Mit der EU in den Ruin

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Zwei Jahrzehnte lang schien die EU für deren südliche Mitgliedsstaaten der Garant des Aufstiegs zu sein. Gigantische Kreditsummen flossen. Aber sie flossen zu einem Grossteil in unproduktive "Dienstleistungs"sektoren und Spekulationsgeschäfte, während die wertschaffenden produktiven Sektoren schrumpften und Industrie und Handel von den stärkeren monopolistischen Kapitalen aus dem Norden, namentlich aus Deutschland, überrannt wurden. Die Krise bringt das jetzt ans Licht. Die EU ist kein Erfolgsweg. Sie ist ein Desaster. Griechenland, Spanien und Portugal stehen jetzt schlechter da als vor zwei Jahrzehnten. Nur in einer Hinsicht schlagen sie alle Weltrekorde - der Arbeitslosigkeit. Die EU hat die Grossen stark  und die Kleinen platt gemacht.

 

Zur Arbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland steht in der Financial Times Deutschland:

 

http://www.ftd.de/politik/europa/:statistik-der-ilo-spaniens-arbeitslosigkeit-bricht-weltrekord/70088251.html

 

 

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kucaf 09/12/2012 11:08


 


Nun Sepp,


gelegentlich widerspreche ich Dir gern, nur mit Deiner Aussage bestätigst Du eigentlich nur die meine! Das Fragezeichen hinter „mit der EU in den Ruin“ verweist nicht nur darauf zu klären, was
die EU eigentlich ist und worum ihr euch streitet, sondern in diesem Zusammenhang auch die Funkion selbiger, als ein Instrument zur Durchsetzung von Kapitalinteressen. So gesehen, sehe ich keinen
Widerspruch in unseren Aussagen und ob die EU als Staat gesehen werden kann, oder nicht, darüber lässt sich sicher streiten, wobei auch hier die Praxis der Prüfstein der Theorie ist. Dabei tut es
uns gut, uns zu besinne, was der Staat eigentlich ist! … Machtorgan der jeweils herrschenden Klasse!

Sepp Aigner 09/14/2012 12:23



Für die konkrete politische Orientierung scheint es mir schon wichtig zu sein zu bestimmen, "wo die Macht sitzt", weil man nur dort gegen sie angehen kann, wo sie sitzt.



kucaf 09/11/2012 21:47


 


Ja Sepp,


mit der EU in den Ruin? Nun ist der Artikel durchaus interessant, gibt er doch einige Entwicklungen preis, gerade was die Arbeitslosigkeit in diesen Ländern betrifft, nur ist die EU daran schuld?
Basis/Überbau und da ist die EU ein Staatsgebilde, selbst wenn es aus Staaten besteht! Anders gefragt, wären die Folgen andere, wen es die EU nicht geben würde? Auch wenn
die Folgen sich anders entfalten würden, zu umgehen wären sie nicht, da die Ursachen die selben wären. … Würde ich vermeinen.


Gruß

Sepp Aigner 09/12/2012 10:37



Hallo Thomas. Diesmal geb ichDir nicht recht. Es geht ja in dem Artikel nicht darum zu behaupten, diejenigen Staaten, die in der EU am unteren Ende der Machtpyramide stehen, hätten ohne EU keine
Krise. Sondern es geht darum, dass diese Staaten von den mächtigsten EU-Staaten, vornehmlich Deutschland, wirtschaftlich erdrückt werden, z. B. dadurch, dass ihre Produktionsbasis stark zerstört
wurde und sie mit deutschen Exporten geflutet worden sind. Dabei ist die EU freilich nur die konkrete Form, die der gesetzmässigen Ungleichheit der kapitalistischen Entwicklung Ausdruck
gibt, in der es immer Gewinner und Verlierer gibt. Eben das ist ja ein Charakteristikum des Imperialismus, und das "imperialistische Konstrukt EU" (wie es im DKP-Programm heisst) ist in dem Fall
dessen Realisierung. Gäbe es die EU nicht, wäre die Ungleichmässigkeit halt in anderer Form realisiert worden.


Nicht recht gebe ich Dir auch darin, dass die EU ein Staat sei. Sie ist ein Staatenbündnis mit imperialistischem Charakter. Daran ändern EU-Institutionen nichts, weil die Macht in den
Nationalstaaten bleibt. Das ist übrigens eine der zentralen Differenzen in der DKP und wir führen darum eine erbitterte Auseinanersetzung. Dazu kann man viel bei T&P nachlesen und auch in
diesem Blog. Eine Lektüre, die ich besonders empfehle, sind die Arbeiten von Andreas Wehr zu diesem Thema, z. B.: http://www.andreas-wehr.eu/nation-souveraenitaet-und-imperialismus-in-der-europaeischen-union.html .