Korea: abnehmende Kriegsgefahr ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Das grosse Seemanover der US- und suedkoreanischen Kriegsflotten vor der koreanischen Westkueste wird um "zwei oder drei Wochen" verschoben. Die US-Marine "braucht mehr Vorereitungszeit". Vermutlich geht es aber nicht um Technisches, sondern darum, die Provokation politisch ein wenig tiefer zu haengen.

 

Fuer die neue suedkoreanische Rechtsregierung hat sich das Anheizen der Spannungen mit Nordkorea innenpolitisch nicht ausgezahlt. Sie hat bei den Regionalwahlen vom vergangenen Mittwoch schwer verloren. Von den zwoelf Buergermeisterposten in den grossen Staedten bzw. Provinzgouverneurs-Posten, die sie seit den Wahlen von 2006 innehatte, blieben ihr bloss noch sechs. Den Buergermeister-Posten in Seoul konnte die GNP (Grosse Nationalpartei) nur ganz knapp mit einem Vorsprung von 0,6 Prozent halten. Ohnehin gingen nur 54,5 % der Berechtigten ueberhaupt zur Wahl. Die Beendigung der "Sonnenschein-Politik" gegenueber dem noerdlichen Nachbarn und das Umschalten auf eine erneute Konfrontationspolitik wird von der Bevoelkerung politisch nicht getragen.

 

Der andere aktuelle Grund fuer die Schaffung einer Lage am Rand des Krieges war vermutlich, dass die USA den Verbleib ihrer Truppen auf dem japanischen Okinawa durchsetzen wollten. Das hat geklappt, aber um den Preis des Ruecktritts des japanischen Regierungschefs, der damit eines seiner zentralen Wahlversprechen brach.

 

Es scheint, dass die Kampagne gegen die KVDR zwar weiterbetrieben wird, aber auf kleinerer Flamme. Die USA verlagern sie jetzt in die UNO. Der Sicherheitsrat soll Nordkorea wegen der angeblichen Versenkung des suedkoreanischen Kriegsschiffs verurteilen. Das gibt den Hofberichterstatter-Medien zwar fuer ein paar Wochen Futter. Mehr wird dabei aber nicht herauskommen. China, Russland und andere Sicherheitsratsmitglieder verspueren keinen Drang, sich vor den USamerianischen Karren spannen zu lassen, und koennen auch kaum dazu gezwungen werden. Was die KVDR von dem Manoever haelt, steht hier: http://www.kcna.co.jp/index-e.htm .

 

Wenn es gutgeht und nicht ein boeser Zufall doch noch einen Krieg ausloest, wird man die Kampagne langsam einschlafen lassen. Dann wird die Region Nord-Ost-Asien wieder einmal knapp an einem Krieg vorbeigeschrammt sein.

 

Zwei Hauptfaktoren haben ihn diesmal verhindert: Erstens hat die KVDR klargemacht, dass sie nicht im Spaziergang zu knacken sein wird. Zweitens haben die VR China und Russland den USA - diplomatisch, aber entschieden - klargemacht, wo ihre Grenzen sind.

 

Der politische Wille der USA, die ganze koreanische Halbinsel unter ihre Kontrolle zu bringen - und damit ihre Armee direkt an die Grenzen Chinas und Russlands heranzufuehren - wird aber auch in der Zunkunft dafuer sorgen, dass die Kriegsgefahr in dieser Region bestehen bleibt. Der imperialistische Anspruch, in einer Region weit von den eigenen Grenzen, auf der anderen Seite der Weltkugel, die politischen Verhaeltnisse zu dominieren, ist per se kriegstraechtig - wie anderswo auch.

 

 

Infos aus:

http://derstandard.at/1271378009149/Gemeinsames-Seemanoever-mit-USA-verschoben

http://www.jungewelt.de/2010/06-04/037.php

 

 

Veröffentlicht in Nordkorea

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