John Reed und seine Reportage "Zehn Tage, die die Welt erschütterten"

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Als junger Bursche habe ich John Reeds Reportage über die Oktoberrevolution "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" gelesen, mehrmals. Mittlerweile habe ich zu diesem Thema ziemlich viel gelesen.Aber nach wie vor ist John Reeds Büchlein für mich die packenste Schilderung der entscheidenden Revolutionstage, bereichert um kurze, aber treffende Charakterisierungen der Kräfte und Parteien, die damals agierten. Ich empfehle das Buch jedem, der sich in die Oktoberrevolution hineinversetzen will. Es lässt erspüren, dass wir tatsächlich zuwege bringen können, den Namen unserer Spezies "Homo sapiens" eines Tages zu Recht für uns in Anspruch zu nehmen. Gerade die Jungen, die dabei sind, sich aufzurichten und die ersten Schritte des aufrechten Gangs mit erhobenem Kopf zu tun, sollten dieses Buch lesen. 

 

John Reeds Geburtstag jährt sich 2012 zum125. Mal. Aus diesem Anlass erinnert Ehrenfried Prössnek an den grossen Revolutionär und Autor. Prössnekschliesst mit einem Gedicht von Bertolt Brecht, das John Reed vermutlich sehr gefallen hätte.

 

 

Ehrenfried Pößneck

Anlässlich des 125. Geburtstages von John Reed

„Zehn Tage, die die Welt erschütterten" (Berlin 1966) 

 

 

Geboren wurde John Reed am 20. Oktober 1887 in Portland (USA). 1919 war er Mitbegründer der Kommunistischen Arbeiterpartei Amerikas, 1920 Teilnehmer am Kongress der Kommunistischen Internationale. Sein Todestag ist der 17.10.1920, beigesetzt wurde er an der Kreml-Mauer.

 

Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie an der Harvard-Universität gingen John Reed und seine Gattin Louise Bryant als Reporter nach Europa. Im Sommer 1917 begaben sie sich nach Russland, um von dort über die revolutionären Ereignisse zu berichten.

 

John Reeds Buch "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" gewährt uns Einblick in den erbitterten Kampf gegen die Unterdrückung durch die besitzenden Klassen. Besonders in den Kapiteln "Der heraufziehende Sturm", "Der Sturz der Provisorischen Regierung", "Die revolutionäre Front", "Die Konterrevolution" sowie "Sieg" schildert er sehr anschaulich, welcher Geist die Kämpfenden beseelte, wie sie sprachen, wie sie handelten, aber auch, wie ihre Führer aussahen.

 

Mit Hochachtung und Begeisterung berichtete John Reed über den II. Sowjetkongress. So schrieb er über den 26. Oktober (8. November 1917): "Es war genau 8 Uhr 40, als ein Ausbruch jubelnder Begeisterung den Eintritt des Präsidiums, mit Lenin in seiner Mitte, ankündigte. Eine untersetzte Gestalt mit großem, auf stämmigem Hals sitzenden Kopf, ziemlich kahl. Kleine bewegliche Augen, großer sympathischer Mund und kräftiges Kinn.. In abgetragenem Anzug, mit Hosen, viel zu lang für ihn. Zu unauffällig, um das Idol eines Mobs zu sein, aber doch geliebt und verehrt wie selten ein Führer in der Geschichte. Ein Volksführer eigner Art.. dank der Überlegenheit seines Intellekts; nüchtern, kompromisslos und über den Dingen stehend, ohne Effekthascherei - aber mit der Fähigkeit, tiefe Gedanken in einfachste Worte zu kleiden und konkrete Situationen zu analysieren. Sein Scharfsinn ist verbunden mit der größten Kühnheit des Denkens." (S. 180 f.)

 

Lenin verkündete auf diesem Kongress den Beginn des Aufbaus der sozialistischen Ordnung.

Das erste Wort der Sowjetmacht galt dem Völkerfrieden. Es war das Dekret über den Frieden. Angenommen wurde auch das Dekret über den Grund und Boden.

 

Ebenso beschlossen die Delegierten das Dekret über die Konstituierung der Regierung, die den Namen Rat der Volkskommissare führte. (S. 195) In Kapitel zum Bauernkongress äußerte er sein tiefes Verständnis der mit dem bewaffneten Aufstand eingeleiteten und inzwischen gefestigten Sowjetmacht. Dabei stützte er sich auf Lenins Antworten, die er am 18. (5.) November 1917 auf zahlreiche Anfragen von Bauern gab. Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare gab bekannt, dass die Macht im Staate von jetzt ab restlos in die Hände der Arbeiter- Soldaten- und Bauerndeputierten übergegangen war. Er forderte die Bauern auf, selbst die ganze lokale Macht in ihre Hände zu nehmen.(S. 496 f.)

 

Mit Recht hielt John Reed die russische Revolution für eine der größten Leistungen in der Menschheitsgeschichte.

 

Sein Werk fand in der internationalen Arbeiterbewegung hohe Anerkennung. Lenin schrieb in seinem Vorwort für das amerikanische Volk 1919, in dem er den Arbeitern in aller Welt von Herzen dieses Buch mit der Begründung empfahl, es sei eine wahrheitsgetreue und äußerst lebendige Darstellung der Ereignisse, die für das Verständnis der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats von größter Bedeutung sei. (S. 5)

 

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution eröffnete eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte. Es begann das Zeitalter des Überganges vom Kapitalismus zum Sozialismus. Bahnbrechende Leistungen vollbrachte das Sowjetvolk beim sozialistischen Aufbau, im Großen Vaterländischen Krieg bei der Zerschlagung der faschistischen Aggressoren und der Erhaltung des Weltfriedens.

 

Trotz der Niederlagen des Sozialismus in den europäischen RGW- und Warschauer-Vertrags-Staaten kämpfen Völker weiterhin unermüdlich gegen Unterdrückung, Bevormundung sowie für Gleichberechtigung, die Erhaltung des Friedens und um den Sozialismus.

 

Bertold Brecht sagte in dem Gedicht

 

"Lob der Dialektik"

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.

Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.

Die Gewalt versichert: So wie es ist, bleibt es.

Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden

Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut: Jetzt beginne ich erst.

Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt: Was wir wollen, geht niemals.

Wer noch lebt, sage nicht: Niemals! Das Sichere ist nicht sicher.

So, wie es ist, bleibt es nicht.

Wenn die Herrschenden gesprochen haben Werden die Beherrschten sprechen.

Wer wagt zu sagen: Niemals?

An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.

An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns.

Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!

Wer verloren ist, kämpfe!

Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?

Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen

Und aus Niemals wird: Heute noch!

 

 Quelle: http://www.triller-online.de/index2.htm

 

 

Veröffentlicht in Geschichte

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gkb 07/12/2012 11:18


"Heisser Tipp" - wäre ein guter Titel für ein Reed-Buch über die Jahre 1937/38 gewesen, wenn er nicht so früh gestorben wäre. Im Übrigen: Du hast es natürlich wieder einmal erraten!

gkb 07/11/2012 21:49


Da Du (und einiger Deiner LeserInnen offenbar auch) ja Freunde von John Reeds Oktober-Schilderungen seid - und investigative Geister, die sich vom bürgerlichen Medienapparat nicht leicht ein X
für ein U vormachen lassen: An prominenter Stelle der Reed'schen Schilderungen kommen die Genossen Trotzki, Schljapnikow und - insbesondere - Antonow-Owsejenko vor. Was ist den aus denen
eigentlich geworden?

Sepp Aigner 07/12/2012 10:14



Heisser Tipp: Wikipedia ! Oder ist das gar keine Frage, sondern etwas anderes, das als Frage getarnt ist ?



aurorakater 07/11/2012 09:00


Ja, wir könnten wohl eine Menge Bücher aufzählen, die Wichtig sind und vor allem, die jeden Einzelnen von uns geprägt haben. Darunter zählt natürlich auch "Wie der Stahl gehärtet wurde" von
Ostrowski und es ist erfreulich, dass ein Leipziger Verlag dieses Buch neu aufgelegt hat. Andere Bücher haben leider nicht so ein Glück und ich denke da auch an die von meinen Freunden und von
mir so geschätztem Bücher von Simonow "Die Lebenden und die Toten" ... Man sollte immer wieder in ihnen lesen, um die Zeit zu verstehen und nicht, wie es heute üblich ist, aus der Gegenwart den
Stab zu brechen.


aurorakater

gunther 07/10/2012 23:52


Ich suche den Artikel über Demokratie und Integration/Sarazin, ist der noch vorhanden?

Sepp Aigner 07/12/2012 10:12



Der müsste unter der Rubrik "gegen Rechts" zu finden sein.



Karl Heinz Winkler 07/10/2012 17:08


Mich persönlich hat am meisten "Der stille Don" von Michail Scholochow beeindruckt.


Mit kommunistischem Gruß


Karl Heinz

Sepp Aigner 07/11/2012 03:08



Ja, gehört für mich zu den ganz grossen Büchern des 20. jahrhunderts.