Kein Krisenende - das Spiel ist bald aus

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Gemessen am BIP ist der Einbruch von 2008 in diesem Jahr zu etwa drei Vierteln ausgeglichen worden - anders gesagt: Der Stand von 2008 ist immer noch nicht wieder erreicht. Die Krise ist deswegen nicht zu Ende. 2010 war vermutlich eine Zwischenerholung. Diese ist in den meisten entwickelten kapitalistischen Staaten bei weitem nicht so deutlich ausgefallen wie in Deutschland. Die Volkswirtschaft einiger westeuropäischer Staaten schrumpfen sogar weiter.

 

Wenn von Wachstum die Rede ist, ist zuallererst zu konstatieren: Für die Masse der Bürger, die Lohnabhängigen, wächst da garnichts. Die Reallöhne stagnieren oder sinken weiterhin. Nominelle Erhöhungen werden aufgefressen von den allfälligen Erhöhungen der Abgaben an den Staat -erhöhten Steuern etwa für Treibstoff und Tabak, höhere Preise für kommunale Dienstleistungen und öffentliche Verkehrsmittel etc. .In den nicht durch Tarifverträge geschützten Bereichen der Lohnarbeit breiten sich Hungerlöhne aus, die selbst bei einem Vollzeitjob kein normales Leben mehr sichern. Ein wachsendes BIP bedeutet nicht, dass die Masse der Bürger wieder besser lebt. Steigerungen in der Binnennachfrage kommen nicht aus dem Massenkonsum, sondern aus Investitionen, die am Export hängen oder von staatlichen Programmen finanziert sind.

 

Die deutsche "Export-Offensive" schädigt die umliegenden Volkswirtschaften des EU-Raums im selben Mass, in dem sie das deutsche BIP verschönert. Produktionssteigerungen der deutschen Exportindistrie stehen entsprechende Produktionsrückgänge in den Zielländern deutschen Exports gegenüber. Die Offensive hat daher Grenzen: die weitere Verschuldungsfähigkeit der Kunden der deutschen Exportindustrie.

 

Dass die "Offensive" überhaupt in dem 2010 gegebenen Umfang funktioniert, liegt an den Ansatzmöglichkeiten vor allem in den asiatischen sogenannten Schwellenländern. Die deutschen Exporte in diese Zielländer lagen 2010 um fast die Hälfte höher als 2007, während die in andere Wekltregionen immer noch unterhalb des Niveaus von 2007 liegen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei vor allem China. Verglichen mit dem Stand von 2007 konnte der Export nach China 2010 nahezu verdoppelt werden.

 

Da China verstärkt versucht, den Handelsbilanzüberschuss zu vermindern, also die Importe stärker zu erhöhen als die Exporte, ist in dem Fall mit einem weiterhin mehr oder weniger stabilen Absatzmarkt zu rechnen. Aber im allgemeinen sind die Auftragseingänge für Exportgüter nach anderen Zielländern seit Herbst rückläufig. Das "Exportwunder" wird 2011 nicht anhalten.

 

Die Krise des weltweiten Finanz- und Währungssystems ist in keiner Weise bereinigt. Die Staaten haben zwar den fälligen Zusammenbruch der Banken und sonstigen Spekulationsinstitute bisher verhindern können, aber um den Preis entsprechend höherer Staatsverschuldung und "Geldschöpfung". Diese Verbindlichkeiten - von privaten in staatliche verwandelt -, sind so abenteuerlich hoch, dass ein geordnetes Zurückführen völlig unwahrscheinlich ist. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass ein Teil dieser Schulden abgeschlagen werden muss und dass das Zerreissen der Kreditketten und die Entwertung v.a. des irrsinnig aufgeblähten US-Dollars katastrophisch wird und dies auch die "Realwirtschaft" in die Depression reisst, die nach dem Ausbruch der Krise 2007/2008 gerade noch verhindert bzw. durch staatliche Massnahmen gemildert werden konnte. Die Staaten und Zentralbanken haben ihr Pulver so ziemlich verschossen. Noch einmal ein paartausend Billionen "Geldschöpfung" würde die Zettel und Kontostände vollends als Voodoo-Zauber lächerlich machen.

 

Der Zeitpunkt, an dem sich erweisen wird, dass die zirkulierenden Zettelgebirge nicht als Kapital funktionieren, sondern fiktive Reichtumsansprüche sind, wird unweigerlich kommen. Die Kunststücke des "Verstetigens" der Lösung des Widerspruchs zwischen papierenen Reichtumsansprüchen und tatsächlich vorhandenem Reichtum - einem Widerspruch in der Grössenordnung eines Verhältnisses irgendwo zwischen 1:5 und 1:10 - sind im wesentlichen vorgeführt. Das Spiel ist bald aus. Die Frage ist nur, ob 2011 oder ein wenig später.

 

 

Veröffentlicht in Weltwirtschaftskrise

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K
<br /> <br /> Der Marxismus als Staatsform, das ist doch was! Darauf wäre ich nie gekommen!<br /> <br /> <br /> Mensch Sepp,<br /> <br /> <br /> das sind ja Höhen der Erkenntnis, welche sich offenbaren und die Welt, gezeugt aus dem Geist, erklären! Mir ist das Ganze ein bisschen zu hoch, gebe ich zu und da ich meine Bodenhaftung nicht<br /> verlieren möchte, bleibe ich besser auf dem Boden der Realität, als in den Sphären himmlischer Weißheiten!<br /> <br /> <br /> Übrigens habe ich einen interessanten Text gefunden, von Gesell ist da auch die Rede.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Thomas,<br /> <br /> <br /> ich fürchte, dass verstehen wir bornierten Kommunisten nicht. Aber wo die Produktionsmittel in den Adelsstand vesetzt werden, wenn sie das Eigentum von Kapitalisten sind, können wir Proleten halt<br /> nicht mitreden. Das ist höhere Wissenschaft und nichts für den gemeinen Mann.<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Die beiden primären Monopole sind Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit Wertaufbewahrungsfunktion) und privates Bodeneigentum. Alle Sachkapitalien (Produktionsmittel) werden erst durch ihre Knappheit<br /> in den "Adelsstand des Kapitals" gehoben. Die strukturelle Knappheit des Sachkapitals ist durch die Liquiditätsverzichtsprämie des Zinsgeldes vorgegeben. Wird diese durch eine mindestens<br /> spiegelbildliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) kompensiert, werden Geldersparnisse auch ohne Urzins in neue Sachkapitalien<br /> investiert. Diese können sich jetzt soweit vermehren, dass jeder unverdiente Knappheitsgewinn (Sachkapitalzins) durch vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz aufgehoben wird.<br /> Marktwirtschaftliche Konkurrenz ist also das genaue Gegenteil des Kapitalismus, die Ausschaltung von Konkurrenz.<br /> <br /> <br /> Ist der Staat alleiniger Eigentümer aller Produktionsmittel, gibt es gar keine Konkurrenz, sodass Marxismus prinzipiell Staatskapitalismus bedeutet.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> "Warum nicht Marxismus? Die Hoffnung auf die Befreiung durch den Marxismus haben die vergangenen Jahrzehnte vollkommen zunichte gemacht. Da der Marxismus die Ursache der<br /> Ausbeutung irrigerweise im Privatbesitz an den Produktionsmitteln sucht, anstatt in der Beseitigung der Monopole, kann auch sein Rezept, die so genannte Vergesellschaftung (die praktisch nur eine<br /> Verstaatlichung ist) ebenso wenig wie die so genannte Planwirtschaft (die praktisch nur eine Ausweitung der Monopole bedeutet), niemals zum Sozialismus, zu einer ausbeutungs- und daher<br /> klassenlosen Gesellschaftsordnung führen, sondern ganz im Gegenteil lediglich zur Umwandlung des drückenden Privatkapitalismus in einen noch viel drückenderen Staatskapitalismus, zur Vergötzung<br /> des Staates und allmächtigen Herrschaft einer praktisch verantwortungs- und erbarmungslosen Bürokratie.<br /> <br /> <br /> Im Staatskapitalismus, wo der Arbeitgeber Staat nicht nur der einzige Polizist, Richter und Gefängnisaufseher, sondern auch der einzige Unternehmer ist, wird ihm der Werktätige rettungslos<br /> ausgeliefert, gehen die letzten Reste persönlicher Freiheit endgültig verloren."<br /> <br /> <br /> Otto Valentin, aus "Warum alle bisherige Politik versagen musste", 1949<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Mehr ist zum Denkfehler Marxismus nicht zu sagen.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br />  " ... Da der Marxismus die Ursache der Ausbeutung irrigerweise im Privatbesitz an den Produktionsmitteln sucht, anstatt in der Beseitigung der Monopole ..." :<br /> <br /> <br /> Die Monopole sind bloss eine besondere Form des Privatbesitzes an den Produktionsmitteln, und zwar eine, die der Kapitalismus gesetzmässig und unvermeidlich hervorbringt. In<br /> der Konkurrenz werden die schwächeren Kapitale gefressen und kommt es zur Konzentration und Zentralisation von Kapitalen. Im monopolistischen Stadium des Kapitalismus, in dem wir<br /> leben, unterwerfen sich die Monopole mehr und mehr auch die mittleren und kleinen Kapitale, zwicken ihnen einen Teil ihrer Profite ab und streichen diesen Teil als Extraprofit ein. Sich die freie<br /> Konkurrenz vieler kleiner Unternehmer zurückzuwünschen ist einfach illusionär. Und für die Erwartung, dass der heutige Staat, der ein Staat der Monopole ist, in diesem Sinn handeln könnte,<br /> ist das Wort illsuionär eigentlich zu schwach. <br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Wenn Sie das sprachlos macht, trösten Sie sich damit, dass sogar Albert Einstein nicht in der Lage war, dem Genie Silvio Gesell zu folgen:<br /> <br /> <br /> http://www.deweles.de/files/lebendigkeit.pdf<br /> <br /> <br /> In einer seit jeher ungerechten Welt, in der die "Mutter aller Zivilisationsprobleme" seit Jahrtausenden durch religiöse Verblendung aus dem allgemeinen Bewusstsein gelöscht ist, ist es<br /> schwieriger, das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit zu erkennen, als das Wesen von Raum und Zeit zu verstehen!<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ach Herr Wehmeier. Jetzt hören sie doch uff. Der Gesell ist maustot. Lesen Sie lieber Marx.<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Ein Eigentümer von Produktionsmitteln (Sachkapitalien) ist nicht deshalb Kapitalist, weil er Sachkapital besitzt, sondern weil in einer<br /> Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft) alle Sachkapitalien mit Zinsgeld finanziert werden müssen, deshalb "strukturell knapp" sind, und somit einen Knappheitspreis, den Zins<br /> (Sachkapitalzins), abwerfen können:<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/5_4.htm<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Warum ist das so schwer zu verstehen? Weil auch im 21. Jahrhundert makroökonomische Zusammenhänge erst dann erklärt werden<br /> können, wenn zuerst die tiefere Ursache des "nicht verstehen Wollens" beseitigt ist: die über die Jahrtausende von unserer "lieben Priesterschaft" betriebene, gegenständlich-naive<br /> Fehlinterpretation der kleinen Geschichte von Adam (Sachkapital) und Eva (Finanzkapital) im Paradies (Marktwirtschaft).<br /> <br /> <br />     Der "lebendige Mensch" der Genesis ist nicht der Mensch im biologischen Sinne, sondern der<br /> Kulturmensch im ökonomischen Sinn: der freie Unternehmer. Wer kein Eigenkapital (Zinsgeld, Sachkapital oder Boden) besitzt, gehört zu den "Tieren auf dem Feld". Diese erhalten solange einen ihrer<br /> Arbeitsleistung angemessenen Lohn, wie alle Zinsgeld- und Sachkapitalbesitzer sich nicht am Urzins (Frucht vom Baum der Erkenntnis) vergreifen.<br /> <br /> <br />     Alle Wertschöpfung erfolgt aus dem Sachkapital, jedoch war es bekanntlich Eva, die,<br /> von der Sparsamkeit (nur die Schlange erspart sich sowohl Arme als auch Beine) verführt, zuerst einen unverdienten Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Liquiditätsverzichtsprämie)<br /> genoss, und die dann auch Adam dazu verführte.<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Uff ...<br /> <br /> <br /> <br />