Libyen: Quislinge werden kannibalisch

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Der Oberbefehlshaber der "Aufständischen", Abdel Fattah Junes, ist getötet worden - offenbar von den eigenen Leuten. Junes war libyscher Innenminister, ehe er zu den "Rebellen" überlief. Zu Beginn des Krieges gegen Libyen ging eine Reihe libyscher Funktionäre, vor allem des diplomatischen Dienstes, auf die Seite der Aggressoren über. Man wird niemandem Unrecht tun, wenn man unterstellt, dass die meisten gekauft worden sind. In der westlichen Propaganda dienten sie dazu, den Eindruck zu vermitteln, dass das Gaddafi-Regime dabei sei, zu verfallen. Ob die Verräter ihres Landes sich selbst einen Gefallen getan haben, ist fraglich. Die Beute - hohe Posten in einer Quisling-Regierung - bleibt bisher aus.

 

Die Liquidierung des obersten Militärs der libyschen NATO-Hilfstruppen ist der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, über die immer wieder auch etwas in die Mainstream-Medien sickert, wenn auch solche Nachrichten so klein wie möglich gehalten werden: Die "Rebellen" sind eine Chaostruppe, innerhalb derer verschiedene Kräfte um Einfluss kämpfen. Immer wieder werden solche Kämpf auch militärisch ausgetragen. Vermutlich geht es dabei weniger um politische Differenzen als um den Zugriff auf die "Hilfe" der Interventionsstaaten, die diese wiederum zum Teil mit gestohlenen libyschen Guthaben zahlen, die sich auf Konten in den Interventionsstaaten befinden (Gaddafis berühmte 70 oder 120 Milliarden, von denen zu Beginn des Angriffs auf Libyen die Rede war und bei denen es sich in Wirklichkeit nicht um Gaddafis Privatvermögen handelt, sondern um die Anlage von Profiten des libyschen Staates aus dem Ölgeschäft im Ausland).

 

Zu Beginn des Überfalls logen die Mainstream-Medien, Gaddafi habe noch höchstens dreihundert Anhänger, das Regime laufe auseinander, sein Zusammenbruch sei eine Frage von Tagen. Inzwischen darf man zurückfragen: Wieviele Anhänger hat denn der Quislinghaufen noch ? - DIESER Haufen wäre tatsächlich schon lange zusammengebrochen, wenn er nicht von den Interventen organisiert, bezahlt und mit Waffen und allem sonst Nötigen versorgt werden würde.

 

Ein Quisling-Funktionär hat anlässlich der Ermordung von Junes "bewaffnete Gruppen" in den besetzten Teilen Libyens davor gewarnt, auf eigene Faust Geschäfte zu betreiben. Sie würden ihre "Verhaftung" riskieren, wenn sie sich nicht unterordnen. Das weist darauf hin, dass die internen, auch mit MGs und Granaten ausgetragenen, Streitigkeiten ein "ernstes Problem" sind. Vielleicht sollte der "Nationale Übergangsrat" ja ein paar NATO-Kampfbomber anfordern, zwecks Unterstützung bei solchen "Verhaftungen" ?

 

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, sagt das Sprichwort. Im libyschen Fall geht es sich wechselseitig an die Gurgel. Das "Aufständischen"-Pack wird sozusagen kannibalisch.

Veröffentlicht in Afrika

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