kommunisten.de oder revisionisten.de ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Eine Momentaufnahme: Am Wochenende demonstrierten in Spanien und Portugal weit mehr als eine Million Menschen gegen die Verarmung, die via EU vorangetrieben wird. Dazu bei http://www.kommunisten.de/ kein Wort. Nun gut, wenigstens ein Artikel über die Streiks in Südafrika. Jemand hat sich die Mühe gemacht, dazu einen Artikel aus dem Englischen zu übersetzen - einen Artikel aus einer bürgerlichen Zeitung. Die auch in Englisch zugänglichen Statements der KP Südafrikas zum Thema scheinen nicht wichtig zu sein. Es gibt nicht einmal einen Link darauf. Dann gibt es einen Artikel über landwirtschaftliche Genossenschaften in Kuba, der in Ordnung ist. Ein weiterer: ein äusserst wohlwollender Bericht über eine Veranstaltung in München zum Thema Grundeinkommen ( link ). Zu diesem Thema gibt es einen Beschluss der DKP, der ausführlich dazu argumentiert, dass die Forderung nach einem allgemeinen Grundeinkommen für die Arbeiterklasse schädlich und gefährlich ist ( link ). Dazu in dem Artikel kein Wort. Der Artikel legt im Gegenteil nahe, dass die DKP der Grundeinkommens-Forderung positiv gegenübersteht.

 

So wie diese Momentaufnahme ist die allgemeine Tendenz von http://www.kommunisten.de/ . Es gibt schon immer wieder Artikel, die von einem kommunistischen Standpunkt aus geschrieben sind. Aber einen bedeutenden Teil - es ist, denke ich, nicht übertrieben, von einer vorherrschenden Tendenz zu sprechen - würde man eher bei der Linkspartei verorten, wenn nicht http://www.kommunisten.de/ drüber stehen würde. Ich bin davon überzeugt, dass das von den Machern politisch so gewollt ist.

 

Das muss geändert werden, finde ich. http://www.kommunisten.de/ muss eine Plattform der DKP werden. Darüber sollte der nächste Parteitag entscheiden.

 

 

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Jürgen Lloyd 09/17/2012 20:11


@ retmarut - Natürlich wird die Frage der Mehrheitsverhältnisse auf dem nächsten Parteitag wichtig sein. Aber die DKP ist eben (noch) etwas anderes als eine beliebige bürgerliche Partei, bei der
sich dies per Algebra von vermeintlich festgefügten Richtungsgruppierungen vorherbestimmen lässt. Unterschätzt mal nicht die Wirkungskraft des marxistisch-leninistischen Selbstverständnisses der
Genossinnen und Genossen, die diese Partei tragen und das eben noch nicht aus der Partei herausgemayert wurde. Letztlich gilt: Der März wirds zeigen. Und die konsequente Arbeit bis dahin wirds
entscheiden!


 

andreas 09/17/2012 19:25


Eind Frage:


Wäre eine Spaltung der Partei nicht die beste Lösung?


Sollten sich die Marxisten-Leninisten nicht besser "absetzen", um den "Reformern" die Mutation zu einer "Linkspartei 2.0" frei zu machen?


Die Energie, die für innerparteiliche Kämpfe verbraucht wird, könnte man doch anderweitig besser eingesetzen.


P.S. Ich beginne mittlerweile an meinem Parteieintritt zu zweifeln...

Sepp Aigner 09/17/2012 20:23



Parteieintritt: Der Fehler ist nicht einzutreten, sondern nicht einzutreten. Wenn nicht so viele unorganisierte Genossinnen und Genossen den Auseinandersetzungen bloss zusehen und sie fachkundig
von aussen kommentieren würden, wäre vieles leichter.



retmarut 09/17/2012 17:33


@ Jürgen Lloyd: "Das muss auf dem nächsten Parteitag korrigiert werden!"


Die Mehrheitsverhältnisse werden das wohl nicht hergeben. Der linke Flügel der Partei ist weiterhin deutliche Minderheit. Und die Zentristen werden tendenziell eher mit der Parteirechten stimmen
als mit der Parteilinken. Die Ergebnisse des vergangenen Parteitags (also eine gemeinsame Front von Zentristen und Linken) kamen nur zustande, weil die Parteirechte mit ihrem Thesenpapier den
Bogen überspannt hatte und damit eine mögliche (formale) Spaltung der Partei drohte.

andreas 09/17/2012 15:30


Zustimmung!


Kommunisten.de ist schon länger eine eher zu vernachlässigende Internetseite.


 


P.S. Kann es sein, daß es sich um eine "Leo-Mayer-Seite" handelt?

Jürgen Lloyd 09/17/2012 14:50


Als Eigentümer der Webseite fungiert die DKP München. De facto scheint sie das private Spielfeld eines einzelnen Redakteurs (und PV-Mitglieds) zu sein, der bereits offen erklärt hat, Beschlüssen
des Parteivorstands (der angeblich der Herausgeber ist) nicht folgen zu wollen. Und genau hier liegt das Problem: Wenn ein PV das hinnimmt, wird aus diesem "Nachrichtenportal" ein privates
Spielfeld statt ein Organ der Kommunistischen Partei. Das Problem ist, dass die Beliebigkeit, die so in die Praxis der DKP einzieht, den Bestrebungen von Leo Mayer u.a. entgegenkommt, die DKP
erklärterweise zu einer "anderen" Partei ummodeln zu wollen. (Nämlich einer "pluralen" Partei, die den Kern des marxistisch-leninistischen Selbstvertändnisses aufgeben soll und sich als ein Teil
in eine Mosaiklinke einbringen möge.) Es sind also nicht alleine die unter dem trügerischen Label "kommunisten.de" verbreiteten Inhalte, welche rechtfertigen würden, statt dessen von
"revisionisten.de" zu sprechen. Bereits der dort gepflegte Umgang mit dem Organisationsverständnis einer Kommunistischen Partei ist ein in der Praxis durchgesetzter Beitrag zur
revisionistischen Liquidierung der Kommunistischen Partei. Sepp hat recht: Das muss auf dem nächsten Parteitag korrigiert werden!