourgeoisie, deren Geschäftsinteressen im
wesentlichen auf den Inlandsmarkt gerichtet sind). Der Feind ist hier die Kompradorenbourgeoisie und der Imperialismus. Wie kompliziert das sein kann, lässt sich z. B. aus der Geschichte der KP
Chinas ersehen. Gleichzeitig hört ja wegen solcher notwendiger antiimperialistischer Bündnispolitik der Klassenkampf nicht auf. Der Widerspruch zwischen Arbeiterklasse und auch "nationaler"
Bourgeoisie bleibt unversöhnlich.


Eine zweite Ebene, natürlich in der Praxis untrennbar mit der ersten verbunden, ist der ideologische Kampf. Die hier verlaufenden "Fronten" sind nicht kongruent mit den sozialen/klassenmässigen
und anders als in den imperialistischen Zentren. Dem Entwicklungsstand dieser Gesellschaften entsprechend haben reaktionäre Ideologien, beispeilsweise ein "fundamentalistischer" Islam, in vielen
Ländern grossen Einfluss auch und gerade auf die Volksmassen. Die "aufgeklärten", "liberalen", "demokratisch gesinnten" Leute sind eher in der nach dem Westen schielenden Intelligenz und in
der Bourgeoisie zu finden. Es sind diese Kreise, auf die der Imperialismus im ideologischen Kampf vorwiegend zielt - um KOMPRADOREN ZU GEWINNEN. (Im "arabischen Frühling" war das gerade deutlich
zu sehen.)


Deswegen verlaufen die "ideologischen Fronten" in diesen Ländern etwas anders als in den imperialistischen Zentren. Man muss, denke ich, genau hinsehen und darf die westlichen Abstempelungen -
fundamentalistisch, reaktionär, mittelalterlich - nicht unbesehen übernehmen. Ich habe mir Hamas etwas näher angesehen, und für die libanesische Hizbollah gilt, glaube ich Ähnliches". Das macht
mir den Eindruck, dass der Islam (ähnlich wie die christliche Befreiungsideologie in Lateinamerika) ein gewisses revolutionäres (antiimperialistisches) Potential haben kann - als Ideologie eines
radikalisierten antiimperialistischen Kleinbürgertums.


Hier ein Artikel, der m.E. in dem Zusammenhang interessant ist: http://kritische-massen.over-blog.de/article-islamischer-sozialismus-37924397.html