"Marxistische Gruppe": Klassenkampf im Kopf

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die 1968er Studentenbewegung hat in Deutschland ein eigenartiges Phänomen ausgetrieben - den "Seminar-Marxismus". Ende der 1980er Jahre ging es mit der Marxistischen Gruppe - wie mit vielen Organisationen aus dem "ML"-Bereich auch - organisatorisch zu Ende. Nach der offiziellen Auflösung bestand aber das Periodikum Gegenstandpunkt weiter. Und heute erlebt diese Strömung eine kleine Renaissance. Das wieder auflebende Interesse am Marxismus bringt auch der MG einen gewissen Zulauf. Wer mit revolutionären Ideen liebäugelt oder auch bloss über den Kapitalismus etwas Ordentliches wissen will, gerät in eine Sackgasse, wenn er diesen Nebenpfad geht. Im Umfeld des Gegenstandpunkts wird man geöhnlich nicht zum Revolutionär, sondern bloss hochnäsig.

 

Im folgenden Text habe ich versucht, einige Kritikpunkte zu formulieren.

 

 

Die MG steht in dem Ruf, saubere Analysen zu machen. Unterstellt, das sei so - zu welchem Zweck macht sie das ? Oder, allgemein und nicht auf die MG bezogen: Wozu ist das Begreifen gesellschaftlicher Erscheinungen - Theorie - gut ?

 

Dass sich Menschen ein zutreffendes Bild von der Wirklichkeit machen wollen, ist zunaechst ein verbreitetes Beduerfnis und muss, ausser mehr wissen zu wollen, keinen noch anderen Zweck haben. Aber diese Unbestimmtheit - oder allgemeine unspezifische Bestimmtheit - liegt bei der MG nicht vor. Die Gruppe versteht sich als ein Zusammenhang von Menschen, die den Kapitalismus abschaffen wollen.

 

Die Frage, wozu Theorie gut sein soll, steht daher in ihrem Fall im Zusammenhang mit dieser Absicht. - Theorie, Welt erklaeren und begreifen soll dem Zweck dienen, den Kapitalismus abzuschaffen. Damit steht die Frage, wie Theorie und Kapitalismusabschaffen miteinander zusammenhaengen.

 

Darauf haben die Leute vom Gegenstandpunkt diese Antwort: Zuerst muss der Kapitalismus im Kopf abgeschafft werden. Wenn und soweit das gelingt, kann man sich daran machen. ihn wirklich abzuschaffen. Die Theorie ist das wesentliche Moment, der Schluessel.

Ist das so ?

 

Naehern wir uns einer Antwort zunaechst empirisch: Welche Rolle spielte die Theorie in den Revolutionen des 20. Jahrhunderts ?

 

Sie waren stets Ergebnis einer Lage, in der die herrschende Klasse Schwierigkeiten hatte, ihren Laden am funktionieren und zusammen zu halten. Zwei Revolutionswellen entstanden in Kriegs- und Nachkriegsverthaeltnissen - dem I. und dem II. Weltkrieg. Die erste Welle wurde von der Bourgeoisie ueberall niedergekaempft, mit der Ausnahme Russland. Die zweite Welle war nur dort erfolgreich, wo die Rote Armee stand, also in Osteuropa, mit Ausnahme Chinas, wo der Ausgang des II. Weltkriegs den Machtantritt der Kommunisten aber ebenfalls erleichterte. Im "westlichen" Einflussbereich wurde die griechische Revolution blutig niedergeschlagen. In den uebrigen westeuropaeischen Staaten, in denen es einen starken antifaschistischen Widerstand gegeben hatte, versuchten es die Kommunisten und ihre Verbuendeten angesichts des Kraefteverhaeltnisses, nicht zuletzt angesichts der Truppenmassen der West-Alliierten, gar nicht.

 

Theoretische Einsichten in gesellschaftliche Zusammenhaenge haben bei diesen Revolutionen eine bedeutende Rolle gespielt. Ihr sozusagen materieller Traeger waren hauptsaechlich die kommunistischen Parteien. Deren Staerke war die Theorie und eine feste, zu diszipliniertem, planvollen einheitlichem Handeln befaehigende Organisation.

Die Theoriebildung hatte Zweckcharakter

 

. Es ging nicht um "die Wahrheit schlechthin", sondern um diejenigen Aspekte, die vom Interessensstandpunkt der Arbeiterklasse aus gesehen nuetzlich waren fuer die Ableitung einer erfolgversprechenden politischen Strategie und Taktik. Diese gewissermassen utilitaristische Art der Theoriebildung fuehrte gelegentlich auch zur Ausblendung wichtiger Wirklichkeitsaspekte und Fehlern, aber uebers Ganze gesehen war dies die Art von Theoriebildung, die ihrem Zweck gerecht wurde: als Hilfe fuer den Umsturz der kapitalistischen Verhaeltnisse zu dienen.

 

In den kommunistischen Parteien sammelten sich nicht einfach die besten Theoretiker, sondern diejenigen Menschen, die am entschlossensten waren, die kapitalistischen Verhaeltnisse zu stuerzen

 

. Das ist nicht identisch. Die Entschlossenheit kam (kommt) nicht in erster Linie aus theoretischen Einsichten, sondern aus so "unbegriffen emotionalen" Beweggruenden wie dem, die Verhaeltnisse nicht mehr aushalten zu wollen oder zu koennen. Es waren (sind) nicht nur rationale, gedanklich stringente Argumente, die zu der Entscheidung fuehrten (fuehren), sich als Revolutionaer zu betaetigen, auch nicht nur eine Summe individueller Entscheidungen dafuer.

 

 Obwohl die Entscheidung, ein Revolutionaer sein zu wollen, jeder einzelne Mensch selber treffen muss, spielt es fuer die Wahrscheinlichkeit dieser Entscheidung eine wichtige Rolle, in welchem "Milieu" diese Frage ueberhaupt aufkommt und wie sie beantwortet wird.

Eine der beguenstigenden Faktoren war an den entscheidenen "Wegmarken" des 20. Jahrhunderts das Vorhandensein einer Arbeiterkultur. Scheinbar so "politikferne" Erscheinungen wie kritische Literatur, Theater, Musik, die Pflege eigener Traditionen und Braeuche sind fuer die Herausbildung von Klassenbewusstsein durchaus nicht weniger wichtig als die richtige Theorie.

 

Es kommt dabei auch nicht darauf an, dass sich eine solche Arbeiterkultur Romantik und Sentimentalitaet, Anleihen bei den buergerlichen Aufklaerern, eine idealisierende Heroisierung der eigenen Klasse ("Proletkult, wie die MG das nennt) - und was der "irrationalen Verfehlungen" immer sein moegen - leistet. Worauf es ankommt ist, dass die unterdrueckte und ausgebeutete Klasse ein Bewusstsein von sich selbst als gesonderte soziale Klasse, von ihrer Stellung in der kapitalistischen/buergerlichen Gesellschaft und von der Bourgeoisie als ihrem Klassenfeind gewinnt. Fuehlen und denken, traeumen und analysieren, Brecht und Marx, Arbeiterbraeuche und Theorie schliessen einander in diesem Zusammenhang und fuer diesen Zweck nicht aus, sondern sind notwendige Elemente fuer die Entstehung von Klassenbewusstsein.

 

Klassenbewusstsein ist eine zwar nicht hinreichende, aber absolut notwendige Bedingung dafuer, dass die Lohnarbeiter den Kapitalismus stuerzen. Wo es entsteht, hat es aber stets zwei zueinander in Widersopruch stehende Seiten,

 

Widersprueche im Klassenbewusstsein:

 

Die eine Seite ist, dass die Stellung der Lohnarbeitenden im Kapitalverwertungsmechanismus bedingt, dass sie - zuletzt um des physischen Ueberlebens willen - ihre Arbeitskraft verkaufen und dafuer einen moeglichst hohen Preis (nebst relevanter Nebenbedingungen) herausschlagen muessen. Dabei stehen sie als Staatsbuerger, als juristische Personen des buergerlichen Rechts, zunaechst den Kapialisten als Einzelne gegenueber und damit in Konkurrenz zu den uebrigen Arbeitskraftanbietern. Die einzige Moeglichkeit, einen hoeheren Lohn durchzusetzen, die sich aus dieser schwachen Lage ergibt, besteht darin, das Angebot zu kartellieren, d.h., sich zu Gewerkschaften zusammenzuschliessen und Tarifvertraege zu erzwingen, die aus dem Einzelverkauf der Arbeitskraft in gewissem Mass einen Kollektiv-Verkauf - wenn auch weiterhin auf Rechnung jedes Einzelnen - machen. Das passiert zwangslaeufig auf dem Boden der "Kapitallogik" und ist, fuer sich genommen, in keiner Weise revolutionaer. Einen guten Preis fuer die eigene zu verkaufende Ware, die eigene Arbeitskraft, zu erreichen, bestaerkt gewoehnlich im Gegenteil die Meinung, man koenne es im Kapitalismus schon aushalten. (Dieser relativ gute Preis hat in der BRD ueber mehrere Jahrzehnte viel zur "Verbuergerlichung" des Bewusstseins der Arbeiterklasse beigetragen.)

Dabei gibt es aber noch andere Aspekte:

 

- Der Zusammenschluss zum quasi gemeinsamen Verkauf der je individuellen Arbeitskraft setzt voraus (und fuehrt danach vor Augen), dass die Staatsbuerger nicht einfach solche sind, sondern sich entlang des Eigentums teilen, naemlich in Eigentuemer von Produktionsmitteln und Nichteigentuemer von solchen, was die Notwendigkeit erst nach sich zieht, seine eigene Arbeitskraft an Fremde zu verkaufen, weil man sonst nichts zum Leben hat.

 

- Der gemeinsame Verkauf der Arbeitskraft fuehrt zu der Erfahrung, dass - zumindest in dieser Angelegenheit - nicht das Einzelhandeln des "autonomen Indivuduums" - des Staatsbuergers - erfolgreicher ist, sondern kollektives Handeln.

 

Die Konkurrenz untereinander wird dadurch nicht ausser Kraft gesetzt. Aber zumindest auf dem Gebiet des Verkaufs der Arbeitskraft ist es ziemlich unmittelbar einsehbar vernuenftig, dass Solidaritaet untereinander geuebt wird. Selbst um solche Einsichten muss schon ein hartnaeckiger Kampf um die Koepfe gefuehrt werden, weil die Logik des buergerlichen Alltags und das Dasein auch der Proleten als formal rechtsgleiche Staatsbuerger dem entgegensteht.

Was aus den oekonomischen Anliegen der Proleten also (im besten Fall) entsteht, ist die Einsicht in die Zweckmaessigkeit gewerkschaftlichen Zusammenschlusses, damit auch eine gewisse Einsicht in die Existenz der gegensaetzlichen sozialen Klassen - der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse.

 

Das reicht nicht fuer die Idee oder gar die Tat, mit dem Kapitalismus Schluss zu machen.Fuer Letzteres braucht es moeglichst genaue Einsicht in die oekonomischen/gesellschaftlichen Widersprueche, die das Kapitalverhaeltnis, deren historischen Verlauf, damit der Bedingungen und Kraefte, die zu einer bestimmten Zeit fuer eine wissenschaftlich abgeleitete Politik des Umsturzes zu beachten sind. Ausserdem muss, wer die Verhaeltnisse umstuerzen will, ungefaehr wissen, auf welche Verhaeltnisse er hinauswill. Es geht ja in einer Revolution, die den Proleten nutzen soll, nicht einfach darum, die Kapitalisten zum Teufel zu jagen, sondern um ein besseres Leben danach und ohne die Ausbeuter.

 

Dazu braucht es die Theorie - die Gesellschaftsanalyse, das Herausfinden einer Strategie und Taktik fuer die Revolution und ein Konzept fuer die Zukunft. Dafuer ist die Arbeit von Marx/Engels grundlegend - nicht nur deren oekonomische Analyse, sondern die Erkenntnismethodik (das, was man gemeinhin dialektischen/historischen Materialismus nennt), mit der sie durchgefuehrt wurde und die ein allgemeingueltiges Instrument fuer jedwede Gesellschaftsanalyse auch heute ist.

 

Weder der nur-gewerkschaftliche Kampf um die Hoehe des Lohns und aushaltbare Arbeitsbedingungen noch blosses Theoretisieren koennen das Kapitalverhaeltnis zum Einsturz bringen. Das eine fuehrt, fuer sich allein, zum Sich-Einrichten in den Verhaeltnissen. Das andere fuehrt, fuer sich allein, zur Ausbildung von Sekten, die sich mit der Attituede der "grossen Durchblicker" ueber die "Dummkoepfe, die auf den Kapitalismus hereinfallen" erhaben fuehlen, waehrend sie in Wirklichkeit, wie nicht anders moeglich, genau so "kapitalistisch funktioneren" wie alle anderen "Dummkoepfe" auch.

 

Um die Verhaeltnisse umzustuerzen, muss ein Amalgam gegossen werden, in dem die Alltagsbeduerfnisse der Proleten unter kapitalistischen Bedingungen, ihr trade-unionistischer Zusammenschluss fuer begrenzte Zwecke - und auch einen solchen muss man erst einmal erreichen ! -, das theoretische Erfassen der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Ausbildung von Klassenbewusstsein, eine zweckmässige Organisation zur Durchsetzung der Gegenwarts- und Zukunfstinteressen der Arbeiterklasse, ein politisches Programm mit dem Ziel der Revolution und plausible Vostellungen von einer sozialistischen Gesellschaft so miteinander verschmolzen werden, dass die Machtfrage gestellt und zu eigenen Gunsten entschieden werden kann.

 

Diese verschiedenen Elemente, deren jedes einzelne absolut notwendig für die Revolution ist, einander entgegenzustellen, anstatt sie miteinander zu verbinden, ist der Kardinalfehler der MG.

 

  

____

 

update:

 

Eine Kritik der MG und ihres Gegenstandpunkts - der Name der Zeitschrift ist Programm -, die ich treffend finde,  habe ich hier gefunden:

http://kulturkritik.net/erlauter/mg-moralismus.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Sozialismus

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T
<br /> Dein Text, Sepp, bietet geradezu ein Panopticum all der Fehler an, die "wir" MG-ler uns zu kritisieren gemüht haben, aber hier ist gewiß nicht der Ort und die Zeit, die Auseinandersetzung zu<br /> wiederholen. Es soll hier - soweit weiß ich mich mit Dir sicher einig - um die Leser und ihre künftigen Entschlüsse gehen. Deshalb greife ich nur wenige Punkte heraus.<br /> <br /> <br /> Du schreibst: " ... und die ärgern mich seit vierzig Jahren. "Mit Marx zurück zu Hegel" ist halt ein Rückwärts-Programm."<br /> <br /> <br /> "Zurück zu Hegel" ist erstens eine Lüge und Denunziation im schlechtesten DKP-Stil, leider. Vom Typus der Denunziationen, die unter der Herrschaft des NKWD polizeiliche Aktion nach sich zog, in<br /> der Herrschaft der SED die politische Isolation und in der KPD / DKP seit jeher den Horizont von Parteiausschlußverfahren hatten. Schade.<br /> <br /> <br /> Ich begreife das "Kapital" bzw. genauer die "Kritik der politischen Ökonomie" als richtigstellende Einlösung einer Kritik der Philosophie, die Hegel in weiten Teilen seiner Arbeit auf<br /> philosophischem Boden geleistet hat. Eine zentrale Stellung nimmt dabei das Thema ein, das Du eingangs Deines Beitrages so aufgenommen hast:<br /> <br /> <br /> Damit steht die Frage, wie Theorie und Kapitalismusabschaffen miteinander zusammenhaengen. Darauf haben die Leute vom<br /> Gegenstandpunkt diese Antwort: Zuerst muss der Kapitalismus im Kopf abgeschafft werden. Wenn und soweit das gelingt, kann man sich daran machen. ihn wirklich abzuschaffen.<br /> <br /> <br /> Einerseits ist das abermals eine Denunziation. "Kapitalismus im Kopf abschaffen" kann für jederman, der wenigstens die Anfangsgründe der Kritik der politischen<br /> Ökonomie begriffen hat, nur eine Metapher sein, deren Absurdität die Inkompetenz und Begriffslosigkeit des kritisierten Standpunktes heraus stellen soll.<br /> Soweit die Metapher aber was Richtiges trifft, geht es um das Trumm, das die MG in Anlehnung an Hegels Rechtsphilosophie den "abstrakt freien Willen des Staatsbürgers" nennt, und dessen<br /> Klarstellung und Kritik bei Marx im Kern im 2. Kapital des "Kapital" geleistet wird, in dem es um die Weise geht, wie die ökonomischen Akteure in der erzwungenen Rolle von<br /> Rechtssubjekten ihren Gegenständen, nämlich den im ersten Kapitel vorgestellten polarischen Wertformen und ihren Metamorphosen ihren ("kreatürlichen")Willen<br /> leihen.<br /> <br /> <br /> Das Resultat kann man grob so zusammen fassen, daß bürgerliche Subjekte ihre Willenstätigkeit gleichsam in der "Substanz", nämlich von der Seite der<br /> gesellschaftlichen Gegenstände aus, auf die sie unter physischem Zwang verpflichtet werden, aufgeben. Sie behandeln die Zwecke der Zirkulation<br /> des Kapitals nicht nur erzwungenermaßen als ihr Mittel, sie halten es dafür, und in dieser Zweck - Mittel Vertauschung machen sie sich selbst zum Mittel der Kapitalverwertung. Sie beantworten<br /> praktisch die herrschaftliche Frage, was ein freier Wille tun muß, um sich selbst aufzugeben.<br /> Diese Selbstaufgabe muß zumindest im Ansatz gebrochen werden, damit die Leut handeln können, andernfalls handeln sie nicht, sondern exekutieren nur weiterhin entweder aufgezwungene oder<br /> angenommene Zwecke und Zwänge.<br /> <br /> <br /> Deine historischen Verweise sind deshalb inmitten ihrer Unklarheit und Unzulänglichkeit auch einfach ein  Knieschuss. Wer, wie Du, erlebt hat, wie die<br /> Bevölkerung der SU und der anderen Blockstaaten sich nach der Abdankung der Garanten ihrer "Volkssouveränität" handelte und dachte, von der Armee dieser Volkssouveränität zu schweigen, die sich<br /> als Söldnerarmee in den Dienst der Oligarchen und Plünderer stellte, der sollte sich über die MG-Kritiken besser nicht mit historischen Verweisen erheben, wenn er sich nicht lächerlich machen<br /> will!<br /> Zumal Du "das, was man gemeinhin dialektischen/historischen Materialismus nennt" ein "allgemeingueltiges Instrument fuer jedwede Gesellschaftsanalyse auch<br /> heute" heißt, und Dich damit genau so positionierst, wie es ein Prophet seines "einzigen Gottes" tut, der in seiner Botschaft die Botschaften aller vorangegangenen Propheten für entweder<br /> eingemeindet oder "Irrwege" erklärt. Das ist von allem Anfang weg Theoriefeindlichkeit, die sich mit einem Etikett aus der begrifflichen<br /> (philosophischen) Abteilung theologischer Diskurse schmückt.<br /> <br /> <br /> Um lieber etwas konkreter zu bleiben noch ein weiterer Punkt:<br /> <br /> <br /> "Der gemeinsame Verkauf der Arbeitskraft fuehrt zu der Erfahrung, dass - zumindest in dieser Angelegenheit - nicht das Einzelhandeln des "autonomen<br /> Indivuduums" - des Staatsbuergers - erfolgreicher ist, sondern kollektives Handeln."<br /> <br /> <br /> Jupp - und genau das ist das "kollektive" Handeln einer Staatssouveränität, die Zwangskollektivierung der<br /> Rechtssubjekte, die ihrem Handeln als Konkurrenzsubjekte eine der Zirkulation des Kapitals verträgliche und nützliche Verlaufsform gibt. Mit<br /> gemeinschaftlichem Handeln, oder gar dem Handeln frei vergesellschafteter Individuen hat das nicht nur nix zu tun, es steht vom Fleck weg polemisch dagegen!<br /> <br /> <br /> Und was, bitte, könnte Letzteres besser illustrieren, als die  Polemik und Kampagne Deines Textes gegen das Interesse an und<br /> die Kenntnisnahme von Gegenstandpunkt - Texten!<br /> <br /> <br /> Die Du selbst liest!<br /> <br /> <br /> (Weil Du ja zu denen zählst, gelle, die "verständig" mit ihnen umzugehen wissen ...)<br /> <br /> <br /> beste Grüße<br /> <br /> <br /> TG<br />
Antworten
T
<br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> ich wurde erst durch den neuen Kommentar auf diesen Eintrag aufmerksam den ich angesichts Deiner zahlreichen Leserschaft nicht unkommentiert lassen will.<br /> <br /> <br /> Doch zunächst zu meinem Vorredner, dessen Kommentar ich im Wesentlichen sowohl zu akzentuieren als zu entschärfen gedenke - bis auf einen Punkt:<br /> <br /> <br /> "Dass es zu einer Strategie eine Theorie bräuchte, ist ein schlechter Witz."<br /> <br /> <br /> Diese Einlassung ist ein "schlechter Witz", der sich des MG-Stils bedient, aber enthüllt, wie "wenig dahinter" hockt.<br /> <br /> <br /> Das strategische Ziel der Roten Zellen/Ak-Fraktion, später MG, ist es in erster Instanz gewesen, vermittels einer Neuaufnahme und Weiterführung der "Kritik der<br /> politischen Ökonomie" von Marx (Staatskritik, Imperialismuskritik, Kritik der bürgerlichen Wissenschaft und Öffentlichkeit) die Fehler zu identifizieren und richtig zu stellen, die kommunistische<br /> Parteien und Bewegungen zuvor tradiert hatten, und die ihnen neben den Verlusten und Niederlagen, die sie durch Repression und Konterrevolution erlitten, schädlich bis<br /> verhängnisvoll geworden waren. In zweiter Instanz sollte auf Basis dieser Fehlerkorrektur und mit den Kräften der in dieser Arbeit gewonnenen Kader, ein<br /> strategischer Neubeginn kommunistischer Öffentlichkeitsarbeit und Subversion initiiert und, zusammen mit Genossen anderer Provenienz, denen die Resultate eingeleuchtet hätten,<br /> voran getrieben werden, auch "parteitaktisch".<br /> <br /> <br /> Zu dieser "Phase zwei" ist es nie gekommen. Nach Aussage der Auflösungserklärung der MG ("Absage") hat "der Verein" praktisch nichts als Ideologiekritik betrieben, mit der er in<br /> der "demokratischen Öffentlichkeit" (ein Begriff der "Resultate") "aufgelaufen" sei, und ich - ein Ex-Mitglied - unterstreiche das. Die einzig substanzielle<br /> Anklage des Verfassungsschutzes lautete denn auch, die MG habe für ihre "steinzeitkommunistische" Agitation ein kompetentes und nennenswertes "Medienimperium" aufgebaut.<br /> <br /> <br /> Insofern, Sepp, hat der Vorredner wieder recht. Deine Kritik ist gegenstandslos, und das nicht erst seit der offiziellen Auflösung der MG, der 6 Jahre zuvor eine inoffizielle, interne Auflösung<br /> voran ging, mit der "Ansage", man werde beim damaligen Stand die Mitglieder und Sympathisanten einer massiven Repression nicht aussetzen.<br /> Die Arbeit der MG bzw. heute des Gegenstandpunktes zur Kenntnis zu nehmen und ihre Resultate nach bestem Wissen zu wägen sollte sich niemand mit dem Argument versagen oder gar versagen lassen,<br /> sie habe "keine revolutionäre Perspektive" - oder so ähnlich. Die hatte Marx "Kritik der politischen Ökonomie" auch nicht - andernfalls hätte er sich die 20jährige Arbeit gespart und es beim<br /> "kommunistischen Manifest" belassen!<br /> <br /> <br /> In einem zweiten Kommentar werde ich etwas mehr ins Einzelne gehen.<br />
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L
<br /> Mit deiner Suche nach dem Weg hin zu einem Umsturz des Kapitalismus, wohl aus Enttäuschung über besheidene Erfolge in Punkto Abschaffung des Kapitalismus, begibtst du dich auf einen falschen<br /> Pfad: Du stellst die richtige Kritk am Kapitalismus und deren praktische Umsetzung gegeneinader auf. Die MG z.B. behauptet nicht, dass,  wenn man sich seines Feindes bewusst ist, auch den<br /> gleich wegfegt. Das sind doch zwei voneinader getrennte Akte, die beim besten Willen auch die MG nicht herbeiführen kann; da kommt es schon auf jeden Einzelnen und seine freie Entscheidung/Tat<br /> an. Bereits deine Frage, welchen Nutzen eine Kritk hätte, ist ein Fehler, denn es geht bei dieser um keinen Nutzen, d.h. um eine praktische Folge, um eine folgende Zwangsläufigkeit. Kritik und<br /> deren praktische Umsetzung gehören zwar schon zusammen, sind doch aber zwei paar Schuhe. Eine richtige Kritk an den mir feindlich gegenüberstehenden Dingen ist allemal vorauszusetzen, bevor ich<br /> mich an deren Abschaffung mache. Statt dich mit der Frage im Hier und Jetzt ernsthaft zu befassen, kramst du lieber in der Geschichte nach. Übringens ist Gewerkschaft genau das Gegenteil von der<br /> oben genannten Kritk und deren Umsetzung.<br /> <br /> <br /> Dass du die Strategie zum Umsturz des Kapitalismus mit dessen Kritk auf eine Stufe stellst, ist auch falsch. Dass es zu einer Strategie eine Theorie bräuchst, ist ein schlechter Witz. Die ergibt<br /> sich schon von ganz alleine, wenn sich genug Leute finden. Dazu müssen sie aber erstmal davon überzeugt sein bzw. überezuegt werden, wozu du ja beitragen kannst, statt den paar Leuten, die sich -<br /> gerade,weil sie so wenige sind - gruppieren, um sich ein Klima der Agitatin überhaupt zu schaffen, Sektiererei vorzuwerfen.<br />
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K
<br /> <br /> Guter Beitrag, was Du so alles auskramst? Alle Achtung, krame weiter!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Naja, ich bin ja jetzt beinah schon ein alter Mann, und die ärgern mich seit vierzig Jahren. "Mit Marx zurück zu Hegel" ist halt ein Rückwärts-Programm.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> Zu was man dich alles inspirieren kann, wenn man - blöderweise - mal "Blogger-Sepp" sagt ...<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Gelle ? (Der Text ist aber schon älter. Du hast mich bloss gereizt,so dass ich ihn wieder vorgekramt hab.)<br /> <br /> <br /> <br />