Herr Erb und die Pressefreiheit

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Wie bekannt, bringt die Frankfurter Rundschau ueber Venezuela stets Sachen, die die Regierung Chavez in einem guenstigen Licht erscheinen lassen. Die Erfolge werden herausgestrichen, die Missstaende kleingeschrieben ...

 

Das ist natuerlich fiktiv. Die FR macht genau das Gegenteil. Aber was wuerde passieren, wenn sie es anders machen wuerde ? Wenn sie nicht mit starker Tendenz ganz mainstreamvorschriftsmaessig gegen Venezuela schreiben lassen wuerde ? Was wuerden die Grosskunden de Anzeigenteils der FR dazu sagen ? Was die Eigner des Blatts ? Was wuerde mit einem Journalisten passieren, der, wenn er ueber Venezuela schreibt, nicht GEGEN Venzuela schreibt ? Und was mit einem Chefredaktuer, der solches durchgehen liesse ?

 

Sebstian Erb, Frankfurter Rundchau:

 

"Was ist die Folge des Drucks ? ... Selbstzensur."

 

Ist das das Bekenntnis eines deutschen Journalisten einer deutschen Zeitung, die den Gesetzen des Marktes unterworfen ist und sich entsprechend den wirtschaftlichen Interessen und politischen Erwartungen der grossen Anzeigenkunden anzupassen hat und daher, selbst bei "gutem journalistischen Willen", auf das politisch Zulaessige einzuschraenken hat ?

 

Natuerlich nicht. Sebastian Erb schreibt nicht ueber sich selbst und sein Blatt, sondern ueber ... Venezuela.

 

Dort, IN VENEZUELA, ist es so:

 

" "Man muss sehr aufpassen, was man sagt", beklagt die Fernsehreporterin Nunez. Es kann Strafen hageln, wenn Nachrichten gesendet werden, die die oeffentliche Ordnung stoeren oder die Sicherheit des Staates gefaehrden."

 

So eingeschraenkt ist also die Pressefreiheit - in Venezuela. "Die meisten ... (privaten Medien) ... unterstuetzten 2002 aktiv oder passiv den Putsch gegen Chavez" und hetzen acht Jahre spaeter immer noch jeden Tag gegen die Regierung, "vergleichen Chavez gerne mal mit Mussolini oder Hitler" - und wegen solcher Kinkerltzchen kriegt die arme Fernsehjournalistin Nunez drei Fragen an den Praesidenten von dem nicht beantwortet,  wo sie doch noch dazu fuer die groesste private Tageszeitung, also das groesste Hetzblatt arbeitet. Was nimmt sich dieser Chavez bloss raus ?! Und nicht nur das - der "Zugang zu Informationen" ist generell "nicht leicht". Frau Nunez "hat keinen einzigen Kontakt in der Regierung, der sie zumindest informell mit Information versorgen koennte". Unglaublich. Bloss weil sie fuer eine Zeitung schreibt, die Chavez wegputschen moechte, kriegt sie keine Regierungs-Interna, nicht einmal informelle Informationen. (Nebenbei: Was genau sind gleich wieder informelle Informationen, Herr Erb ?)

 

Gleichwie, in Deutschland ist das jedenfalls doch ganz anders. Die junge welt zum Beispiel oder die kommunistische UZ haben jede Menge "Kontakt in der Regierung, der sie zumindest informell mit Informationen versorgen koennte". Abteilungsleiter aus dem Kanzleramt, Sekretaerinnen aus dem Innenministerium, Referatsleiter aus dem Wirtschaftsressort etc.pp. rufen so gut wie stuendlich bei der jw- und UZ-Rdaktion an und berichten uber die neuesten Interna. Es macht niemandem etwas aus, dass die freien Medien, von der ARD bis zur FAZ und den vier Buchstaben, bei denen mir stets unwillkuerlich ein anderes Wort mit vier Buchstaben einfaellt, der Kanzlerin praktisch taeglich versprechen, sie bei Gelegenheit zu kidnappen und gewaltsam von der Macht zu entfernen. Kein Regierungsmensch denkt auch nur daran, dagegen gerichtlich vorzugehen, kein Staatsanwalt ermittelt gegen die FAZ wegen Bildung einer terrroristischen Vereinigung, die Kanzlerin benatwortet jede Frage des Herrn Erb, Frankfurter Rundschau, die freilich nicht die groesste private Tageszeitung ist, gewissenhaft und freundlich ...

 

Und weil es in Deutschland so pressefreiheitlich zugeht, steht es auch nicht, "wie Venezuela auf Platz 124 von 175 Laendern" auf der Rangliste der Presssefreiheit der renommierten Reporter ohne Grenzen - NGO, die bekanntlich nicht das Mindeste mit der CIA zu tun hat.

 

"In Venezuela ist einseitige Berichterstattung an der Tagesordnung ... Gute Recherche oder gar investigativer Journalismus ist Mangelware", weiss Herr Erb.

 

- IN VENEZUELA, nicht wahr,  Herr Erb ?!

 

Hier steht die investigative Meisterleistung von Sebastian Erb: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/282034_Medien-in-Venezuela-Drei-Fragen-an-den-Praesidenten.html

 

 

Nachtrag:

 

Ein NNG-Redakteur scheint den investigativen Journalismus der FR auch zu moegen und hat Herrn Erbs Artikel kommentarlos ins Netz gestellt. Und weil eine ausgewogene Berichterstattung - 99,9 % Mainstream-Medien plus 0,1 % kritische Medien minus (?) % Kolportage aus dem Mainstream auf der NNG-Seite - so wichtig ist, steht auf der NNG-Seite zur selben Zeit in naher Nachbarschaft zu Herrn Erbs aufklaerendem Beitrag gleich noch ein FAZ-Artikel, der ueber den unvermeidlichen Niedergang der venezolanischen Staatswirtschaft herausragend objektiv informiert. Und weil NNG so fair ist, werden die FR und die FAZ demnaechst gern NNG-Artikel uebernehmen. Jedenfalls, wenn es sich um die eigenen handelt.

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P
<br /> <br /> ... NNG. Genau das ist das Problem wenn man nur den Feed liest. Deswegen Stand direkt darunter auch die Aufklärung für den Leser von NNG. Der Link zum Artikel klappt bestens<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Akzeptiert.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Die FR scheint schnell gehandelt zu haben.<br /> <br /> <br /> Wenn man Deinem Link folgt heisst es: Der angewählte Artikel ist nicht mehr verfügbar!<br /> <br /> <br /> ... und da heisst es immer, Blogger hätten keinen Einfluss ;–))<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Danke fuer den Tipp. Aber ich vermute, die machen das routinemaessig. Obwohl Deine Vermutung mir natuerlich besser gefallen wuerde ...<br /> <br /> <br /> <br />
U
<br /> Die Kritik an den Artikel bei NNG ist fasr richtig, allerdings hängen unter den Artikeln weitere Links, z.B. bei dem FR-Beitrag folgender: Zum Thema: [Portal amerika21.de] Propagandshow der<br /> billigen Sorte in der FR Leider sieht man dies nicht, wenn man nur den Feed abonniert hat.<br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ja, es ist schon richtig, dass neben dem FR- und der FAZ-Artikel auf der NNG-Seite auch mehrere Beitraege zu Venezuela/Lateinamerika standen, die nicht unter die Kategorie Mainstream-<br /> Mind Operations fallen. Mein Arguemnt war: Wenn wir eh schon rund um die Uhr von Mainbstream-Medien zugespamt werden - muss dann NNG deren Geschichtchen auch noch transportieren ? Ist<br /> es dafuer in einer alternativen Medienplattform nicht schede um den Platz ?<br /> <br /> <br /> <br />