In München gibt es jetzt einen Resi-Huber-Platz

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

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München: Platzbenennung nach Resi Huber

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Resi_Huber_25012.12.2012: Einstimmig beschloss der Kommunalausschuss des Münchner Stadtrats in seiner Sitzung am 18.10.2012 "den Platz an der Impler-, Brudermühl- und Thalkirchner Straße nach der Münchner Antifaschistin Resi Huber zu benennen". Der Beschluss zum Resi-Huber-Platz geht auf einen Antrag des BA Sendling vom November 2011 zurück. An diesem Donnerstag, dem 13. Dezember, dem Geburtstag der Kommunistin und Antifaschistin, bekommt der Platz nun den Namen „Resi-Huber-Platz“.

Die meisten kannten unsere Genossin Resi noch als die „gute Fee“ der Otto-Huber-Hütte am Ammersee. Jener Baracke, die ehemalige KZ-Häftlinge nach ihrer Befreiung dort aufgestellt haben, an dem Platz wo sie vor der Nazi-Tyrannei ihre Sommer-Wochenenden verbrachten. Resi hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Platz und die Hütte zu einer antifaschistischen Gedenk- und vor allem Begegnungsstätte wurden.

Politische und gewerkschaftliche Jugendgruppen, aber auch Parteigruppen, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), das Ökumenische Büro, die einer Solidaritätsbrigade den Namen Resi Huber gaben, und viele Einzelpersonen trafen sich hier zu Seminaren und Erfahrungsaustausch und erfuhren durch Resi und andere Mitglieder der Hüttengemeinschaft die Geschichte der Hütte, des Naziterrors und des antifaschistischen Widerstandskampfes, z.B. der Gruppen Olschewski/Binder und Hartwimmer.

resi_huber_jung_250Resis Gabe, anschaulich zu erzählen, machten sie zur begehrten Zeitzeugin in Schulen, Universitäten, Jugendgruppen, aber auch im Hörfunk und in dem Film „Stärker als die Angst – Frauen im Widerstand gegen Hitler“. Dort erzählte sie, wie sie als junges Mädchen in Dachau die Machtergreifung der Nazis erlebte, vom Dachauer Aufstand gegen die Nazis wenige Tage vor dem Ende des Krieges, wo sie mit Dachauer Frauen Barrikaden baute und Zivilkleidung für die Häftlinge beschaffte. Vor allem aber über ihre Arbeit, die sie als Zivilangestellte zwei Jahre lang in der Plantage der SS neben dem KZ Dachau machen musste. Gewissermaßen über Nacht gerät sie in das Räderwerk der Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Und sie ergreift spontan Partei für die Gepeinigten und Unterdrückten, riskiert ihr Leben, um den Gefangenen zu helfen. Sie schmuggelt Briefe der Häftlinge an ihre Angehörigen hinaus, beschafft Lebensmittel für die Hungrigen, sogar Messwein für die inhaftierten Pfarrer. Und sie macht dies, weil ihr Gerechtigkeitssinn, ihr Mensch-bleiben-wollen ihr diese Entscheidungen abverlangen und sie den Mut dazu hat. „Ich hab doch nicht einfach wegschauen können“, sagte sie einmal zu mir. Resi hat nie weggeschaut, hat immer Partei ergriffen und Zivilcourage bewiesen.

Den ersten Schritt zur kommunistischen Partei machte sie bereits vor Kriegsende, in Gesprächen mit den kommunistischen Häftlingen in der Plantage. Anfangs mehr gefühlsmäßig. Sie wollte zu denen gehören, die die Welt zu Frieden und Gerechtigkeit verändern wollten. Und die trotz bitterster Gefangenschaft diesen unerschütterlichen Optimismus ausstrahlten. In die KPD trat sie dann am 1. Mai 1946 ein. Sie bleibt Kommunistin bis an ihr Lebensende. Auch in der Illegalität nach dem KPD-Verbot. Von den erneuten Kommunistenverfolgungen zur Zeit des Kalten Krieges ist sie selbst betroffen, als die Aktion „Frohe Ferien für alle Kinder“, in der sie sich stark engagiert hatte, als „verfassungswidrige“ und „kommunistische Hilfsorganisation“ verboten wird.

1968 gehört sie zu den ersten, die der neukonstituierten DKP beitreten. Resi ist aktiv in ihrer Gruppe, arbeitet viele Jahre im Kreisvorstand der DKP mit, ist bis zuletzt im Kreisvorstand der VVN-BdA tätig und kämpft mit der Sendlinger Friedensinitiative gegen die geplante NATO- Raketenstationierung in der BRD. Der Kampf für Frieden war Resis Herzensanliegen, die alles übergreifende Lebenslinie. Als sie ihre Tochter Gabi in einer Bombennacht 1944 zur Welt bringt schwört sie sich. „Ich werd alles tun, was ich kann in meinem Leben, dass nicht wieder ein Krieg kommt. Meine Lebensaufgabe ist es, gegen den Krieg zu kämpfen“. Ein Vermächtnis, dem sie bis zum Ende treu blieb. Resi fehlte wohl auf keiner Friedens- und Antikriegsdemonstration. Bis zum bitteren Ende. Ihre letzten Manifestationen richteten sich gegen den Krieg der NATO gegen Jugoslawien im März 1999. Das sei ihre schmerzlichste Niederlage im Friedenskampf, sagte sie zu mir bei einer Mahnwache am Marienplatz: Ein erneuter Krieg in Europa und erstmals auch wieder von deutschem Boden aus. Das hat ihr auch die letzte Kraft geraubt. Ein Jahr später starb Resi.

Text: Fred Schmid


ICH KANN DEN VERBRECHERN
DES KRIEGES NICHT VERZEIHEN;
EIN VERGESSEN DER VERBRECHEN
IST MIR NICHT MÖGLICH;
DIE TRAUER ÜBER DEN
MASSENMORD AN DER JUGEND,
AN ALTEN MENSCHEN UND KINDERN,
DIE TRAUER ÜBER DEN TOD
MEINES BRUDERS UND VATERS
SOWIE VIELER FREUNDE
IST KEINE ÜBERWUNDENE TRAUER

(Aus Resis Rede auf dem Rotkreuzplatz
zum 40. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkrieges)

Platzbenennung zum Geburtstag der Antifaschistin
und Kommunistin Resi Huber

am 13. Dezember 2012, 16 Uhr
München, Ecke Thalkirchner-/Impler-/Brudermühl-Str

Resis Lebensgeschichte ist aufgezeichnet in der Broschüre
Das Wild-Reserl und die „KZ-Plantage“
Herausgeber: Freundeskreis der Otto-Huber-Hütte
Schutzgebühr 5.00 Euro + Versand
Bestellmöglichkeit: Fred Schmid, Mainzerstr. 21, 80804 München

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