Höhere Profite = mehr Ausbeutung

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Profitrekordler

 

Deutsche Umsatzrenditen explodieren

 

Daniel Behruzi

 

In: junge Welt vom 27.07.2011

 

 

 

Die Rationalisierungs- und Kürzungsprogramme deutscher Konzerne tragen Früchte. Laut einer vom Handelsblatt am Dienstag dokumentierten Studie haben die hiesigen Unternehmen ihre Profitabilität extrem gesteigert - und die internationale Konkurrenz abgehängt. Während die 50 größten deutschen Firmen auf eine Nettoumsatzrendite von 4,8 Prozent kommen - bei den Dax-Unternehmen sind es gar 5,4 Prozent -, erreichen die weltweit größten Konzerne eine Marge von »nur« 4,7 Prozent (ohne die Ölbranche). Damit liegt die hiesige Wirtschaft, der von bürgerlichen Analysten stets eine Profitschwäche nachgesagt wurde, im globalen Wettbewerb erstmals vorn.

 

Die Gründe für den Renditerekord sind klar. Neben den boomenden Exportmärkten sei »aggressives Kostenmanagement« dafür verantwortlich, so die Handelsblatt-Autoren. Übersetzt heißt das: Die deutschen Unternehmen haben es in den vergangenen Jahren geschafft, noch mehr aus ihren Beschäftigten herauszupressen. Die Wege dahin sind so vielfältig wie einfach: Arbeitsplatzvernichtung, Prekarisierung, Gehaltskürzung, Ausgliederung, Verlagerung in Billiglohnländer, »Effektivierung« von Produktion und Verwaltung. Auf diese Weise haben es die hiesigen Konzerne binnen eines Jahres geschafft, ihre Umsätze um 13 Prozent, ihre Nettogewinne aber um 203 Prozent (!) zu steigern. Weltweit lagen diese Werte bei 20 und 39 Prozent.

 

Die Zeche zahlen - wie sollte es anders sein - die Beschäftigten. Abzulesen ist das an den Reallohnverlusten, die sich in der vergangenen Dekade auf 4,5 Prozent belaufen. Weniger sichtbar sind die Auswirkungen auf die Bedingungen in den Betrieben, die sich teils dramatisch verschlechtert haben. Laut WSI-Betriebsrätebefragung sind der Arbeitsstreß und die Leistungsanforderungen im Zuge der Krise um 88 bzw. 91,5 Prozent gewachsen.

 

Die Arbeitszufriedenheit sank um 62 Prozent. Entsprechend hat sich die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen einer DAK-Studie zufolge innerhalb von zwölf Jahren verdoppelt.

 

Die von dem Wirtschaftsblatt gefeierten Zahlen zeigen also vor allem eins: die extrem gesteigerte Ausbeutung der abhängig Beschäftigten. Und sie belegen das Scheitern aktueller Gewerkschaftsstrategien. Im Zuge der »Standortsicherung« sind Betriebsräte vielfach zu Mittätern im Rationalisierungsprozeß geworden. Ihr Expertenwissen wird mobilisiert, um auch die letzte »Luft rauszulassen«, um die Abläufe so weit zu rationalisieren, daß den Arbeitenden jeglicher Freiraum entzogen ist.

 

Ergänzt wird dies durch reale oder sogar absolute Lohnkürzungen auf betrieblicher und tariflicher Ebene. Dankbarkeit haben die Beschäftigtenorganisationen für ihre Mitarbeit am neusten deutschen Wirtschaftswunder nicht zu erwarten. Denn das Kapital ist naturgemäß unersättlich. Den aktuellen Profitrekorden müssen neue folgen - solange ihnen kein ernsthafter Widerstand entgegengesetzt wird.

 

via: http://www.triller-online.de/index2.htm

 

 

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