Leiharbeit in München

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

20.000 Leiharbeiter gibt es München, sagt der DGB, vor acht Jahren waren es erst 7.500. Allein bei der Stadt sind es etwa 1.000, was zeigt, dass die öffentlichen Betriebe nicht anders handeln als die privaten. Einige Beispiele für die Konditionen für die Leiharbeiter: BMW hatte sich 2008 gegenüber der IG Metall verpflichtet, Leih-arbeitern den gleichen Grundlohn zu zahlen wie Festangestellten, nämlich mindestens 11,61 Euro pro Stunde. Das bedeutete jedoch nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit (Equal-Pay nach EU-Vorgabe), denn z. B. übertarifliche Zuschläge und die Jahresprämie gibt es für sie nicht. In der Krise wurden sie fast alle rausgeschmissen. Die neue Billiglohn-Masche heißt jedoch Werkvertrag, ein Inst-rument, um tarifliche oder betriebliche Equal-Pay-Regelungen zu unterlaufen. An Umfang übersteigen sie die Leiharbeit bereits. Im BMW-Werk Regensburg z. B. erhalten laut Mittelbayerischer Zei-tung vom 22.11.11 externe „Dienstleister" im Rahmen sogenannter Werkverträge teilweise nur den Mindestlohn der Zeitarbeitsbranche (7,79 Euro). Die Bezahlung der Angestellten der beauftragten Firma sei nicht Bestandteil des Vertrages, zitiert das Blatt eine BMW-Pressesprecherin. Im BMW-Werk Leipzig gehen die Kollegen mit Werkverträgen mit etwa 1000 Euro weniger nach Hause – die Hälfte der Belegschaft! Ein Regensburger Betriebsrat erklärt, auch

 

 

in München sei dies bereits Praxis. „Wir prüfen derzeit den Fall, der mich schockiert", sagt Horst Lischka, Chef der IG Metall in München. »Ich hätte nie gedacht, dass BMW das Grundgehalt mit Werkverträgen unterläuft (Die Zeit-online, 8.12.2011) Auch die HypoVereinsbank bezahlt nach Verdi-Angaben ihre Leiharbeiter mies. 80 Prozent aller Neueinstellungen nimmt sie über ihre Leiharbeitstochter HVB Profil zu deutlich billigeren Konditionen vor. Bundesweit hat diese nach Angaben von Verdi 500 bis 600 Mitarbeiter, die meisten davon in München. „Viele arbeiten schon viele Jahre lang in der Leiharbeitsfirma", sagt die zuständige Verdi-Sekretärin Stenzel. „Es geht da also offensichtlich nicht darum, Auftragsspitzen abzufedern, sondern damit werden Personalkosten gespart." (SZ, 17.11.2011) Um sich endlich besser wehren zu können, konnte im Frühjahr nach zähem Kampf endlich ein Betriebsrat der HVB Profil von den Beschäftigten durchgesetzte werden. Um die Kollegen einzuschüch-tern, werden nun die frisch gewählten Betriebsräte angegriffen. „Ihre Verträge werden einfach nicht verlängert", sagt Stenzel. Bisher sind vier Betriebsräte betroffen. Auch die Deutsche Telekom vermittelt ihre Leiharbeiter in der haus-eigenen Beschäftigungsgesellschaft Vivento mit bis zu 40 Prozent Lohnabschlag.

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rem

 

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