Korea: Ende des Krisen-Szenarios

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

" ... den Nachrichtendiensten wurde es offenbar etwas mulmig. Sie waren immer davon ausgegangen, das Regime werde vor einem Waffengang zurückschrecken, weil dieser sein Überleben in Frage stellen könnte. ... Die scharfe Eskalation der Rhetorik Pjongjangs in den letzten Tagen erschütterte diese Einschätzung offensichtlich, und der Nordkorea-Plan wurde auf Eis gelegt." ( link ) Das schreibt die NZZ unter der Überschrift "Die USA wollen die Lage in Korea beruhigen".

 

Welcher "Korea-Plan" wurde denn da "auf Eis gelegt" ? War es denn nicht die finstere, zu allem fähige, irrationale, verblendete, grössenwahnsinnige Diktatur in Nordkorea, die mutwillig provoziert und einen Zustand am Rand des Krieges herbeigeführt hat ? Offenbar nicht. Es gab einen "Korea-Plan", der jetzt "auf Eis gelegt" wurde.

 

Im Gegensatz zur westlichen Propaganda war die DVRK zu keinem Zeitpunkt die provozierende Seite. Es waren die USA, die provozierten, und es war Nordkorea, das auf die Provokation reagierte - und zwar so überzeugend, dass jetzt der "Korea-Plan" "auf Eis gelegt" wurde.

 

Die Stationen:

 

Nordkorea führte einen Atombombenversuch durch, nachdem es vorher schon eine Rakete mit einem Kommunikationssatelliten in den Orbit geschossen hatte, mit dem es die Fähigkeit unter Beweis stellte, weitreichende Raketen zu starten. Das waren die Zeichen, die Nordkorea angesichts des bevorstehenden Grossmanövers der USA und Südkoreas unmittelbar an seiner Grenze setzte. In diesem Manöver "übten" die beiden Armeen Artilleriebeschuss - in zehn Kilometer Entfernung von der Demarkationslinie.

 

Nordkorea liess sich nicht einschüchtern. Es erklärte das Waffenstillstandsabkommen für erledigt und drohte mit massiver Vergeltung im Fall eines Angriffs, einschliesslich eines Atomschlags. Die USA schickten Tarnkappenbomber vom Typ B2 und Tarnkappen-Jets vom Typ F22, beide Typen fähig zum Atomwaffeneinsatz, wobei die in Südkorea schon seit langem stationierten US-Atomwaffen das nordkoreanische Arsenal, dessen Einsatzfähigkeit fragwürdig ist, ohnehin schon um ein Mehrfaches übetrifft. Die USA schickten schliesslich zwei Raketenkreuzer und eine zusätzliche Radar-Plattform, sowie eine Einheit für chemische Kriegsführung. (link )

 

Mit der Ankündigung, den stillgelegten Leichtwasser-Reaktor wieder in Stand zu setzen signalisierte die DVRK das entgültige Ende der sogenannten Sechser-Gespräche, deren Grundlage immer gewesen war, dass sich die DVRK die Entwicklung zur Atommacht auf irgendeine Weise abkaufen lassen würde. Auch dies war höchst rational. Die Erfahrung war, dass die USA die Vereinbarung, für die Stilllegung des Reaktors Energie zu liefern, nur teilweise eingehalten hatte, und dass die wirtschaftlichen und politischen Sanktionen von Seiten der "Weltgemeinschaft" nicht gelockert, sondern verschärft worden waren.

 

Die Schliessung der Industriezone von Kaesong traf schliesslich Südkorea hart. Südkorea liefert sich auf dem asiatischen Markt einen harten Konkurrenzkampf bei industriellen Billigprodukten mit Japan, dessen Währung in den vergangenen Monaten gegenüber der südkoreanischen um 20 % abgewertet und einen entsprechenden Wettbewerbsvorteil ergattert hatte. Eine dauerhafte Schliessung von Kaesong wäre deshalb eine Katastrophe für den südkoreanischen Export.

 

Jetzt also die USamerikanische Kehrtwende - "... die Lage in Korea beruhigen". Wieder einmal ist mit dem Feuer gespielt worden. Wieder einmal ist es glimpflich abgegangen. Aber nur bis auf weiteres. Die USA werden nicht aufhören zu provozieren. So wird Nordkorea gezwungen, einen grossen Teil seiner Ressourcen für das Militär zu verwenden und in seiner wirtschaftlichen Entwicklung niedergehalten, so weit es irgend geht. So wird die USamerikanische Kriegsfront geschmiedet, bei der Nordkorea nur ein Nebenschauplatz ist. Die Polirik der Spannungen und des Jonglierens am Rand des Krieges meint einen anderen Feind: die VR China.

Veröffentlicht in Nordkorea

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