Münchener Freiheit, noch nicht ganz ungarisch

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die Polizeiinspektion 43 München ermittelt gegen den Künstler Wolfram P, Kastner wegen seiner Ausstellung „teilen statt kriegen“, in der er drei Tage lange Kunst gegen Krieg zeigte.

Sie wirft ihm vor, „folgende Ordnungswidrigkeit(en) begangen zu haben: OWiG – sonstige Art (Par. 112 -130 OWiG) (Belästigung der Allgemeinheit)“.

„Durch die öffentliche Zuschaustellung der Kriegsbilder haben sie gem.3 118 OWiG die Allgemeinheit belästigt.“ (unverändertes Zitat aus dem Schreiben des POM Götz BY8543-005025-11/5).

 

Womit hat Wolfram P. Kastner "die Allgemeinheit belästigt" ? - Mit einer Ausstellung, die Kriege als Schlächterei charakterisiert. Leuten aus der Nachbarschaft des Ausstellungsorts fühlten sich davon "belästigt". Die Ausstellungsstücke könnten den Seelenfrieden von Kindern stören. Der Künstler beendete die Ausstellung schliesslich vorzeitig, entnervt von den Pöbeleien und Drohungen. ( http://hpd.de/node/11470 ) Die Polizei hat gegen Kastner das oben zitierte Ermittlungsverfahren eingeleitet und damit dem "gesunden Volksempfinden" entsprochen.

 

Wenn die Kinder die tägliche Mörderei der NATO in Libyen anschauen, wird ihr Seelenfrieden anscheinend nicht gestört. Jedenfalls habe ich noch nicht gehört, dass gegen die ARD oder das ZDF wegen "Belästigung der Allgemeinheit" ermittelt wird, wenn sie wohlwollend über die Gräueltaten der NATO in Libyen oder Afghanistan "berichtet". Gegen Kastner dagegen ermittelt die Polizei schon. - Freiheit in München, 2011.

 

In München geht es in dem Fall um die Freiheit der Kunst. In Ungarn ist die Freiheit schon weiter fortgeschritten, zum Völkischen und zur Rassereinheit. Freiheit in Ungarn, 2011:

 

http://www.tagesschau.de/ausland/roma204.html

 

Soweit ist es in München noch nicht. Das "gesunde Volksempfinden" ist noch nicht stark genug. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

 

 

Veröffentlicht in Kultur und Gesellschaft

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