Margot Honecker schrieb eine Kolumne für die DKP-Zeitung Der Rote Brandenburger

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 Die DDR hatte nach dem Putsch Pinochets vielen Chilenen Zuflucht geboten. Das ist in Chile nicht vergessen. Nach der Annexion der DDR durch die BRD fand Margot Honecker dort ein Exil. Auch nach zwei Jahrzehnten ist ihre Verbindung mit Deutschland nicht abgerissen. Für die Februar-Ausgabe der kleinen DKP-Zeitung Der Rote Brandenburger hat sie eine Kolumne geschrieben. Hier der Text:

 

Der Rote Brandenburger vom Februar 2011

01.02.2011 · DK

 

Kolumne von Margot Honecker

 

Die deutschen Kommunisten standen in der ersten Reihe im Kampf gegen den aufkommenden Faschismus. Als ich in die KPD eintrat, wusste ich, dass die KPD nicht irgendeine politische Kraft ist, sondern die einzige Partei, die beweiskräftig entlarvt, dass der Kapitalismus die Ursache für das millionenfache Leid der Menschheit ist, die Ursache für Ausbeutung und Armut. Ein Gesellschaftssystem, das Millionen Menschenleben der Profitsucht des Kapitals opfert. Diese Partei macht keinen Hehl daraus, dass diese Gesellschaft bekämpft und schließlich überwunden werden muss. Mit dem Ziel, eine neue, eine sozialistische und schließlich kommunistische Gesellschaft zu errichten. Für diesen Kampf, der schwer ist, ist die Partei gerüstet mit den wissenschaftlichen Lehren von Marx, Engels und Lenin und mit den Lehren aus dem bisherigen Verlauf der Klassenkämpfe in der Geschichte.
Hier und heute sind deshalb die Kommunisten gefordert, zusammen mit allen Gutgewillten den Kampf gegen die politischen Zustände, gegen den die ständige Verschlechterung der Lebenslage der arbeitenden Menschen, gegen den Kapitalismus zu führen. Dieser Kampf um Menschenrechte, ist aktueller denn je. Er muss heute ausgetragen werden. Die kommunistische Partei verschweigt nicht schamhaft, dass letztendlich die kapitalistische Gesellschaft überwunden werden muss, dass nur so eine gerechte friedliche Gesellschaft errichtet werden kann. Diese Wahrheit, die noch nicht gleich von allen angenommen wird, muss aber ausgesprochen werden. Und das tut heute die DKP.
Weil aber der Widerstand gegen die imperialistische Politik gegenwärtig wächst, bieten die Herrschenden Geschichtslügen zur Verleumdungen der Kämpfe und Ziele der Arbeiterbewegung auf. Sie vergiften die politische Atmosphäre mit der Entstellung der Geschichte des Sozialismus und mit übelstem Antikommunismus, der in der Gleichsetzung von Sozialismus und Faschismus gipfelt. So neu ist das nicht. Es stand schon an der Wiege der kommunistischen Bewegung, die Bürger mit dem „Gespenst des Kommunismus” zu schrecken. Mit der Entstehung des ersten sozialistischen Staates wurde vor der bolschewistischen Gefahr gewarnt. Heute verteufelt man den Sozialismus als „stalinistisch“, mit der Absicht, Sozialismus als Alternative in Frage zu stellen.
Dieses Klima macht es nicht leicht für die, die in den Reihen der kommunistischen Partei kämpfen.
Ich habe mich in den vergangen Jahren oft gefragt, warum die DKP im Osten nicht stärker vertreten ist als derzeit.
Ich weiß aber, dass es viele aufrechte Genossen gibt, die standhaft geblieben sind und solche, die über anfängliche Schwankungen und Irrungen nach unserer zeitweiligen Niederlage wieder Boden unter den Füßen gefunden haben. Viele von ihnen sind aktiv.
Es fällt manchem heute noch schwer, sich zu dem Entschluss durchzuringen, sich zu organisieren. Ich kann die Bedenken verstehen, diesen Schritt zu tun, im Wissen, dass es auch in der DKP Stimmen gab und sicher noch gibt, die undifferenziert die Fehler der SED und DDR, der Geschichte der SU beurteilen. Ich bin sicher, bei manchem Sympathisanten, manchem heute noch „parteilosen Kommunisten“ wird eine solche Entscheidung reifen, wenn wir es verstehen, die Einsicht zu vermitteln, dass eine starke Kommunistische Partei heute unentbehrlich ist, dass es an der Zeit ist, dass die Kommunisten vereint marschieren.

 

Margot Honecker, Santiago de Chile

Veröffentlicht in Kommunisten

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