Wednesday, 18. november 2009 3 18 /11 /Nov. /2009 07:16


Die USA und Suedkorea haben ihre bisherige Militaerkonzeption gegenueber Nordkorea mit einer noch aggressiveren Variante ersetzt. Der bisherige "Konzeptplan" wird von dem Plan "Operation 5029" abgeloest. Ging ersterer offiziell von einem nordkoreanischen Angriff aus und legte die "Gegenschlaege" fest, ist der neue darauf abgestellt, dass Suedkorea und die USA in Unruhen in Nordkorea eingreifen (regime change) oder das Land gewaltsam entwaffnen. - Auch hier keine Maessigung der US-Aussenpolitik, sondern eine Verschaerfung des Kurses !

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von Sepp Aigner - veröffentlicht in: Nordkorea - Community: Kritische Massen
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Kommentare

Wenn Nordkorea weiterhin Asien so destabilisiert, dann sollte eine asiatische Gemeindschaft regional handeln und Nordkorea einbinden und kontrollieren. Wäre das nicht eine bessere Lösung?
Kommentarnr1 gepostet von Thomas am 19.11.2009 um 00h08
Ja, unbedingt. Solange die auf diese veraltete Souveraenitaet bestehen, sind sie einfach ein Unruheherd. Sowas ist heutzutage AGGRESSIV.
Antwort von Sepp Aigner am 19.11.2009 um 06h52

@Thomas & Sepp,

sollte dem so sein?

Sind es wirklich die Nordkoreaner, welche destabilisierend in der Region unterwegs sind?

So ist der Beitrag meines Erachtens nicht zu verstehen. Hier destabilisieren die USA und Südkorea, in dem sie ihre Militärdoktrin verändern und auf Angriff schalten. Ein Vorwand wird sich finden!

Nun ist die neue US-Regierung zwar von der Rhetorik der Vorgängerregierung abgerückt und versucht ihre Vorhaben mir „Engelszungen“ zu verkünden, an den Zielen hat sich aber nichts geändert. Dieses zeigen nicht nur die Entwicklungen in Afghanistan.

Und noch eins, ist Nordkorea ein Opfer von Selbstisolierung? In diesem Zusammenhang sollte auch an solche Errungenschaften westlicher Politik wie wirtschaftlicher Embargos und politischer Isolation gedacht werden.

Kommentarnr2 gepostet von kucaf am 19.11.2009 um 12h28
spüre ich einen hauch ironie?
Kommentarnr3 gepostet von Thomas am 19.11.2009 um 12h52
Aber nicht doch. Niemals wuerde ich die gottgewollte Sendung der freedom&democracy-Missionare ironisieren, da sei GOTT vor ! Diese koreanischen Betonkommunisten sind nun einmal des Teufels und stehen daher auf Liste der Achse des Boesen, muessen also liquidiert werden. - "Obama-dich-unser", hat gestern ein Blogger geschrieben. Und genau so ernst, wie er diesen Stossseufzer hingeschrieben hat, habe ich es auch gemaint.
Saludos
Antwort von Sepp Aigner am 19.11.2009 um 13h07

Ja, die Ironie!

Kommentarnr4 gepostet von kucaf am 19.11.2009 um 13h28
die idee der regionalen gegenkontrolle ist übrigens nicht amerikanisch.
naja, souveränität des nationalstaats, ich zumindest trauere dem auslaufmodell nationalstaat nicht hinterher. ^.^
Kommentarnr5 gepostet von Thomas am 19.11.2009 um 20h50
Souveraenitaet des Nationalstaats:
Seh ich anders.
Ich glaube nicht, dass der Nationalstaat ein Auslaufmodell ist, sondern dass diese Art Machtorganisation ihren historischen Hoehepunkt noch vor sich hat.
Und Souveraenitaet ist, finde ich, ein ganz wichtiger Berufungstitel, z.B. im Voelkerrecht, fuer Versuche der underdog Staaten, sich aus der imperialistischen Bevormundung zu befreien.
Aus der Perspektive von Linken, die in einem Land wie Deutschland leben, nimmt sich das freilich anders aus. Aber fuer die meisten Leute auf der Welt ist das nicht der Masstab.

Aber Dein Kommentar macht mir erst klar, dass wir hier wirklich eine Differenz haben. Ich dachte naemlich, Dein erster zu dem Thema waere Frotzelei gewesen und habe DESHALB ironisch - also vermeintlich Deine Ironie bestaetigend - geantwortet.

Na, da haben wir, scheint es, ein gelegentlich Diskussionsthema. (Ich beschaeftige mich im Zusammenhang mit der Globalisierungsthema seit Jahren mit dem Thema.) Es wuerde mich interessieren, wenn Du erlaeutern koenntest, wie Du das mit dem Auslaufmodell siehst.
Antwort von Sepp Aigner am 19.11.2009 um 21h21
Ich glaube, dass der Nationalstaat ein Auslaufmodell ist, weil z.B. die E.U. sich als stabilste und prosperierensde Machstruktur des Jahrhunderts herausgestellt hat. (Dazu gibt es ein Buch: "Why Europe will run the 21. Century")
Da die meisten Staaten in weltweiten Handel eingebunden sind und davon abhängig geworden sind, werden nationalstaatliche Lösungsansätze v.a. in Sachen Wirtschaftspolitik wenig bringen.
Nordkorea möchte nicht abhängig von anderen Staaten sein, das gelingt nicht wirklich. Wenn man annehme, dass Nordkorea es tatsächlich schaffe komplett autark zu sein, in welcher Hinsicht ist das gut? Nordkoreas Regierung begeht krasse Menschenrechtsverletzungen und vergiftet die Umwelt in N.K.. Da ist die Liste lang.
Tatsache ist, dass Staaten wie Nordkorea in einer regional sich kontrollierenden Gemeindschaft nicht existieren könnten und das ist etwas gutes, nicht?
Kommentarnr6 gepostet von Thomas am 20.11.2009 um 16h32

All das laesst sich an der "Globalisierungs" abhandeln. Darueber gibt es ja ellenlange Debatten und auch in der Linken ziemlich kontraere Einschaetzungen. Dabei spielt immer die Frage eine Rolle, ob der Staat (Nationalstaat) eine "Auslaufmodell ist, wie Du auch meinst, oder ob das nicht der Fall ist - bzw., wie die Rolle von internationalen Organisationen und das Verhaeltnios von solchen zu den Staaten einzuschaetzen ist. Ich hab dazu gestern einen Beitrag in mein Blog gestellt ("Von Bubble zu Bubbel"). Das ist meine Kurzversion.Wenn Dich das interessiert, kann ich Dir einen (unfertigen) Text mailen, der aber nahezu Buchlaenge hat. Interessant sind zu dem Thema, finde ich, die Diskussionen in der DKP, z.T. nachzulesen in "Theorie und Praxis", auf den Seiten der Berliner DKP (wenn es dort noch steht - EU-Dossier).

Nordkorea: Ich finde, das ist ein befremdliches Regime, eine sehr eigenartige Ausformung des Versuchs, zu einer sozialistischen Ordnung zu kommen. (KathrinKa - Vietnamblog hat darueber gerade einen interessanten Reisebericht gechrieben.)Das Land scheint sehr gepraegt zu sein von dem fuerchterlichen Koreakrieg, in dem die USamerikanischen Bombardements beinah buchstaeblich keinen Stein auf dem andern gelassen haben. Das mit herausrgender Umweltverschmutzung (und Hungersnot etc.) halte ich fuer Quatsch. Von dem Land wird geheimdienstlich systematisch ein Bild in die Welt gesetzt, das so allgemein durchgesetzt ist, dass es in unser aller Koepfe ist, aber eben, glaub ich, nicht stimmt.

Aber darauf kommt es gar nicht an. Die Souveraenitaet der DKVR in Frage zu stellen, ist ein aeusserst gefaehrliches Spiel. Wenn dort den USA ein "regime change" gelaenge, staende die US-Armee direkt an der chinesischen Grenze - und an der russischen ! Das ist einer der Punkte auf der Welt, an denen sich ein 3. Weltkrieg entzuenden koennte.

Es gibt keinerlei Legitimation dafuer, die Souveraenitaet Nordkoreas in Frage zu stellen, ausgerechnet dieses Land unter "internationale" oder "regionale" oder welche Aufsicht auch immer zu stellen. Wie waers mit einer "internationalen Aufsicht" ueber SUEDKorea ? oder ueber die USA (fuer die gaebs viel schlagendere Gruende).

Antwort von Sepp Aigner am 20.11.2009 um 17h46

@Thomas,

auch ich habe eine Meinung zu diesem Thema, keine ironische, eine durchaus ernst gemeinte.

Der Glaube möge des Menschen Himmelreich sein und er soll ja bekanntlich Berge versetzen. Letzteres aber nur mit dem Wissen über die Möglichkeit! Aber was ist der Nationalstaat, wie ist er entstanden und warum ist er entstanden? Einmal unabhängig davon, dass Nordkorea seine Isolation nicht ganz freiwillig gewählt hat, so vertritt dieses Land seine souveränen Interessen. Und dagegen ist wohl nichts zu sagen, es sei denn, diese Interessen kollidieren mit anderen Interessen. Dann wäre aber noch die Frage zu beantworten, mit wessen und warum? Wobei wir hier schon die Hauptaufgabe des Nationalstaates hätten, nämlich Interessen zu waren und zu vertreten, aber wessen Interessen werden heute in erster Linie von den Nationalstaaten vertreten?

Und wenn wir schon dabei sind, so übertragen heute in Europa nationalstaatliche Regierungen Aufgaben an die EU, aber in wessen Interesse geschieht dieses und warum? Und wenn, wie behauptet, „die E.U. sich als stabilste und prosperierende Machstruktur des Jahrhunderts herausgestellt hat“, dann sollte nicht mit der Frage hinter dem Berg gehalten werden, in wessen Interesse diese Macht genutzt wird und gegen wenn! Übrigens steht die Nationalstaatlichkeit in keiner Weise wirtschaftlicher Entwicklung im Wege, eher ist sie ein Garant für diese, welche sie nicht nur in der Vergangenheit erheblich begünstigt hat. Mit der Ausprägung der internationalen Machtzentren wurde die EU zum einen, als ein politisches Instrument geschaffen, um sich im verschärfenden internationalen Wettbewerb gegen die anderen Machtzentren durchzusetzen und zum anderen als Instrument gegen die eigenen Völker, welche mittels der Strukturen der EU ihrer, in der Vergangenheit erkämpften, demokratischen Rechte beraubt werden. Die EU ist kein Konstrukt der Völkerverständigung, sondern eine Einrichtung um wirtschaftliche Interessen im Weltmaßstab durchzusetzen. Welches gerade auch an der militärischen Ausrichtung zu sehen ist, welche mit solchen Instrumenten wie den Lissabonvertrag verankert wurde. Letztendlich ist der Nationalstaat eine bürgerliche Errungenschaft, er entstand und prägte sich mit der kapitalistischen Entwicklung aus und das Kapital hat nicht nur den Nationalstadt moderner Prägung hervorgebracht, es benötigt diesen auch weiterhin um seine Interessen zu waren.

Gruß Thomas

PS. Was Nordkorea alles so macht, macht es im eigenem Land und ein jedes Volk hat die Regierung, welche es verdient, was die Bundesrepublik so macht, ist ebenfalls ihre Sache, solange sie dieses auf ihrem Hoheitsgebiet tut und auch wir haben die Regierung, welche wir verdienen. Aber bundesdeutsche Politik macht bei weitem mehr, so überzieht sie fremde Völker mit Krieg, sprengt zum Beispiel Tanklaster in die Luft und Soldaten morden außerhalb ihres Hoheitsgebietes. Es werden Kriege geführt und es gibt keine „krasseren Menschenrechtsverletzungen“ als in Kriegen, dort werden diese vollständig aufgehoben und durch das Faustrecht ersetzt, es gibt auch keine größeren Umweltverschmutzungen und -vergiftungen als durch Kriege. Dieses sollte bei der Beurteilung internationaler Ereignisse nicht vergessen werden.

Kommentarnr7 gepostet von kucaf am 20.11.2009 um 18h29
Hallo Thomas.
Ganz einverstanden.
Nochmal Nationalstaat: Ich habe absolut kein Faible fuer dieses Ding. Mir geht es darum, seinen historischen Platz zu bestimmen, z.B. seine Perspektive im neuen Jahrhundert. Und zu Letzterem denk ich, dass es voreilig ist, dieses Monster fuer ein Auslaufmodell zu halten.
Antwort von Sepp Aigner am 20.11.2009 um 18h58

Hallo Sepp,

Nationalstaat, findest man so nicht, ist der politischen Rhetorik geschuldet, ein Konstrukt und setzt sich aus den Begriffen Nation und Staat zusammen. Kurz dazu soviel und dann kannst Du sicher etwas damit anfangen.

Nation: mit der Herausbildung der ökonomischen Gesellschaftsformation des Kapitalismus gesetzmäßig entstandene historische Struktur- und Entwicklungsform der menschlichen Gesellschaft, ... Die Nation bildet einen notwendigen Rahmen, in dem sich Produktivkräfte, soziale und politische Strukturen, Kultur, Ideologie, Wissenschaft und Lebensweise den Bedingungen der Jeweiligen Gesellschaftsordnung entsprechend entwickeln können. ...

Staat: politischen Machtinstrument der ökonomisch herrschenden Klasse einer Gesellschaftsformation. Der Staat entstand auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Herausbildung von Klassen als >>das Produkt und die Äußerung der Unversöhnlichkeit der Klassengegensätze<<. Der Staat ist ein historisches Produkt, das mit dem Zerfall der Urgesellschaft entstand. ... Etc.

 

Kommentarnr8 gepostet von kucaf am 20.11.2009 um 21h28
Genau.
Antwort von Sepp Aigner am 20.11.2009 um 22h22

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