In Kolumbien tut sich was

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Kolumbien ist bisher eine der wenigen verbliebenen Hochburgen der US-Dominanz in Lateinamerika. Nachdem das ALCA-Projekt, mit dem die USA die neokolonialen Verhältnisse "modernisiert" werden sollten, gescheitert war, versuchten die USA das selbe Ziel mit anderen Mitteln zu erreichen - Freihanelsabkommen mit den einzelnen Staaten. Mit Kolumbien haben sie ein solches Abkommen erreicht, wie sich die kolumbianischen Rechtsregierungen überhaupt den USA unterordneten. Der Versuch der USA, Venezuela auf kolumbianischen Boden mit einem Ring von Militärstützpunkten zu umgeben und damit das Land zur Aufmarschbasis gegen den Nachbarn zu machen, ist ebenfalls noch nicht vom Tisch.

 

Aber jetzt muckt es in dieser Hochburg. Die US-abhängige Bourgeoisie und ihr staatlicher Machtapparat haben das Land nicht mehr sicher im Griff. Die selben oppositionskräfte, die sie Ende der 1980er Jahre buchstäblich den Kopf abgeschlagen hat, formieren sich neu.

 

RedGlobe schreibt dazu:

 

 

100.000 Menschen demonstrieren in Bogotá für linke Alternative    
Kolumbien
 

 

Alternative für Kolumbien: Patriotischer Nationalrat

Alternative für Kolumbien: Patriotischer Nationalrat

Aufgerufen von mehr als 1500 Organisationen aus dem ganzen Land nehmen heute in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá rund 100.000 Menschen am »Patriotischen Marsch für die zweite Unabhängigkeit« ihres Landes teil. Die Aktion ist der Höhepunkt eines zweijährigen Vorbereitungsprozesses, der am gestrigen Sonntag bereits zur Gründung einer neuen Linkspartei, dem Patriotischen Nationalrat, geführt hat.

»Der Patriotische Marsch soll der organisierte Ausdruck der realen Widerstandsbewegungen der gewöhnlichen Männer und Frauen in allen Teilen des Landes sein«, erklärte Carmen Villalba, eine der Sprecherinnen der Bewegung. Von drei Punkten in der Hauptstadt aus ziehen die Demonstranten heute zur Plaza Bolívar im Zentrum Bogotás, streng überwacht von Tausenden Polizisten und anderen Sicherheitskräften. Die frühere Senatorin Piedad Córdoba, die von der Liberalen Partei zur neuen Bewegung gewechselt ist, kritisierte das Verhalten der Behörden. Agenten der Geheimpolizei versuchten, den Patriotischen Marsch zu unterwandern, warnte sie und forderte Staatschef Juan Manuel Santos auf dafür zu sorgen, dass Provokationen unterbleiben. »Wir sind 100.000 friedliche Bürgerinnen und Bürger, die Kolumbien sagen wollen, dass wir den Frieden suchen und wollen, dass der Krieg beendet wird«, unterstrich sie.

Am Vortag hatten die Delegierten der beteiligten Organisationen nach zweitägigen Beratungen mit dem Patriotischen Nationalrat eine neue Partei gegründet, die sich in der Tradition der Ende der 80er Jahre entstandenen Patriotischen Union (UP) sieht. Diese Partei war als Ergebnis von Friedensverhandlungen zwischen dem Regime und der FARC-Guerrilla entstanden. Der Schritt zu einer legalen Opposition scheiterte jedoch am schmutzigen Krieg von Paramilitärs und Regierung. 3000 Mitglieder der UP wurden damals ermordet, die Partei physisch ausgerottet. Zu den wenigen Überlebenden gehört Jaime Caycedo, der sich heute ebenfalls für den Aufbau der neuen Linkspartei engagiert.

Inhaltlich definiert sich der Patriotische Nationalrat als der Bolivarischen Allianz für die Völker Unseres Amerikas (ALBA) nahestehend und als Verbündete der linken und linkspatriotischen Parteien des Kontinents, von denen viele Gäste zum Kongress entsandt hatten. Zudem beschlossen die Delegierten, dass sich die neue Partei auch dem Linksbündnis Alternativer Demokratischer Pol (PDA) anschliesst, dem unter anderem auch die Kolumbianische Kommunistische Partei (PCC) angehört.

Das Regime verdächtigt die neue Partei, ein legaler Arm der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) zu sein. Das wird von den Vertretern des Patriotischen Nationalrats entschieden bestritten. Man habe keinerlei Verbindungen zu irgendeiner illegalen bewaffneten Gruppe, hiess es.

 

Quelle: http://www.redglobe.de/amerika/kolumbien/5121-100000-menschen-demonstrieren-in-bogota-fuer-linke-alternative

 

 

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gkb 24/04/2012


Ebenso wenig, wie sich "die kolumbianischen Rechtsregierungen den USA unterordnen", sind es "die selben Oppositionskräfte, denen sie Ende der 80er-Jahre den Kopf abgeschlagen hat", die sich
formieren.


 


Es geht um ein Land, in dem die Mittel aus dem für es eingerichteten  US-Militärprogramm eine Art urbanes Wirtschaftswunder erzeugt haben, während gleichzeitig - gut vorbereitet durch die
jahrzehntelangen Para-Massaker - Grund und Boden ideal zusammengefasst sind für wirklich international konkurrenzfähige Landwirtschaft bzw. ganze Regionen als halbwegs eigenständige Öko-Emirate.


 


Für die Paras galt Ende der 90er der Wahlspruch des Leoparden: "Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, müssen wir uns ändern." Sie sind heute nicht mehr Instrument der Besitzenden,
sondern unter Uribe selbst politische Partei geworden, weil der Fortbestand alter Verhältnisse durch den US-Plan Colombia in Frage gestellt war.


 


Kurz: Es ist ein Land mit einer völlig neuen Klassenlage und einer von dadurch entstandenen und entstehenden Auseinandersetzungen weitgehend abgeschnittenen FARC. Verteilungskämpfe in den Zentren
haben notwendigerweise den Zufluss von US-Militärmitteln als Grundlage des zu Verteilenden. Kleinbäuerlichkeit gibt es indes nur noch als eine Erinnerung, die einen als Randbewohner Bogotas,
Medellins oder Calis an der richtigen Führung des alltäglichen Überlebenskampfs hindert.


 


Ich weiß nicht, ob Du und RedGlobe Ende der 80er schon etwas über die von den M19 angeführte Patriotische Union gewusst habt. Aber ich kann Euch zukommen lassen, wie das damals von euresgleichen
beurteilt wurde.

gkb 24/04/2012


Die letzten beiden Zeilen meines Kommentars sind Stuss. Die hätte ich gerne gestrichen.

gkb 24/04/2012


Nicht schon gut: Nicht nur, dass die letzten beiden Zeilen unfreundlich rüberkommen. Sie sind inhaltlich falsch, ich hab da im Eifer Benennungen durcheinander gebracht.


 


Das drüber möchte ich dagegen fett und unterstrichen haben, auch wenn Du nicht drauf eingehst. Eine Übersetzung, wie ich es meine: Es gibt keine bäuerliche Bevölkerung als Klasse mehr, und es
gibt keine Kompradorenbourgeoisie als Klasse mehr.


 


Der Uribismo ist keine Unterordnung unter die US-Interessen, sondern die Reaktion der Paras als Paras auf den Plan Colombia - sprich: ihr Verständnis von nationaler Unabhängigkeit gegenüber den
USA.